Heilende Gärten im September

Foto: Monika Kirschke

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Von Monika Kirschke.  Der Herbst fährt auf zum Indian Summer. Je später der Sommer, desto kräftiger ist das Farbenspiel in der Natur. Besonders anziehend fürs Auge ist die knallbunte Farbpalette der leuchtenden Rottöne von Blättern und Früchten. Es ist Erntezeit im Zeichen der Jungfrau. Sie liebt es, aus dem Vollen zu schöpfen.

Erinnern Sie sich? Zweimal im Jahr durchläuft die Erde auf ihrer Bahn eine Position, in der sich der Himmelsäquator und die scheinbare Bahn der Sonne schneiden, im Frühjahr am 21. März und mit dem Herbstanfang am 23. September. Wir versammeln uns für die Ernte und treffen Vorbereitungen für den Winter. An diesen Tagen sind die Tage genau so lang wie die Nächte – eben die Tag-und-Nacht-Gleichen. Die Zahl Neun ist die Zahl der göttlichen Vollkommenheit, die Erde einer der neun Planeten unseres Sonnensystems. Wie verbunden fühlen Sie sich mit der Erde? Ist Ihre Ernte aufgegangen? Geben und schöpfen Sie? Im EinklangSein mit den Lichtflutungen der warmherzigen Septembersonne…

Allgemein – Das Wetter ist beständiger als im Sommer, die Sonne steht tiefer am Firmament, die Luft meist klar und kühl. Für Frühaufsteher ein magisches Schauspiel, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch den Morgenebel herabsteigen und die Erde wachküssen. Die Tage werden deutlich kürzer. Erste Nachtfröste zum Ende des Monats sind keine Seltenheit.

Stauden Blumen Rabatten
Von September bis November ist der große Auftritt der Herbstblüher. Astern, Chrysanthemen, Erika, Dahlien, Fetthenne, Herbstanemonen, Sonnenhüte (Echinaceaen) und Prachtkerzen (Gaura lindheimeri) bringen Farbe in die Gärten. Für Sommerstauden wie Bart-Iris, Fingerhut, Frauenmantel, Mädchenauge, Prachtscharte, Rittersporn, Sonnenbraut usw. ist es eine gute Zeit, zu großgewordene oder blühfaule Exemplare zu teilen. Der Frauenmantel zum Beispiel wird rundherum mit dem Spaten abgestochen und samt seinem großzügigen Wurzelballen herausgehoben, in Teilstücke geteilt, und am besten gleich wieder als Beeteinfassung, an den Teich o.ä. eingepflanzt.

Foto: Monika Kirschke

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Setzen Sie beherzt um, wenn Gartenbilder nicht gefallen, wenn Farbkombinationen besser arrangiert werden können. Auch mitten in der Saison ist dies kein Problem, so dann die Pflanze gut versorgt wird, bis sie wieder gut durchwurzelt ist.

In warmen Herbsttönen schmücken jetzt die dicht gefüllten Blüten der Chrysanthemen Rabatten, Schalen und Körbe. Als Blumenschmuck wirken sie wie in die Natur gemalte Gemälde in prächtigen Farben und zarten Pudertönen in Blau-, Rot-, Orange-, Lila- und Weißtönen. Wer weiß um die lange Tradition der Chrysanthemen, hinter deren Namen sich die griechischen Wörter chrysos für gold und anthemon für Blüte verbergen?
Schon zu Zeiten Konfuzius galt sie in China als Symbol des kühlen Herbstes und des Mutes. Sie zählte zusammen mit dem Bambus, der Orchidee und der Pflaume zu den vier Edlen und soll am 9. Tag des neunten Mondmonats gepflückt werden. Sie reiht sich in die Gruppe der Pflanzen ein, die als Symbol für Bescheidenheit, für ein langes Leben, für Vornehmheit und für die ewige Liebe stehen. In Japan ist sie kaiserliche Nationalblume.

Für Strauch-Pfingstrosen ist Ende September eine optimale Pflanzzeit, besser als das Frühjahr, da die jungen Triebe beim Pflanzen im Frühling sehr leicht abbrechen. Rückschnitt besser im Frühjahr

Wer im Winter sein Auge mit Schönheit erfüllen möchte, spart sich den Rückschnitt ausgewählter Stauden bis zum Frühjahr auf. Stauden wie Astilben, Brandkraut (Phlomis), Geißbart (Aruncus), Hohe Fetthenne (Sedum), Lampionblume (Physalis), Purpursonnenhut (Echinaceae), Schafgarbe (Achillea) und Sonnenhut (Rudbeckia) tragen schöne Frucht- und Samenstände, die im Winter die Blicke auf sich ziehen. Bergenien zeigen einen schöne Blattfärbung. Gräser kommen besser über den Winter, wenn sie erst im Frühjahr beim Austrieb der ersten grünen Spitzen geschnitten werden.

