KarmaKonsum 2011: Weniger und doch mehr

Was für ein Wandel zu 2010. Damals gab es auf der KarmaKonsum noch eher eine grundsätzliche Schwingung von „alles geht weiter wie bisher – nur nachhaltiger“. Jetzt spürten alle, das stimmt nicht mehr. Wir leben nicht nur durch Klimawandel und ökologische Schäden auf dünnem Eis und müssen uns verändern. Doch weniger konsumieren kann auch wieder mehr Lebensqualität bedeuteten. Dr. Niko Paech brachte diese Entwicklungen in seinem Vortrag über die Postwachstumsökonomie wie kein anderer auf den Punkt.

Zuerst referierte der Professor für Wirtschaftswissenschaften kurz darüber, dass wir in einer totalen Abhängigkeit vom Öl leben und dadurch in eine Gefangenschaft der Fremdversorgung mit allen Dingen geraten sind. Jetzt, wo sowohl beim Öl den Höhepunkt der Fördermenge überschritten ist (Peak Oil) zeichnet sich ab, das auch auf vielen anderen Ebenen der Höhepunkte erreicht ist: Peak Everything. Aber das ver-rückte an der ganzen Entwicklung ist und war ja, dass die meisten Menschen durch diesen hemmungslosen Konsumismus nicht einmal glücklicher geworden sind. Viele hetzen durch das Leben in einem Arbeits- und Freizeit-Dauerstress.

Paech skizzierte die Möglichkeit durch eine genügsame Anpassung der Bedürfnisse, eine neue Daseinsmächtigkeit zu erlangen. Durch den Konsumverlust gewinnen wir endlich wieder Zeit und Aufmerksamkeit für uns und unsere Mitmenschen. Wir wandeln uns vom Konsumenten zum Prosumenten. Dabei produzieren wir wieder mehr Dinge selbst, nutzen Dinge in der Nachbarschaft wieder gemeinsam und verlängern durch achtsame Nutzung, die Lebensdauer der Produkte. Das alles könnte schon zu 50 Prozent weniger industrieller Produktion führen.

Für die Arbeits- und Lebenswelt bedeutet dies, dass wir nur noch 20 Stunden wöchentlich für monetäre Vergütung arbeiten, die natürlich gerecht verteilt werden müsste. 20 Stunden arbeiten wir unentgeltlich für unsere Selbstversorgung. Für alles gilt: So regional/lokal wie möglich, so global wie nötig. Einen guten Weg, um diesen Übergang gut zu gestalten, sieht Paech in der Transition Town Bewegung. Dazu in der nächsten Woche ein ausführlicher Artikel.

Zum Thema Selbstversorgung passte wunderbar der Vortrag von Dr. Christa Müller über Urban Gardening. Ihr Fazit: Eine andere Welt ist pflanzbar. Und Regina Hunschock beschwor eine lebendige Nachhaltiglkeitskultur und die Wiederkehr der weiblichen Prinzipien auf einer mehr philosophischen integralen Ebene. Sie zitierte Ken Wilber: „Erreifen wir die Hand der Weisen Frau, wandern wir mit ihr durch das Land unserer Seele und lauschen wir, was sie uns zu erzählen hat. Eine sicherere Hand können wir in dieser Zeit nicht finden.“  Auch beim Greencamp und in den vielen informellen Kontakten wurde deutlich: Viele Menschen haben sich aufgemacht, um auf allen Ebenen den Wandel zu vollziehen. Das macht Mut.

 

 

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Ein Kommentar zu “KarmaKonsum 2011: Weniger und doch mehr
  1. Gert Schmidt sagt:

    Eine  Ergänzung des Artikels:

    http://www.transition-initiativen.de/page/konferenz-blog

    Hier kommt Niko Paech persönlich zu Wort: 1. ein zusammenfassendes Statement, 2. rund eine Stunde Vortrag.

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