Jahreszeitenfest: Wintersonnenwende

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Die Wintersonnenwende ist im Jahresrad das Fest der tiefsten und längsten Nacht des Jahres. Dunkelheit durchzieht die Tage, selbst mittags wird es nicht richtig hell. Es ist der Augenblick der größten Leere im Jahr: Die Erde hat vollständig ausgeatmet, die Energie ist erdig, schwer und langsam. Sie bietet uns Beständigkeit an – winterlich, reduziert. Wir können Sicherheit erspüren, uns tragen lassen von dieser Kraft, dieser Art der Stärke.

Die Wintersonnenwende am 21./22. Dezember bedeutet auch tiefste Innenschau. In dieser Zeit sind wir eingeladen, in Ruhe zu tauchen und Orte innerer Geheimnisse zu besuchen. Die Weise Alte in uns will sprechen. Sie steht auf der Schwelle zu einem Neuanfang. In dieser Zeit ist sie Hüterin des Saatkorns und wird auch die Funkelnde genannt. Zu Halloween war sie die Schamanin, die die Wege durch Wandlung kennt, zu Lichtmess wird sie die Seherin sein, die ein Bild, eine Vision dessen vor Augen hat, was ist oder im Entstehen ist. Dazwischen, in dieser dunkelsten Zeit, gehört in-Ruhe-Lassen dazu, was für aktive und leistungsorientierte Menschen vielleicht die schwierigste Übung ist. (Ein kraftvolles Ritual zur Wiederkehr des Lichts hier).

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Am tiefsten Punkt des Jahres, eingebettet in die sechs Wochen um das Fest der Wintersonnenwende, liegen die Rauhnächte, eine überaus magische Zwischenzeit. Sie beginnen mit dem Fest der Wintersonnenwende, je nach Tradition auch in der Nacht auf den 25. Dezember, und enden, wie in vielen Büchern beschrieben, mit der Rückkehr des Lichtes, dem Erscheinen der Frau Holle oder auch Percht genannt, am Perchtentag, dem 6. Januar. Die Rauhnächte verbinden das bewegliche Mondjahr mit dem festgelegten Sonnenjahr. Sie wurden eingeführt, um diese beiden unterschiedlichen Zeitmesserinnen miteinander in Einklang zu bringen, die Lücke zwischen Mond- und Sonnenkalender zu füllen, beide Kräfte auszugleichen und in eine neue Oktave der spiraligen Bewegung der Zeit zu heben.

Die monatlichen Mondphasen führen uns die ständige Veränderung derselben Sache vor Augen. Mond ist ein Wesen der Nacht, symbolisiert Verbindung zur Innenwelt, zu tiefem Wissen, zu Intuition. Wir lernen, die Gegensätze des Lebens verstehen. Mit Mondkraft wirken oft gerade fremde menschliche Eigenschaften anziehend.

Die Kraft der Sonne scheint beständiger zu sein. Ein Zentrum, Brücke zur Außenwelt, als Wesen des Tages wirkt sie aktiv im Aussen, ausdrucksstark und handelnd begleitet sie unsere Tage. Die Erdhalbkugeln wenden sich ihr zu oder ab – Sommer und Winter entstehen außerhalb der äquatorialen Zonen. Nicht innerhalb eines Monats, einer Woche sondern auf den zweiten Blick, in der längeren Phase eines Jahres, findet mit der Sonne Veränderung statt.

Das Pendel der Zeit unterbricht in den Rauhnächten seine sonst zuverlässige Tätigkeit. Es steht für eine Weile still. Die längste Nacht im Jahr, die Wintersonnenwende, ist gewesen, doch in den Rauhnächten werden die Nächte noch nicht kürzer. Diese Zeit wird auch Menstruationszeit der Erde genannt: einerseits voller wilder Energie, alles durcheinanderrüttelnd, ungeduldig, herausfordernd und ausgleichende Gerechtigkeit verlangend und andererseits wunderbar geeignet, um sich eine Auszeit zu nehmen und Ruhe einkehren zu lassen, nach innen zu schauen, auf Träume zu achten und der inneren Stimme zuzuhören, ihr zu folgen.

Die sonst geltenden Regeln werden außer Kraft gesetzt. Der Sage nach, zieht die Percht mit ihrem wilden Gefolge durch die Nächte und reißt alles mit sich, was nicht niet- und nagelfest ist. Es wird gesagt, dass Frau Holle auf die Erde kommt, um nachzusehen, was wir gesponnen haben. In der Mythologie findet sich auch Nana, Großmutter der Zeit, die ständig in ihrem Kessel der Möglichkeiten rührt und aus dem darin befindlichen Brei die Welt gestaltet – immer wieder neu. In den Rauhnächten, so wird gesagt, dürfen wir ausnahmsweise ihren Tanz tanzen. Was wir aus dem alten Jahr in den Kessel zurückgeben wollen, wird mit dem Brei vermengt. Wir sehen nach und nach, was wir in der kommenden Zeit umsetzen, formen werden.

In den Rauhnächten sollen die Frauen ihr ursprüngliches Gericht gehalten haben. Sie klagten Geschäftsleute, Bauern und sonstige Leute, meist Männer an, die sich im vergangenen Jahr eines Vergehens gegen Mensch, Tier oder Natur schuldig gemacht hatten. Vor dem Perchtengericht angeklagt zu werden, bedeutete in Zeiten des Patriarchats noch bis ins 18. Jahrhundert hinein eine öffentliche Schande. Es stellte ein wirkungsvolles Instrument sozialer Kontrolle in weiblichen Händen dar.

Rauhnächte sind darüber hinaus Orakelnächte. Runen, vielleicht aus einem Kessel gezogen, geben Hinweise über die Potentiale der kommenden Monate. Die Verbindung zum Lebensfluss ist besonders gut, die Schleier zur Anderswelt sind dünn. Engel und sonstige helfende Wesen sind leicht erreichbar und offen für klar gesprochene Wünsche. Natürlich hilft es, wenn die Wünschende bereit ist, Schritte zur Erfüllung beizutragen. Doch den nicht beeinflussbaren Rest übernehmen diese Wesen auf freundliche Bitte hin sehr gerne. So zieht heitere Gelassenheit in uns ein. Wir haben alles getan und können loslassen. Alles wird sich entwickeln, auch wenn das Ergebnis anders aussieht, als wir es uns vorstellen konnten. Der Kern unseres Wunsches wird darin enthalten sein.

Hintergrund: Der Text ist dem Kalender der Zeitspirale 2005 entnommen. Martha war eine Gründerin der Zeitspirale. Der Tanz des Lebens führt uns durch die acht Jahreszeiten. Grundthemen sind hierbei das Sehen (Lichtfest), Werden (Frühling), Wachsen (Walpurgis), Blühen (Sommer), Ernten (Schnitterin), Weitergeben (Herbst), Vergehen (Halloween), Funkeln (Winter) sowie die vermischende und freisetzende Kraft der Rauhnächte.

Hinweis: Bei den newslichtern wird uns wieder Jeanne Ruland online durch diese 12 magischen Rauhnächte führen. Zur Ergänzung finden sich hier ein paar Buchempfehlungen zur Einstimmung und Vertiefung

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