Agent des Wandels Gert Schmidt

WW_Linden20100918Gert Schmidt ist ein echter Agent des Wandels. Persönlich hat er sein Leben als Börsenjournalist hinter sich gelassen, um sich für verschiedene Nachhaltigkeitsinitiativen in Hannover zu engagieren. Und so ist er jetzt für die Gemeinschaft als Projektkoordinator des gemeinnützigen Umweltvereins Wandelwerte e.V. aktiv, hat die Initiative Erntezeit Hannover mitgegründet, ist Anlaufstelle für das Gemeinwohl-Ökonomie-Energiefeld Hannover, arbeitet beim Runden Tisch für Regiogeld mit, plant gerade eine Existenzgründung für die Verkleinerung der Müllberge und Verschönerung des Alltags und startete sein erstes Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext zur Förderung der veganen Lebensweise in Hannover. Wir baten den 47jährigen für uns den Fragebogen des Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auszufüllen, der in den Salons der Vergangenheit angeblich „ein beliebtes Gesellschaftsspiel“ war.

Was ist für Sie das grösste Unglück ?
Das „größte“ Unglück zu beschreiben, fällt mir schwer. Aber der Tod ist etwas, das in diese Richtung geht. Der Tod in der Familie oder von Freunden verändert das Dasein so, dass ich es als das größte Unglück bezeichnen würde. Die Lebenseinstellung „alles ist immer und jederzeit möglich“, endet mit dem Tod.

Wo möchten Sie leben ?

An einem Ort, an dem Achtsamkeit, Respekt und Freiheit gelebt wird. Mit einem geografischen Punkt hat das nichts zu tun. Das kann überall auf der Welt sein. Gedanklich fühle ich mich als Vagabund. Zurzeit scheint mein Lebensmittelpunkt in Hannover zu sein.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück ?
Ich befinde mich im Fluss des Lebens und lasse mich führen. Das mit Gelassenheit empfangen zu dürfen, nähert sich dem Glück, das ich als vollkommen bezeichnen würde.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten ?
Die Fehler meiner Mitmenschen.

Ihre liebsten Romanhelden ?
Sun I, Tao-Mönch aus Szechuyn, von David Payne zum Leben erweckt und desillusioniert, dass es an der Wall Street einen Funken Hoffnung geben könnte.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte ?
Johannes Gutenberg. Er revolutionierte mit der Erfindung des Buchdrucks die Verfügbarkeit von Wissen in Europa – ein Pionier der Kommunikation.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit ?
Heldinnen des Alltags, die die Dominanz der Männerwelt in Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft beenden. Hier hat das Yin/Yang-Prinzip noch viel Nachholpotenzial.

Ihre Lieblingsheldinnen in der Dichtung ?
Margarete aus Goethes Faust, und die von ihr abgeleitete Gretchenfrage. Mich berühren die nicht gestellten Gretchenfragen. Zum Beispiel solche, die die Bürger an die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik stellen könnten. Oder vielleicht werden diese Fragen auch ständig schon gestellt und die Antworten erscheinen faustisch.

Ihre Lieblingsmaler ?

Die Impressionisten: Monet, van Gogh. Dazu muss es einen Kontrast geben: Hans Op de Beeck begeisterte mich in seiner Ausstellung im Künstlerhaus Hannover.

Ihr Lieblingskomponist ?
Wohlklingend für Ohr und Seele: Ludwig van Beethoven und Johann Sebastian Bach, Schumann, Chopin, die aufregende neue Welt von Dvořák, Robert Schumann, Liszt.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten ?
Wenn Er trotz seiner Zielstrebigkeit nicht sofort handelt, sondern vor seiner Entscheidung Achtsamkeit zulässt.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten ?
Wenn Sie nach eingehender Prüfung der Alternativen eine Entscheidung trifft und sie zielstrebig weiterentwickelt.
Ihre Lieblingstugend ?
Fragen stellen.

Ihre Lieblingsbeschäftigung ?

Schreiben, organisieren, lieben – gern auch in anderer Reihenfolge.

