Eine spirituelle Reise durch den Advent

denadventneuerlebenDas Adventskalender-Buch „Den Advent neu Erleben“ von Martina Kaiser erinnert uns an jedem der 24 Tage liebevoll daran, das Leben und die besonder Zeit zu genießen, tief durchzuatmen und jeden einzelnen Tag wertzuschätzen. Für jeden Tag gibt es einen spirituellen Einleitungstext und eine konkrete praktische Übung oder Meditation

Hier als Beispiel der 4. Dezember: Der Tag der Barbara – die innere Wahrheit zulassen

Am 4. Dezember wird in vielen Regionen Deutschlands und Österreichs der Tag der heiligen Barbara gefeiert, der Schutzpatronin der Sterbenden und der Bergleute. Sie gehört zusammen mit den beiden anderen Heiligen, Margarethe und Katharina, zu den »drei heiligen Madln«, die besonders im österreichisch-südbayerischen Raum lange Zeit verehrt wurden und teilweise noch werden.

Wird am 6. Januar der traditionelle Segen über die Türschwelle gemalt, das »C+M+B« für »Caspar, Melchior und Baltasar«, so verriet mir einst eine Bäuerin, dass damit ursprünglich die drei
»Jungfern« Katharina, Margarethe und Barbara gemeint seien, die ein fruchtbares Jahr garantierten mit Glück, Liebe und Zufriedenheit. Die Vorstellung von drei heiligen, schützenden und glücksverheißenden Frauen, die auch die drei Bethen, die drei Schenkerinnen, die drei Heilrätinnen oder die drei Marien genannt wurden, geht weit zurück in vorchristliche Zeit. Man kennt aus dem Keltischen die Verehrung der drei Matronen Ambeth, Borbeth und Wilbeth, im Germanischen waren es Urd, Werdandi und Skuld, die drei Nornen, die das Schicksal der Welt lenkten.

Am 4. Dezember gedenken wir all jener, die vor uns waren und deren Weisheit bis heute überdauert hat. Die alten Göttinnen und Götter wurden zu Heiligen, ihre Wahrheit blieb erhalten, oft versteckt in Bildern, Symbolen und Geschichten. Auch unsere eigene Wahrheit und Weisheit ist manchmal versteckt, ist besonders dem zweifelnden Verstand nicht immer zugänglich. Nur so können wir die Erfahrungen machen, die uns prägen. Manchmal braucht es nur einen tiefen Atemzug und das Vertrauen, dass wir alles in uns haben und wissen.

Nichts muss von außen kommen, alles wird da sein, wenn wir es brauchen.

Übung
Es gibt ein Brauchtum rund um den Barbaratag. Man schneidet heute einen Zweig von einem Obstbaum, es geht auch Flieder, Linde, Forsythie, Weide und Rosskastanie. Dann stellt man ihn ins Wasser und an einen warmen und hellen Ort. An Weihnachten soll er blühen. Wenn Sie Zeit und einen Baum in der Nähe haben, dann machen Sie das doch auch.

Vielleicht gedenken Sie dabei der drei Schutzheiligen oder -göttinnen, die Teil einer verloren gegangenen Tradition weiblicher Göttlichkeit sind.

Ob Sie den Zweig geschnitten haben oder nicht: Nehmen Sie sich ein wenig Zeit für sich, machen Sie es sich gemütlich und atmen Sie wieder tief in den Bauch, ganz in Ihrem eigenen Rhythmus. Erlauben Sie sich bewusst, zu entspannen und loszulassen, mit jedem Atemzug ein wenig weiter.
Atmen – loslassen – entspannen. Nichts ist wichtig, außer, hier zu sein und zu entspannen. Folgen Sie nun Ihrem Atem gedanklich nach innen und spüren Sie, wie es Ihnen gerade geht. Wie fühlt sich Ihr Körper an, welche Gefühle sind gerade da?

Atmen – und wahrnehmen. Atmen – und so lassen, wie es gerade ist. Nehmen Sie nun Ihren Brustraum wahr, der

Ihr Herz birgt: wie er sich hebt und senkt im Rhythmus des Atems. Fühlen Sie Ihr Herz als Sitz der Gefühle?
Stellen Sie sich vor, Ihr Herz hätte ein großes Tor, das sich nun für Sie öffnet. In Ihrem Herzen brennt ein goldenes Licht, das mit jedem Atemzug heller und schöner wird. Alle Liebe
dieser Welt ist darin und fließt für Sie. Machen Sie sich bewusst: »Alle Wahrheit und Weisheit, die ich brauche, ist in mir. Ich vertraue darauf.« Atmen Sie tief. Vielleicht können
Sie Ihre Wahrheit und Weisheit fühlen, selbst wenn sie nicht konkret für den Verstand fassbar wird. Die Liebe, die Sie immer umgibt und einhüllt und der Sie bedingungslos vertrauen dürfen. Nehmen Sie beides, Liebe und Vertrauen, mit in den Alltag.

Nehmen Sie noch ein paar tiefe Atemzüge.

Lassen Sie die Tore Ihres Herzens bewusst offen oder schließen Sie sie wieder, wie es sich besser anfühlt.
Wenn Sie möchten, machen Sie den Zweig zum Symbol, das Sie daran erinnert, dass in einem toten Stück Holz das Leben ebenso steckt wie in Ihnen Ihre eigene Wahrheit. Aber Vorsicht, manchmal klappt es mit dem Blühen nicht. Nicht jeder hat einen grünen Daumen. Ihrer inneren Weisheit tut das aber überhaupt keinen Abbruch.

Zur Person Martina Kaiser: Ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin und beschäftigt sich seit über 20 Jahren intensiv mit Spiritualität, wobei ihr Schwerpunkt auf naturreligiösen Überlieferungen liegt. Sie veröffentlichte ein Buch zum Thema „Rituale“. Bei Aurum ist bereits ihr Buch „Der Jahreskreis“ erschienen, das anhand des Ablaufs eines Jahres die Zyklen der Natur, deren Teil wir sind, nahebringt. Im Zentrum steht dabei das Verständnis für die inneren und äußeren Vorgänge in der Natur, die wir auf die Anforderungen unseres eigenen Lebens direkt übertragen können. Ritualvorschlägen geben den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, sich direkt mit der Natur zu verbinden und ihre Botschaften zu verstehen

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Ein Kommentar zu “Eine spirituelle Reise durch den Advent
  1. Marie sagt:

    C+M+B = „Christus mansionem benedicat“, Christus segne dieses Haus.

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