Zen under Fire

063545726-mit-dem-herzen-einer-kriegerinAls Marianne Elliott 2006 ihr Traumjob als Menschenrechtsbeauftragte bei den Vereinten Nationen (UN) in Afghanistan angeboten wird, zögert sie keinen Moment diese Herausforderung anzunehmen. Durch ihre Erfahrungen im Gazastreifen und Ost-Timor fühlt sie sich der Aufgabe gewachsen. Doch schnell muss sie erkennen, dass nichts sie auf Afghanistan vorbereiten konnte. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft wird einer der Stammesführer, der zugleich wichtiger Wortführer im Kampf gegen die Taliban war, ermordet. Elliott findet sich, mehr oder weniger unvorbereitet, zwischen den Fronten rivalisierender Stämme wieder und schnell wird klar, dass alle vorherigen Bemühungen, eine friedliche Lösung zu finden, gescheitert sind.

Was ihr Halt gibt und stärkt, ist ihre tägliche Yoga- und von Pema Chödrön inspirierte Meditationspraxis, die sie mehr und mehr vertieft und weniger als Work-out, sondern als Werkzeug auf dem Weg zur Selbsterkenntnis begreift: „Die Schönheit des Yoga – einschließlich Meditation– ist, dass wir keine spezielle Ausrüstung oder viel Platz dafür brauchen. Ich habe Yoga geübt in einem zum Schlafzimmer umfunktionierten Frachtcontainer auf einer spanischen Militärbasis und in einem Zelt auf einem litauischen Stützpunkt. Ich meditierte im Büro eines Kriminalbeamten in einer abgelegenen Polizeistation in der Provinz Ghor und machte Sonnengrüße im Wohnzimmer einer afghanischen Familie in Daw Latyar. Die Schönheit dieser Praktiken liegt weitgehend in ihrer Einfachheit und darin, dass man sie überall durchführen kann…Ich weiß jetzt, dass die Forschung die gleichen Dinge aufzeigt: kontemplative Praktiken wie Yoga-Asanas und Meditation helfen uns, fokussiert zu bleiben, verbessern die Fähigkeit unseres Körpers, zu einem entspannten Zustand zurückzukehren, und erhöhen sogar unsere Fähigkeit zur Empathie.“

Elliott berichtet in ihrem Buch Mit dem Herzen einer Kriegerin: Mut und Mitgefühl in Afghanistan Originaltitel: „Zen under fire“ nicht nur über ihre Erfahrungen in einem der gefährlichsten Krisengebiete der Welt, sondern zugleich darüber, was es heißt, unter großer Belastung sein Herz und seinen Verstand zusammenzuhalten und bei sich zu bleiben. Es ist die ehrliche und bewegende Geschichte einer Frau, die für Frieden und Gerechtigkeit lebt und sogar bereit ist, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Zitat: „Ich bin sicher, dass Verletzlichkeit und Sensibilität wichtige Dimensionen unserer eigenen langfristigen emotionalen Belastbarkeit sind, die eine sehr wichtige Art von Stärke ist. Es erfordert viel Mut, um verletzlich sein zu können – was grundsätzlich einschließt, dass wir uns auf das Risiko einlassen, verletzt zu werden. Wir müssen wirklich unseren eigenen Fähigkeiten vertrauen, um uns vom Schmerz zu erholen und uns zu erlauben, verletzlich zu sein. Ich denke, Mut, Belastbarkeit und Verwundbarkeit sind sehr eng miteinander verbunden. Und Sensibilität ist – wenn man es bedenkt – einfach die Fähigkeit, subtilere Anzeichen und Auslöser mitzubekommen und darauf zu reagieren als manch andere Leute. Ein empfindsames System ist ein System, das kleine Änderungen wahrnehmen und darauf reagieren kann. So half mir meine eigene Sensibilität zu bemerken, wenn Situationen nicht stimmig waren, und früher zu reagieren, als wenn ich vielleicht nicht so empfindsam gewesen wäre.“

Marianne Elliot ist am 19.9.2013 zu einer Lesung in Berlin. Hier mehr Infos

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