Wer oder was hätten Sie sein mögen ?
Der Vertriebsleiter von Richard Buckminster Fuller, als er 1933 das Dymaxion-Auto entwickelte und mit einem Verbrauch von 7,8 Litern auf 100 km unter kritische Beobachtung der Auto- und Mineralölindustrie geriet. Schon damals sagte er, das Erdöl zu kostbar sei, um es einfach nur im Verkehr zu verbrennen. Buckminster Fuller hätte mehr Unterstützung gebraucht – und etliche Kriege beim Kampf um Ressourcen wären uns erspart geblieben.

Ihr Hauptcharakterzug ?

Flexibel auf neue Situationen reagieren – das Leben ist wie ein Fluss.

Was schätzen Sie bei ihren Freunden am meisten ?

Ihre Geduld.

Ihr größter Fehler ?
Einem Computerprogramm vertraut zu haben, das Zahlen in einer Tabelle automatisch generierte. Ich unterschätzte den Variantenreichtum eines statistischen Verfahrens und lieferte Anfang der 90er Jahre eine peinliche Auftragsarbeit ab. Seitdem misstraue ich jedem Automatismus eines Computers.

Ihr Traum vom Glück ?
Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Was wäre für Sie das größte Unglück ?
Ein GAU im Atomkraftwerk Grohnde – und anderswo.

Was möchten Sie sein ?
Ich möchte Teil einer weltweiten Bürgerbewegung sein, die für die nachfolgenden Generationen zukunftsfähige Lösungen auf den Weg bringt. Die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft schaffen das nicht allein und benötigen unsere Unterstützung.

Ihre Lieblingsfarbe ?
Orange und Schwarz.

Ihre Lieblingsblume ?

Rose.

Ihr Lieblingsvogel ?
Der Seeadler – weniger aufgrund seines Sozialverhaltens, sondern des imposanten Flugverhaltens wegen.

Ihr Lieblingsschriftsteller ?
Richard Buckminster Fuller.

Ihr Lieblingslyriker ?
Burkhard Hedtmann.

Ihre Helden in der Wirklichkeit ?
Menschen, die die Natur als transnationales Wesen anerkennen. Das gilt besonders für Erfinder, Kreative, Forscher und Entwickler: Unsere Gesellschaft von heute benötigt eine Expansion von Produkten und Dienstleistungen, die die Verbräuche von Ressourcen beenden und das Leben von Pflanzen und Tieren achten.

Ihre Heldinnen in der Geschichte ?
Elizabeth Patterson – eine alleinerziehende Mutter aus Baltimore, USA. Jahrelang kämpfte sie um die Anerkennung ihrer Ehe mit Jerome Bonaparte, dem jüngsten Bruder von Napoleon. Die werdende Mutter versuchte mehrfach vergeblich, mit einem Schiff europäische Häfen anzulaufen und scheiterte an der Blockade Kontinentaleuropas durch Napoleon. Schließlich erstritt sie eine finanzielle Entschädigung durch die Familie Bonaparte und den späteren König von Westphalen. Für die damaligen Verhältnisse und angesichts ihrer Widersacher war das ein nahezu heldenhafter Einsatz für die Familie. Das Lebensdrama wurde vor rund 100 Jahren verfilmt und es gab ein Theaterstück.

Ihre Lieblingsnamen ?
Hermes.

Was verabscheuen Sie am meisten ?
Missachtung der Tierrechte, Krieg, Terrorismus, Lüge.

Welche geschichtliche Gestalten verachten Sie am meisten ?

Diktatoren.

Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten ?
Militär ist nur schwer zu bewundern. Aber offenbar kommt die Menschheit nicht ohne Militär aus. Am besten wäre eine weltweite Abrüstung auf den Stand von Papierflugzeugen und Wattebäuschen bei gleichzeitiger Nutzung angemessener Kommunikationsformen. Das würde ich bewundern.

Welche Reform bewundern Sie am meisten ?
Die Reformationsbewegung in Europa und die Errungenschaften der französischen Revolution.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen ?
Zeichnen können.

Wie möchten Sie sterben ?

Den Zeitpunkt selbst wählen dürfen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung ?
Neugierig.

Ihr Motto ?
Inspiriert durch Richard Buckminster Fuller: „You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.“

Ihr Abschlusskommentar ?
Die Fragen waren ein großes Vergnügen!

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