Vom Traum zur Wirklichkeit: Das Sonnenprojekt

Vom Traum zur Wirklichkeit: Das SonnenprojektVor zwei Jahren hatte Evelin Rosenfeld einen Traum, der sie aufforderte, Sonnenpflanzen zu suchen und mit deren Hilfe „auf alten Wegen“ die Verehrung der Sonne zurück zu den Menschen zu bringen. Bis heute hat sich ein außergewöhnliches Social Entrepreneurship unabhängig von kapitalistischen Strukturen entwickelt. Auf Teneriffa wurden traditionelle Medizinpflanzen gesammelt und sind jetzt erstmals in Deutschland zu beziehen. Im Herbst beginnt der Eigenanbau, um die Wildpflanzen zu kultivieren. Im nachfolgenden Interview erzählt Rosenfeld ihre einmalige Geschichte und beschreibt die nächsten Schritte.

Wie führte Dich der Weg nach Teneriffa?

In den Rauhnächten des Jahres 2009 hatte ich einen wiederkehrenden Traum: Ein Pflanzenwesen (es nannte sich „Vertreterin der Sonnenpflanzen“) klagte über die Abwendung der Menschen von der Sonne und forderte mich auf, die Sonnenpflanzen zu suchen und mit deren Hilfe „auf alten Wegen“ die Verehrung der Sonne zurück zu den Menschen zu bringen. Zudem nannte es mir eine seltsame Zahlenkombination. Obwohl ich sehr erstaunt war, begann ich zu forschen und die Zahlen stellten sich als Koordinaten eines unbeschreiblich schönen Platzes im Anagagebirge auf Teneriffa heraus. Ich reiste dorthin und traf dort mitten im abgelegenen Anagagebirge einen alten Guanchen. Er begrüßte mich mit den Worten „Du kommst später als ich dachte“ und begann fast unvermittelt, mir die Medizinpflanzen der Guanchen zu zeigen und auf langen Wanderungen nahezubringen. Woche für Woche fügten sich die Nachricht des Pflanzenwesens, meine Lehren bei dem Guanchen und meine Transformationsarbeit zu einem klaren Bild und Vorhaben zusammen: Es zeigte sich ein Pflanzenkreis aus fünf Sonnenpflanzen, der die uralten Rituale der Guanchen erschliesst für die Arbeit mit Menschen in Transformationsprozessen.

Ich forsche schon länger über die Wirkung von bestimmten Pflanzen auf die Bewusstseinsbildung beim Menschen. Doch was ich mit diesen Pflanzen erlebte – im direkten Kontakt und bei Räucherungen – übertrifft das, was ich bisher kannte.

Jetzt hattest Du also diese ungewöhnlichen Sonnenpflanzen gefunden, wie entstand jetzt daraus die Idee zum Sonnenprojekt?

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit auf den Kanaren (38%) und die „Entwurzelung“ der traditionellen Guanchenkultur, der Raubbau an der Natur durch Massentourismus und Baukapitalismus geben sozialpolitisch genügend Anlass für das Projekt. So fügte sich 2010 vieles zusammen: Ein erstes Gespräch mit Vertretern der Inselregierung ergab eine positive Resonanz hinsichtlich der Arbeit mit Jugendlichen. Kontakte mit ansässigen „Curanderos und Curanderas“ eröffneten mir die Pflanzenwelt und rituelle Bräuche des ursprünglichen Volkes. Engagierte Mandant/innen und Freunde halfen mir beim Testanbau der ausgewählten Pflanzen, bei Wildsammlungen und bei der Organisation unserer Testcharge.

Und jetzt gibt es bereits die ersten Sonnenpflanzen zu beziehen?

In diesem März bin ich aus dem Anaga mit den ersten 400 Räucherbündeln zurückgekehrt. Sie wurden im Rahmen eines Guanchenrituals wild gesammelt und gebunden. Diese 400 Bündel werde ich nun für 21€ je Bund an Heiler und Heilerinnen weitergeben, die ähnliche Erfahrungen mit der Artemisia machen wollen, wie ich und die sie im Rahmen ihrer Arbeit einsetzen wollen.

Wie verbindet sich dieses Projekt mit Deiner Arbeit in Thailand?

Ich lebe seit 2000 jedes Jahr mehrere Wochen oder Monate im Süden Thailands. Über eine Einladung zur Tållberg-Konferenz (Äquivalent der Nachhaltigkeitsszene zur Genfer Wirtschaftskonferenz) traf ich einen der thailändischen Bürgerrechts-Star Chaiwat Tirapantu. Er war mit seinem Netzwerk (später in den Medien „Gelbhemden“) stark in die Proteste gegen den korrupten und illegal amtierenden thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra involviert. Nachdem Thaksin im September 2008 nach großen Ausschreitungen flüchtete, war das Primärziel der Gelbhemden erreicht – allerdings galt es ja nun, aus dem „Gegen“-Ziel ein „Für“-Ziel zu machen (es ist so viel leichter, gemeinsam gegen etwas zu sein als gemeinsam für etwas zu sein…). Chaiwat kannte und schätze meine Arbeit zum wertebasierten Management, das genau darauf angelegt ist, (politische und wirtschaftliche) Interessenskonflikte zugunsten einer gemeinsamen Wertebasis auf Dauer zu überwinden. Daher lud er mich ein, mit den Schlüsselpersonen seines Netzwerks einen Workshop zu halten, der eine gemeinsame, wertebasierte Politiklinie für die Gelbhemden zum Ziel hatte.

