Achtung Mogelpackung

IMG_4181Von Claudia Shkatov. Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Arbeit oder unsere Beziehung uns nicht das geben, was wir brauchen, wenn wir viel lieber ganz andere Dinge täten, als unseren alten Job, doch nicht wissen, wie wir mit den anderen schönen Dingen dasselbe Geld verdienen können, oder wenn wir einem Partner hinterhersehnen, der nicht wirklich da zu sein scheint, und ständig auf Nachrichten warten, die jedoch nicht im gewünschten Ausmaß kommt, dann geht es um eine besonders schlaue Art des Selbstbetrugs.

Das Ergebnis zeigt sich im Außen auf der Jobebene hauptsächlich als mangelnde Wertschätzung durch Andere gegenüber all den Dingen, die wir lieber tun würden– niemand scheint dafür zahlen zu wollen, und wir meinen vielleicht sogar, dafür Geld zu verlangen sei regelrecht unanständig. Auf der Beziehungsebene kann dies ebenfalls zu genau dem führen, was wir in unserer ‚Mogelpackungs’-Haltung fürchten und zu verhindern suchen: zu Betrug in der Partnerschaft.

Worum es geht ist der Wert, den wir uns selbst oder dem was wir tun, beimessen. Wenn wir davon ausgehen, dass es ‚unanständig’ sei, von anderen Menschen Geld für eine Dienstleistung oder ein Produkt zu nehmen, das wir anbieten, uns aber insgeheim danach sehnen, damit unseren Lebensunterhalt verdienen zu können, dann übersehen wir, dass die zugrunde liegende innere Haltung „Ich bin nicht wertvoll genug und meine Leistung/mein Produkt sind nicht wertvoll genug, um dafür einen Gegenwert zu erhalten“, tatsächlich höchst unanständig uns selbst gegenüber ist. Als unanständig könnte man auch die Tatsache sehen, dass wir anderen etwas anbieten wollen, was wir selbst für nicht wertvoll halten. Und dann ärgern wir uns noch, warum sie es nicht schätzen wollen.

Dieses Verhalten wird noch deutlicher, wenn wir uns ansehen, wie wir z.B. in derselben Situation unsere Kinder unterstützen würden, damit eine ihrer Leistungen oder ein Produkt entsprechend gewertschätzt wird durch eine Note oder durch ein Entgelt. Hier fällt es uns leichter, uns ohne Zweifel dafür einzusetzen, denn in der Regel halten wir unsere Kinder für wundervoll und für wert, nur das Allerbeste zu erhalten. Nur bei uns selbst zweifeln wir und halten uns zurück.

Ähnliches gilt, wenn wir uns in unserer Partnerschaft in einer Haltung befinden, die ständig auf den geliebten Menschen wartet, auf eine Nachricht, eine bestimmte Handlung, ein Zeichen, einen Anruf oder wenn wir Forderungen stellen. Dahinter steht das Bedürfnis nach Bestätigung, Liebe und Verpflichtung. Und hier wiederum definiert das Maß, in dem wir uns selbst schätzen, wie sehr wir warten und bekommen wollen. Halten wir uns für wertvoll, dann machen wir uns weniger Gedanken darüber, ob und wie sehr ein anderer Mensch uns liebt. Wir halten uns für liebenswert, also ist es für uns ganz normal geliebt zu werden und freigiebig Anderen unsere Liebe zu schenken.

Andere Menschen spüren diese Selbstliebe und Selbstachtung sofort. Und sie sehen und fühlen uns ganz selbstverständlich als wertvoll. Als was sonst, wenn es unserer Energie entspricht!

Halten wir uns für nicht liebenswert, wertvoll und meinen wir die Anerkennung und den Respekt anderer nicht zu verdienen, dann gleichen wir einer Mogelpackung, die sich nach Außen hin anderen Menschen anbietet, jedoch im Inneren leer und wertlos ist und für diese Menschen keinerlei Geschenk oder Wert beinhaltet.
Und dann wundern wir uns, wenn die Anderen uns nicht schätzen oder sich sogar von uns distanzieren.
Wir sind es, die eine Haltung einnehmen „ich bin es nicht wert“. Und gleichzeitig tun wir so, als sei es ein Unding, dass andere Menschen uns so nicht wollen. Wir verlangen, dass die Anderen uns geben, was wir uns selbst nicht zugestehen.

Dieses Muster ist in der Regel mit großem Stress für uns selbst verbunden. Denn es geht einher mit dem ständigen Versuch und der Anstrengung, zu beweisen, dass wir doch liebenswert/wertvoll sind. Außerdem sind wir permanent durch allerlei mehr oder weniger unbewusste Manipulations- und Kontrollmaßnahmen damit befasst, uns insbesondere von den Menschen, die uns am nächsten stehen, genau die Zustimmung, Anerkennung und Liebe zu sichern, die wir uns selbst nicht zugestehen. Das garantiert dauerhaften Kampf und Frust mit sich und den Anderen.

