Unsere Wildness

Foto: Unsere Wildness/youtube

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Als die letzte Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren endete, kehrten auch die Jahreszeiten nach Europa zurück. Nicht länger herrschte andauernder Winter. Frühling, Sommer, Herbst hielten wieder Einzug und ausgedehnte Wälder bedeckten den ganzen Kontinent – bevölkert von zahllosen Tier- und Pflanzenarten.In faszinierenden Bildern zeigt UNSERE WILDNIS, wie sich die Natur unaufhörlich unter dem menschlichen Einfluss wandelt. Aus der Perspektive von Flora und Fauna wird uns die Schönheit und Harmonie der ursprünglichen Wildnis vor Augen geführt, die nach und nach unter der zunehmenden Einwirkung des Menschen schwindet. Die Tier- und Pflanzenwelt muss sich den ständig wechselnden Bedingungen an-passen, einheimische Tierarten wie Wildpferde, Wölfe und Bären werden verdrängt, aber die Natur findet immer wieder Wege, sich in dem neuen Lebensraum zu entfalten.

Nach den Publikumserfolgen „Unsere Ozeane“, „Nomaden der Lüfte“ und „Mikrokosmos“ begeben sich Jacques Perrin und Jacques Cluzaud mit ihrer Dokumentation auf eine Entdeckungsreise durch Europa und die Jahrtausende. UNSERE WILDNIS ist eine poetische Chronik unseres Lebensraums und eine Hymne auf die Mysterien der Natur. Vom Fuchsbau tief im Wald bis zu den im Laufe der Jahre immer größer werdenden Ansied-lungen der Menschen zeigt der Film den Zauber sowie die unglaubliche Vielfalt des Lebens und weckt Hoffnung auf ein friedliches Miteinander aller Geschöpfe auf diesem Planeten.

 JACQUES PERRIN: „Hier, vor unseren Augen in Paris, London oder Berlin erstreckte sich einst, so weit man blicken konnte, ein gigantischer Wald. Im Unterholz hörte man nicht nur die Hufe der Bisons, Auerochsen, Pferde und Hirsche, sondern auch ihr Röhren, Tosen und Brüllen. Überall in Europa herrschte das Goldene Zeitalter der Wälder. In dieser Zeit blieben die Bäume bis zum Ende ihres Lebens stehen und konnten natürlich (ab)sterben. Es sind diese Baumlandschaften, die sich im Laufe von tausenden Jahren zu einer fruchtbaren Landschaft entwickelten, diese Wälder von einst, die uns heute reiche Ernten bescheren. Ohne den Wald gibt es keinen Boden, kein Wasser und kein Leben. Wir Menschen sind seit über 10.000 Jahren mit dem Wald aufgewachsen. Er hat uns ernährt, gewärmt und geschützt. Darüber hinaus hat der Wald unsere Träume, Erzählungen und Märchen geprägt. Er ist der Spielplatz unserer Kindheit und der letzte Freiraum in urbanisierten Landschaften. Der Mensch braucht die Bäume. Heute sind es aber auch die Bäume, die den Menschen brauchen. Wir leben in einer aufregenden Epoche voller Chaos: In der Zeit eines Menschenlebens ist die bäuerliche Kultur verschwunden, die Landwirtschaft wurde zu einer Industrie, und das Land ist fast völlig von Bauern entvölkert. Auch Blumen, Schmetterlinge und Schwalben gibt es kaum noch.

Wir beglückwünschen uns zur Ausbreitung der französischen und europäischen Wälder, die ihre Fläche seit der napoleonischen Zeit fast verdoppelt haben. Aber gleichzeitig vertrocknen die Urwälder. Wir sehen im Wald eine Waffe gegen die Erderwärmung, dabei müssen wir feststellen, dass die Mehrheit der Bäume weltweit – sofern sie nicht abgeholzt wurden – vom Absterben bedroht ist. Das Klima ist zu warm und trocken. Diese empfindsamen Riesen der Natur sind nicht mehr lange in der Lage, den klimatischen Veränderungen Widerstand zu leisten. Wir müssen lernen, diese Flächen der Wildnis zu akzeptieren – auch wenn sie nicht unseren rationalen Regeln der Rentabilität oder unseren ästhetischen Kriterien entsprechen. Der Mensch braucht nicht nur die Produkte des Waldes, sondern auch die unberechenbare, lebendige Natur(welt). Der Homo Sapiens benötigt Träume, Abenteuer und Überraschungen. Unser Hang zur Perfektion und Kontrolle hat etwas Kontraproduktives. Wir Menschen haben ein Bedürfnis nach der Spielwiese des Waldes, die der Unendlichkeit entspricht. Bei den Irokesen gab es den Brauch, vor jeder umfassenden Diskussion einen Wortführer auszuwählen. Dieser sprach sinnbildlich im Namen des Wolfes, weil dieses Tier in ihrer Zivilisation einen wichtigen Raum einnahm. Wer aber spricht heute im Namen der Bäume, Schmetterlinge, Kröten und Wölfe, der Elefanten und Wale, im Namen dieser platzraubenden und belanglosen Spezies? Der kanadische Biologe und große Kenner des Waldes David Suzuki schreibt: „Um den Baum zu verstehen, muss man den Wald verstehen.“ Und er beendet seine Gedanken mit dem Wunsch nach einer neuen universellen Erklärung: aber nicht einer weiteren Unabhängigkeitserklärung, von denen es schon so viele gibt, sondern einer Erklärung der gegenseitigen Abhängigkeit (Interdependenz) aller Lebewesen.

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