In diesem Zusammenhang besuchten wir viele Sanghas im Norden und Nordwesten Thailands. Korruption und mafiöse Drogennetze sind dort nach wie vor Hauptursachen für Armut und Bildungsmangel. Ein Theravada-Abt in der Provinz Nakornsawan hatte begonnen, mit seinen Mönchen traditionelle Medizinpflanzen der Region auf dem Tempelgelände zu kultivieren und damit eine natürliche und historische Verbindung der Einheimischen zu ihrem Land zu fördern. Hieraus entstand der Gedanke, diese zunächst rein spirituell-kulturelle Intention so auszudehnen, dass für die Beteiligten reelle, nachhaltige und aufrichtige Lebens- und Arbeitsstrukturen entstehen können. Der Anbau der Sonnepflanzen könnte hier der entscheidende Schlüssel werden.

Was sind die nächsten wichtigen Schritte?

Wir wollen die Produktion und Veredelung von 3X5 traditionelle Medizinpflanzen in Teneriffa und dann auch in Thailand und Thüringen in strukturschwachen Naturschutzgebieten vorantreiben. Dafür braucht es vielfältige Unterstützung verschiedenen Gebieten. Konkret müssen wir prüfen, ob unsere Produkte ihren sehr ausgesuchten und kleinen Markt finden. Das heißt, besteht Nachfrage für wertvolle Medizinräucherungen und wird der erforderliche Preis bezahlt? Zweitens benötigen Ressourcen für das Anlegen der Pflanzung und ihre Pflege für die ersten beiden Erntezyklen. Dazu benötigen wir nicht zwingend „Geld“. All diese Ressourcen könnten auch Sacheinlagen von Menschen sein, die über diese Ressourcen verfügen und sie dem Projekt zuführen wollen (Liste siehe unten).

Wann geht die Website online?

Sie ist schon online – allerdings als statische Minimalinformation unter www.wild-natural-spirit.org. Bis zu unserer Rückkehr aus Teneriffa Mitte August soll mehr zu Projekt und Produktportfolio aber auch zu benötigten Ressourcen online sein. Wir posten das gerne auch bei Euch!

Für die nächsten Schritte braucht das Sonnenprojekt bei folgenden Dingen Unterstützung:

1. AufbauererInnen vor Ort ab Herbst 2011: Kannst Du gut mir Pflanzen umgehen? Hast Du Lust, an den schönsten Orten dieser Welt Medizinpflanzen zu vermehren und zu pflanzen? Zusammen mit Menschen, die lieben, was sie tun und denen Achtsamkeit, Natur und Verbundenheit wichtiger sind als Anerkennung und Besitz?

Wir stellen Unterkunft und Verpflegung – Du reist selbst an.

2. PflanzenpflegerInnen vor Ort ab Winter 2011: Bist Du frei genug, eine Zeit lang auf der Insel zu bleiben und Dich um unsere Pflanzen zu kümmern? Hast Du Erfahrung mit integrierter Landwirtschaft und sprichst Du die Landessprache?

Wir stellen Unterkunft und Verpflegung – Du reist selbst an.

3. MultiplikatorenInnen die die Augen und Ohren für uns offen halten: Hast Du ein großes Netzwerk, kommunizierst Du gerne und kannst Du Menschen begeistern? Hast Du Erfahrung in Co-Creation und Projektmanagement?

Sieh Dir unseren bisherigen Rahmen an – und klinke Dich ein, wo Du glaubst, das Projekt voran bringen zu können!

4. SponsorInnen: Verfügst Du über Güter und Mittel, die Du teilen kannst? Oder kennst Du Menschen, die es könnten? Wir brauchen bis zur ökonomischen Eigenständigkeit eine Startfinanzierung und/oder Sachspenden für:

– landwirtschaftliche Geräte,

– Saatgut

– ein Auto vor Ort

– geeignetes Land zur Pacht oder zum Kauf im Anaga-Gebirge, Teneriffa

Wer sich angesprochen fühlt oder jemanden kennt den unser Projekt interessieren könnte, wer Fragen oder Ideen hat und wer uns finanziell oder mit Sachspenden unterstützen möchte wendet sich bitte an: www.wild-natural-spirit.org

 

 

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