Überlebenskunst: Wasteland

, 30. Mai 2011

Foto: Vic Muniz

Die Catadores (Pflücker) leben auf der größten Müllkippe der Welt an der Peripherie von Rio de Janeiro. Bis zu 5.000 Menschen durchsuchen die Abfälle der Stadt nach Wertstoffen und bestreiten damit ihren Lebensunterhalt. Für drei von ihnen hat sich das Leben radikal geändert, denn zusammen mit dem renommierten Künstler Vik Muniz gestalteten sie überdimensionale Portraits und verkauften sie. Lucy Walker hat diesen kreativen Prozesses in dem Film „Waste Land“ (Wüstenland) dokumentiert und zeigt sowohl den Stolz als auch die Verzweifelung der Catadores, die ihrem Leben eine neue Richtung geben.

Der zeitgenössische Künstler Vik Muniz lebt in Brooklyn folgte aber seinen brasilianischen Wurzeln nach Rio. Dort freundete er sich schnell mit einigen Catadores an: Mit Irma, einer Köchin, die Essen auf der Müllhalde verkauft. Mit Zumbi, dem ansässigen Intellektuellen, der an jedem Buch festhält, das er irgendwann fand und mit der 18-jährigen Suelem, die schon mit sieben Jahren auf der Mülldeponie ankam. In einer angemieteten Lagerhalle ordneten sie auf dem Boden Abfall um Nachbildungen der Fotografien an, die Muniz zuvor von den Catadores gemacht hatte. Danach fotografierten sie aus 22 Metern Höhe die Kompositionen. Eine dieser Abfall-Portraits konnte Muniz für 64.097 Dollar bei der angesehenen Phillipe de Pury Auktion in London versteigern. 100% der Einnahmen gingen an die Garbage Pickers Association von Jardim Gramacho.

Der Regisseurin Lucy Walker gelingt es eindrucksvoll mit  Waste Land tiefe Einblicke in den gesamten kreativen Prozess zu geben: „Ich habe mich schon immer für Abfall interessiert. Was er über uns aussagt. Was davon uns beschämt und wovon wir uns kaum zu trennen vermögen. Wohin er gelangt und wieviel es gibt. Wie er überdauert. Wie es wohl sein könnte, jeden Tag damit zu arbeiten.“ Am Ende liefert Walker mit ihrem Dokumentarfilm den anrührenden Beweis der transformativen Kraft von Kunst und der Alchemie des menschlichen Geistes: „Mein tief empfundener Dank gilt den Catadores. Ich komme nicht umher, Waste Land zusammen mit meinen früheren Filmen zu sehen, nicht zuletzt aufgrund der Ehrfurcht und der Dankbarkeit, die ich für die Gruppe von Menschen empfinde, die mutig genug waren, ihre Geschichten mit uns zu teilen und ein Leben so voller Inspiration für uns alle zu führen. Wir widmen diesen Film Valter, der einst sagte, dass 99 nicht 100 sei. Eine einzige Dose oder ein einzelner Catador könne den Unterschied machen.“

Mehr Hintergründe zu Wasteland und die Kinotermine in Deutschland auf der Website von Real Action Filme und der englischen Website Wasteland.

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