Blumenzwiebeln pflanzen
Blumenzwiebeln können ab Mitte September gepflanzt werden. Zwiebeln etwa doppelt so tief pflanzen wie sie groß sind. Bei der Auswahl der Tulpen ist eine gute Qualität entscheidend. Viele hochgezüchtete Sorten erschöpfen sich meist schon nach einer Gartensaison. Zu den robustesten Tulpen zählen die Darwin-Tulpen, gefolgt von den zarten und filigranen, eleganten Lilienblütigen. Zum Verwildern eignen die noch sehr ursprünglichen Botanischen Tulpen. Recht ausbreitungsfreudig sind Tulipa linifiolia „Batalini Bright Gem“ und Tulipa praestans „Fusilier“ sowie die Wildtulpen Tulipa turkestanica und Tulipa tarda. Wie immer, ist auch der richtige Standort entscheidend für eine Blütenpracht über Jahre. Bei schweren undurchlässigen Böden können die Zwiebeln in ein dickes Sandbett gesetzt werden, damit sie bei Staunässe nicht faulen. Tulpen lieben einen Standort, der sonnig, warm und nicht zu dicht bewachsen ist.

Der Obstgarten im September
Für die meisten Früchte im Obstgarten sind die Monate September und Oktober die Haupterntezeit. Die Beerensträucher sind so gut wie abgeerntet. Das Kernobst mit Äpfeln und Birnen kommt jetzt in die Pflückreife, ebenso Zwetschen und Pfirsiche.
Ernten Sie nur reife Hasel- und Walnüsse. Halbreife schimmeln sehr schnell im Lager. Haselnüsse sind reif, wenn sie sich leicht aus den Fruchthüllen lösen, Walnüsse, wenn ihre grüne Schale platzt. Sind sie reif, fallen sie auf den Boden.

Wer es aus Kindertagen noch kennt, weiß, dass im Herbst die Nüsse der Eichen und Kastanien für die Wildschweinfütterung gesammelt wurden. Früher dienten Eicheln als Grundnahrungsmittel. Nach Auswaschung der Gerbstoffe wurde Mehl und Kaffee daraus hergestellt.

Foto: Monika Kirschke

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Erntezeit in Gottes Garten – der September
Dill (Anethum graveolens), Juni bis September: v.a. als Würzkraut für Gurken, Salate und Soßen bekannt. Ähnlich wie sein Bruder, der Fenchel, hat er zahlreiche Heilfähigkeiten, er ist milchfördernd, wirkt als Still-Tee und bei Blähungen, Bauchschmerzen, Gallenkoliken, nervöser Schlaflosigkeit und Schluckauf. Sein süß-würziger Duft stärkt die Aura und gibt Raum, wenn wir uns seelisch von anderen Menschen bedrängt fühlen. Dill lässt innerlich ruhig werden, hilft „zappeligen“ und „aufgedrehten“ Menschenskindern…

Dost (Origanum vulgare), Juni bis September: Dost ist unter dem Namen Oregano v.a. als Pizzagewürz bekannt und unentbehrlich. Als Heilpflanze wirkt er als Hustentropfen, bei Verdauungsbeschwerden und äußerlich bei Ekzemen und Wunden (bakterientötend). Als Insektenweide für Schmetterlinge u.a. erfreut er sich großer Beliebtheit…

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Marienkraut, Mutter-Gottes-Mantel, Mai bis September: Die Alchemisten versuchten, Gold aus ihren Tautropfen zu gewinnen. Sie zählt zu den Wetterpflanzen, da sie anfängt zu schwitzen, kündigt sich Regen an. Als Heilpflanze in der Frauenheilkunde hochgelobt, da ihre Pflanzenhormone dem weiblichen Progesteron ähneln. Sie gleicht Mangelzustände aus, die zu prämenstruellen Störungen und zu Wechseljahresbeschwerden führen, und entkrampft die Gebärmutter. Sie hilft den Menschen, denen in der Kindheit das Vorbild der weiblichen Urmutter fehlte, schenkt Mitgefühl und unterstützt beim Lösen aus der Vergangenheit. Das Leben ist Jetzt – alles ist in dir. Die Botschaft der Pflanze lautet: Ich bin die weibliche Urkraft…

