Die alte Göttin und ihre Pflanzen

altegoettinVon Wolf Dieter Storl. Das Lebensgefühl, die Seelenbilder, die „Welt“ in der unsere heidnischen Vorfahren – die Waldvölker Europas, der Kelten, Germanen, Balten und Slawen – zuhause waren, wie fühlte sie sich an? Wie sah sie aus? Was können wir, jenseits „wissenschaftlich gesicherter“ archäologischer Daten oder Berichte aus der Antike, wirklich darüber wissen?

Ein wichtiger Schlüssel dazu sind die Märchen, die fast bis zur Neuzeit am Abend beim Herdfeuer erzählt wurden. Sie wurden an den offiziellen Dogmen der Kirche und des Staats vorbei erzählt. Seit tausenden von Jahren, von Generation zu Generation wurden sie überliefert und hielten die Erinnerungen wach an die Frau Holle, die archaische Göttin der Höhle, des Lebens und des Todes, der Herrin der Tiere und Pflanzen. Sie enthalten Erinnerungen an die liebe Frau Sonne, an die Seelenhüterin als Gänsemagd, an die fliegenden Schamaninnen, an sprechende Pferde und magische Tiere, an die Haselrute, die mit den Ahnengeistern verbindet, an den gehörnten paläolithischen Hirschgott, an den Bären der den Winter im Reich der Holle verbringt, an die weiße Birkengöttin und die rote Sommergöttin, an das Himmelszelt, durch dessen Löcher das Himmelslicht hindurchleuchtet, an den Kreislauf der Geburten und den Gesetzen des Schicksals, die noch immer wirksam sind.

Brauchtum und sogar der Aberglaube sind weitere Schlüssel. Warum kommt der Weihnachtsmann durch den Schornstein? Warum bringt der Storch die Kinder? Warum gehört das Marzipanschweinchen zum Neujahrsfest? Warum pflanzt das Aschenputtel einen Haselzweig auf das Grab ihrer Mutter? Warum springt man über das Johannisfeuer? Das ist alles nicht von Ungefähr, sondern hat einen tiefen Sinn.

Nichts von dem alten Wissen ist verloren gegangen. Wir tragen die Bilder noch in uns, ganz tief in der Seele – wir müssen nur lauschen und die Ahnen sprechen lassen. Auch die Pflanzen, die Blumen und Bäume – und die Tiere sowieso – die unsere Vorfahren kannten, erzeugen noch immer Resonanzen in uns, können Urerinnerungen wecken und uns näher zu unserem wahren Wesen bringen. Sie haben eine heilsame Wirkung auf uns.

Von all dem erzählt dieses neue Buch, Die alte Göttin und ihre Pflanzen: Wie wir durch Märchen zu unserer Urspiritualität finden, das jetzt erschienen ist. Ich lade Euch ein, diese Ahnenpfade mit mir zu gehen. Meine Quellen sind solid, sie beruhen auf die vergleichende Völkerkunde und die Volkskunde, die ich studiert und auch gelehrt habe. Sie beruhen auch auf Begegnungen mit traditionellen Bauern und Kräutersammlerinnen, und Eingeborenen in der Alten und Neuen Welt.

Für die alten Europäer war die Zeit nicht einfach nur ein linearer Ablauf, sondern die wandelnde Offenbarung göttlicher Wesenheiten. Auf seine unnachahmliche Weise erzählt der Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Dr. Wolf-Dieter Storl von diesem Spiel männlicher und weiblicher Wesenheiten im Rad der ewigen Wiederkehr, wie es in zahlreichen Legenden und Märchen beschrieben wird. Das sakrale Jahresrad besteht aus acht Speichen, ein Spinnrad, an dem die Göttin des Lebens die Fäden des Lebens aus dem Wollen, Träumen und Handeln der Wesen spinnt…

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