Liebe in den Gezeiten des Lebens

„Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die gleiche Weise. Und doch ist es genau das, was die meisten von uns fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen, und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, sie würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzige mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab – in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.

Die einzige wirkliche Sicherheit liegt nicht im Soll oder Haben, im Fordern oder Erwarten, nicht einmal im Hoffen. Die Sicherheit einer Beziehung besteht weder im sehnsuchtsvollen Verlangen nach dem was einmal war, noch im angstvollen Bangen vor dem, was kommen könnte, sondern im lebendigen Bekenntnis zum Augenblick. Denn auch eine Beziehung muss wie eine Insel sein. Man muss sie nehmen wie sie ist, in ihrer Begrenzung – eine Insel, umgeben von der wechselvollen Unbeständigkeit des Meeres, immerwährend vom Steigen und Fallen der Gezeiten berührt. Man muss die Sicherheit des beschwingten Lebens anerkennen, seine Ebbe, seine Flut und seine Unbeständigkeit.“

Zitat von Anne Morrow Lindbergh aus Muscheln in meiner Hand: Eine Antwort auf die Konflikte unseres Daseins

Zur Person: Anne, geboren am 22. Juni 1906 in Englewood, New Jersey, als Anne Spencer Morrow, gestorben am 7. Februar 2001 in Vermont, war die Ehefrau, Co-Pilotin und Navigatorin von Charles A. Lindbergh und Schriftstellerin. Als zweite von vier Kindern des US-amerikanischen Senators Dwight Whitney Morrow (1873 – 1931) und der Dichterin und Frauenrechtlerin Elizabeth Reeve Cutter (1873 – 1955). 1928 machte sie ihr Bachelor of Arts und am 27. Mai 1929 heiratete sie Charles Lindbergh. Die Lindberghs hatten insgesamt sechs Kinder.
Zum Buch Muscheln in meiner Hand schrieb sie: “ Ursprünglich schrieb ich diese Seiten nur für mich selbst. Ich wollte meinen eigenen Lebensstil, meinen persönlichen Lebensrhythmus zwischen meiner Arbeit und meinen menschlichen Beziehungen überdenken. Und da ich am leichtesten mit dem Bleistift in der Hand denke, ergab sich das Schreiben von selbst. Als sich meine Gedanken zum ersten Mal auf dem Papier ordneten, glaubte ich, meine Erfahrungen seien sehr verschieden von denen anderer Menschen. (Erliegen wir alle dieser Täuschung?) Ich genoß in meinem Leben in gewisser Hinsicht mehr Freiheit, als den meisten Menschen zuteil ist, in anderer Hinsicht war ich wesentlich beengter.
Außerdem, so glaubte ich, suchen nicht alle Frauen nach einem Lebensstil, noch haben sie das Bedürfnis nach einer ungestörten besinnlichen Ecke. Viele Frauen finden sich mit ihrem Leben sehr wohl ab. Sie werden erstaunlich gut damit fertig. Äußerlich gesehen schien mir, als meisterten sie es viel besser als ich. Mit Neid und Bewunderung betrachtete ich die glasglatte Vollkommenheit ihrer im ungestörten Pendelschlag schwingenden Tage. Vielleicht hatten sie keine Probleme oder sie hatten schon längst eine Antwort darauf gefunden. Nein, dachte ich schließlich, diese Überlegungen können nur für mich selbst von Wert und Interesse sein.“

Posted in Kolumne, Leben Getagged mit: , ,
  • Juliane Fadenwirkerin

    Das sind sehr berührende Worte. Vielen Dank dafür.
    LG von Juliane 

  • *sonne

    Diese Worte sind so gefuellt mit Wahrheit, wie ich sehr erst sehr selten gehoert habe…genau zum rechten Augenblick hab ich sie gefunden. DANKE!!
    *sonne

    • http://www.newslichter.de Bettina Sahling

      Wie schön :-)

    Ich würde nur einem Gedanken trauen, der mindestens zehn Kilometer gewandert ist.

    Friedrich Nietzsche

Interaktion

Gute Nachrichten teilen
29.06.2015 um 16:06 Uhr

Umzug

Der Umzug auf den neuen Server gestaltete sich aufwendiger als gedacht. Der geplagte Webdesigner Rolf: „Das war aber ein Umzug mit Ölwechsel unterwegs, neuer Sackkarre kaufen, ein stück Strasse neubauen, Kartons umpacken und kurz das Haus renovieren. Sorry für die ungeplant lange downtime und noch evtl. vorhandene glitches. Alles wird gut, besser, bunter und leuchtender.“ Danke für das unermüdliche weitermachen!

 

27.06.2015 um 10:06 Uhr

Love is Love

Gutes Urteil: Künftig ist die gleichgeschlechtliche Ehe überall in den USA möglich. Das hat der Oberste Gerichtshof entschieden – und damit ein Urteil von historischer Tragweite gefällt. Mehr bei Spiegel-Online
loveislove

27.06.2015 um 09:06 Uhr

Siebenschläfertag

Heute ist Siebenschläfertag und das Wetter durchwachsen – trotzdem soll nächste Woche der Sommer kommen – ich geh auf ihn zu :-)

Foto: Doris Schneider

Foto: Doris Schneider

Ein Nachmittag mit Eckhart Tolle

Dank­bar­keit für die gu­ten Din­ge in dei­nem Le­ben ist die Grund­vor­aus­set­zung für jeg­li­che Fül­le." Ver­brin­ge ei­nen Nach­mit­tag der be­son­de­ren Art mit Eck­hart Tol­le!
27.9.2015 Karlsruhe, Schwarzwaldhalle
04.10.2015 Hamburg, CCH
Hier Karten buchen
Tolle_Ankündigung_Facebook

Partner

Sie bilden das Netzwerk der guten Nachrichten: Die Partner der newslichter. Wir verzichten auf klassische Werbeformate, aber wir empfehlen bewusst ausgewählte Projekte und Unternehmen auf unserer Partnerseite Wollen Sie für 365 Tage Partner dieses starken Netzwerkes sein? Für nur einen Euro pro Tag sind sie dabei. Hier Kontakt aufnehmen.

AboSonne

sunrays
sun with abo

Jetzt ein Abo!

Die newslichter sind frei zugänglich und wollen unabhängig von Werbung und journalistischen Zwängen ein neues Paradigma in der Medienwelt begründen. Wenn viele Menschen einen kleinen Beitrag leisten, können wir viel bewegen.