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), Knolle, Samen: Von September bis Oktober öffnen die Herbstzeitlose ihre Blüten, ganz ohne Blätter, die an Krokus oder Safran erinnern. Stark giftig (pflanzliches Arsen), nahezu das einzige Mittel, das wirksam hilft bei akutem Gichtanfall. Im Mittelalter hieß sie „Filius ante patrem“ = Sohn vor dem Vater, da sie mit ihrer Blüte im Herbst die Jahreszeiten umdreht. Thema der Herbstzeitlose: Wendepunkt, Zuversicht, die Wirklichkeit mit den Augen der Seele neu betrachten…

Kornelkirsche (Cornus mas): Wildpflanze, ursprünglich im Kaukasus beheimatet. Sie ist eine Hartriegelart und zählt nicht zu den Kirschen. Schon in der Antike wurde sie als Heilpflanze geschätzt, da ihre Vitamin C-reichen Früchte halfen, das Fieber zu senken und Rinde, Holz und Blätter linderten Gicht. Bei Glutenunverträglichkeit soll sie helfen. Die Essenz des Hartriegelgewächses öffnet den Menschen für die göttlichen Ordnungskräfte und regeneriert Disharmonien im Körper und im Geist…

Vogelmiere (Stellaria media): Nahezu ganzjähriges Wildgemüse mit weißen sternförmigen Blüten. Als Heilpflanze wirkt sie v.a. durch ihre Saponine. Wird gern als Tee zur Stoffwechselanregung, bei Hautausschlag, Schuppenflechte und bei rheumatischen Beschwerden (Gicht, Rheuma) getrunken oder als Aufguss ins Badewasser gegossen. Dank ihrer Vitamine, Mineralien und der Saponine weckt sie die Lebensgeister, hilft bei Mangelerscheinungen wie z.B. Frühjahrsmüdigkeit, wirkt schleimlösend, harntreibend und unterstützt Schlankheitskuren. Sie bringt wieder Flexibilität ins Leben, öffnet für Gefühle und weckt die Intuition. Sie hilft dabei, Mut zu bewahren und dem Lebensweg unverzagt zu folgen…

Wegwarte (Cichorium intybus), Kraut: Juni bis September: Wie der Name schon sagt, wächst sie mit ihren himmelblauen Blüten bevorzugt an Wegrändern. Dort wird sie häufig übersehen, weil ihre Gestalt luftig und durchlässig ist. Im Altertum und Mittelalter war sie als Zauberkraut bekannt und sehr wertvoll. Die Wurzel ist als Tee oder Tinktur bei Verdauungsproblemen angezeigt, die Blätter bei Hautproblemen. Aufgrund des hohen Inulingehaltes ist die Wegwartenwurzel auch als Nahrungsergänzung für Diabetiker geeignet. Zichorienkaffee ist beliebt und verdauungsfördernd. Bachblüte: Chicory, die Beziehungsblüte, dem Herzchakra zugeordnet. Wegwarte lässt sich gut mit Königskerze und Brennnessel verräuchern…

Monika Kirschke

Monika Kirschke

Zur Person:  Monika Kirschke vereint in ihrem Leben die Themen »Natur und Garten« und »Spiritualität«. So absolvierte sie ein Studium des Gartenbaus, arbeitete als Gärtnerin im Zierpflanzenbau und Obstbau, reiste für ein Praxisjahr in die USA und war Betriebsleiterin einer Obstbaumschule in Schweden. Zuletzt war sie als Coach im Bildungssektor tätig. Seit 2010 ist sie selbstständig mit ihren »Heilenden Gärten« unterwegs. All ihre gesammelten Erfahrungen bringt sie mit in ihre praktische Arbeit in den Gärten ein. Sie möchte Menschen inspirieren, im offenen Buch der Natur zu lesen und der Weisheit des Herzens zu folgen. Ihr Buch: Heilende Gärten – Der Garten als Spiegel der Seele ist im Schirner-Verlag erschienen. Homepage: www.heilende-gaerten.net

 

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Ein Kommentar zu “Heilende Gärten im September
  1. Christian sagt:

    Die Wegwarte passt wirklich sehr gut zur Brennnessel. Speziell bei der Brennnessel räuchert man ja gerne mit dem Brennnesselsamen. Diese Methode ist schon lange bekannt, galt sogar in Zeiten der Hexen als Schutz vor dem Unheil.
    lg von den Freunden der Brennnessel

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