Bieten wir jedoch anderen Menschen statt der Mogelpackung das an, was wir wirklich sind und was wir ihnen wirklich zu bieten haben, und strahlen dieses auch aus mit einer inneren Haltung, die weiß „ich bin einzigartig und wertvoll“, dann passen Verpackung und Inhalt wieder zusammen. Und jeder ist scharf darauf.
Der Dauerstress, etwas beweisen und sich sichern zu müssen, fällt augenblicklich weg.

Solange wir das nicht tun, bieten wir etwas an, laden wir zu etwas ein, dem wir selbst keinen Wert beimessen, das wir selbst nicht für gut halten: Die Mogelpackung!

Es gibt wenige sehr bewusste Menschen, die das einfach durchschauen, sich nicht täuschen lassen und dem Druck, den wir in unserer Mogelpackungs-Haltung ausüben, widerstehen. Die über die Mogelei lächeln und es schaffen, dem wahren Menschen hinter der Mogelpackung die Hand zu reichen und ihn hervorzulocken. Doch meist sind solche Menschen gerade nicht zur Hand und wir sind selbst aufgerufen uns herauszulocken, voller Liebe anzusehen und uns dann mit allem was wir wirklich sind zu 100% und aus vollem Herzen zu verpflichten und zu geben. Das ist das Geschenk, nach dem sich Andere sehnen. Und der Aufruf an Andere, es uns gleich zu tun, und so ebenfalls den eigenen Wert zu erkennen.

Also weg mit der Mogelpackung!

Claudia Shkatov

Claudia Shkatov

Zur Person: Claudia Shkatov lebt mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Birkenwerder bei Berlin. Nach einem ersten Einstieg ins Berufsleben als Europasekretärin und einem anschließenden Studium der Betriebswirtschaft sammelte sie im Laufe von 23 Jahren im In- und Ausland Erfahrung als Personalberaterin, Unternehmerin, Personalmanagerin und Business Coach und widmete sich außerdem in dieser Zeit intensiven psychologischen und spirituellen Studien. Sie ist heute NLP Master und ausgebildete Theta Healerin. Seit 2012 unterstützt Claudia als Theta Healerin Erwachsene und Kinder bei der Heilung physischer und psychischer Themen im privaten und im beruflichen Kontext. Sie arbeitet auf Deutsch, Englisch und Russisch. Mehr auf ihrer Website

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3 Kommentare zu “Achtung Mogelpackung
  1. andrea sagt:

    „Halten wir uns für nicht liebenswert, wertvoll und meinen wir die
    Anerkennung und den Respekt anderer nicht zu verdienen, dann gleichen
    wir einer Mogelpackung, die sich nach Außen hin anderen Menschen
    anbietet, jedoch im Inneren leer und wertlos ist und für diese Menschen
    keinerlei Geschenk oder Wert beinhaltet…“ Diesen Satz halte ich für falsch. Ein Mensch, der (gerade) nicht in der Lage ist seinen Wert zu erkennen ist dennoch genauso wertvoll wie jeder andere Mensch. Und bekommt dies gespiegelt von einem wahrhaft menschlichem Gegenüber, welches immer Respekt zeigt, auch ‚wenn man ihn gerade nicht zu verdienen scheint‘ (Denn wer bitte darf das festlegen?)

    • Jean-Michél sagt:

      „Ein Mensch, der (gerade) nicht in der Lage ist, seinen Wert zu erkennen, ist dennoch genauso wertvoll wie jeder andere Mensch.“ Liebe Andrea, mit diesem Satz haben Sie Ihre eigene Aussage herrlich ad absurdum geführt! Denn wenn Sie sagen, „dieser Mensch ist dennoch genauso wertvoll wie jeder andere Mensch“ – was zweifellos stimmt – dann wissen Sie ja doch um Ihren Wert und sind keineswegs (gerade) nicht in der Lage, dies zu erkennen! ;0)
      „Festlegen“ braucht niemand mehr etwas, denn dies ist zum Zeitpunkt der Schöpfung bereits abschließend geschehen und alles folgt seitdem einer (physikalischen) Gesetzmäßigkeit. Diese muss man nur (er)kennen, sonst versteht man Vieles nicht (gleich auf Anhieb) und macht sich das Leben unnötig schwer.

  2. Hallo Claudia,

    dein Artikel über fehlende Selbst-Achtung und Selbstliebe und deren Spiegelung im Außen, ist das Klarste, was ich zu diesem Thema gelesen habe.
    Hat mir gerade geholfen, wieder bewußt zu werden, warum meine Baustellen da sind.

    Also Danke, deine Klarheit ist einfach brilliant(:>).

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