Urlaubsphotos für eine bessere Welt

, 3. September 2012

Foto: Steffen Rothhammel, Zusammenkommen

Von Hans Oberländer. Gut, dass Thomas Heinrich ein schlechtes Gewissen hatte. Sonst gäbe es Photocircle nicht – eine sozial engagierte Fotoplattform, die jetzt in Berlin an den Start gegangen ist. Darf man das, durch die Welt reisen und Land und Leute fotografieren? Was für eine Frage, Millionen von Hobbyfotografen tun es jeden Urlaubstag. Wieder zu Hause freuen sie sich über schöne Motive, die Anerkennung ihrer Freunde und über das Geld, das gelegentlich der Verkauf von Fotos bringt. Thomas Heinrich, 29, Wirtschaftswissenschaftler aus Berlin, freute sich jahrelang genauso. Doch irgendwann bekam er ein schlechtes Gewissen. Die Menschen, die er ohne ihr Einverständnis in ihrem Alltag fotografiert hatte, die exotischen Landschaften – wie profitierten sie? Gar nicht. Dabei hatte er viele seiner besten Fotos in armen Regionen gemacht, wo die Menschen jede Hilfe gut gebrauchen können. In Gesprächen mit anderen Fotografen stellte er fest, dass viele ähnliche Skrupel hatten: Sie wollten den Menschen auf ihren Bildern etwas zurückgeben, wussten aber nicht wie.

Und so entwickelte Heinrich eine Idee, die jetzt in ein sozial engagiertes, innovatives Geschäftsmodell mündete: Photocircle. Auf der Onlineplattform Photocircle.net können die Kunden eigene Bilder hochwertig drucken lassen oder Kunstdrucke talentierter und renommierter Fotografen kaufen. Beides geht einfach und bequem in nur wenigen Klicks. Das Besondere: Ein Teil des Erlöses wird an ein soziales Projekt in der Region gespendet, in der das Foto aufgenommen wurde. Dafür verzichten Fotografen, die bei Photocircle mitmachen, auf mindestens 30 Prozent ihres Gewinns. Zusätzlich spendet Photocircle bei jedem Kauf sechs Prozent des Grundpreises an das jeweilige Projekt: Etwa einen Brunnen für ein Armenviertel, die Förderung der Bildung indischer Dorfbewohner, eine Patenschaft in Nordkolumbien zur Stärkung der Rechte von Frauen und Kinder oder eine Schülerpatenschaft für sozial schwache Berliner Kinder. Die Kunden wählen das Projekt aus, das von Partnerorganisationen betreut wird: der UNO-Flüchtlingshilfe, Kinderhilfsorganisation Plan International und lokalen Initiativen wie den Schülerpaten Berlin oder der Kulturloge Berlin.

Um eine hohe Qualität der Fineart-Drucke zu gewährleisten, bestehen die Leinwände aus 100% Baumwolle und sind mit einem speziellen UV-Lack versiegelt. Das Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Bei den Acrylglasbildern und Alu Dibonds setzt Photocircle auf die klassische Kaschierung und meidet das minderwertige Direktdruckverfahren.

Die Erstveröffentlichung des Artikels fand im MAYmagazine des Journalisten Hans Oberländer statt. In 28 Berufsjahren hat er als Redakteur oder freier Mitarbeiter für eine Vielzahl namhafter Magazine gearbeitet hat, unter ihnen Stern, Gala, Wirtschaftswoche, Lufthansa Magazin.

  • Cornelia Mohrig

    Das ist eine sehr gute Idee .. viel Glück dabei .. und einen intensiven, gerecht verteilten Gewinn für alle Beteilgten..

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