Ist das vielleicht nicht Glück?

DSCN1852Ich habe zwei eingetopfte Blumen vor mein Arbeitszimmer gestellt und im Garten einige Bananenbäumchen gepflanzt. Ist das vielleicht nicht Glück?

Es hat einen vollen Monat lang geregnet und ich liege morgens im Bett wie ein Kranker und mag nicht aufstehen. Plötzlich höre ich Vogelgezwitscher, das einen hellen Tag anzeigt. Rasch ziehe ich die Vorhänge auf, öffne das Fenster weit und sehe den hellen, glänzenden Sonnenschein, und der Wald sieht aus, als hätte er ein Bad genommen. Ist das vielleicht nicht Glück?

Mit einem scharfen Messer an einem Sommer nachmittag auf einem großen dunkelroten Teller in eine hellgrüne Wassermelone schneiden. Ist das vielleicht nicht Glück?

Zuschauen, wie jemand große, einen Fu hohe Schriftzeichen malt. Ist das vielleicht nicht Glück?

Ein Fenster öffnen und eine Wespe aus dem Zimmer lassen. Ist das vielleicht nicht Glück?

Ich trinke in einer Winternacht, und plötzlich fällt mir auf, daß es ungewöhnlich kalt geworden ist. Ich stoße das Fenster auf und sehe Schneeflocken wirbeln, so groß wie eine Hand, und der Schnee liegt schon drei oder vier Zoll hoch. Ist das vielleicht nicht Glück?

Chin Shengt’an war ein impressionistischer Kritiker und Lebenskünstler aus dem 17. Jahrhundert. Er hinterließ uns, mitten in seinen Kommentaren zu dem Schauspiel „Die westliche Kammer“, eine kleine Aufzählung der glücklichen Elemente in seinem Leben. Zu dieser Niederschrift kam es, als er einmal bei einer Reise mit einem Freund durch das Regenwetter zehn Tage in einem Tempel festgehalten wurde. Die beiden unterhielten sich und zählten die ihrer Meinung nach wahrhaft glücklichen Momente im Menschenleben auf, Augenblicke, in denen der Geist unlöslich mit den Sinnen verbunden ist.

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