Aus einem Jahr der Nichtereignisse

Aus einem Jahr der Nichtereignisse

Foto Willi: Aus einem Jahr der Nichtereignisse

Willi lebt fast neunzigjährig allein auf einem alten norddeutschen Dreiseitenhof. Er spricht gern mit seiner Katze, füttert das Federvieh und geht auf seinen quietschenden Rollator gestützt über das Gelände. Der Garten ist verwildert. Im Haus haben sich vielerlei Gegenstände aus einem langen Leben angesammelt, Relikte vergangener Zeiten. Ab und zu kommt Besuch oder ein Moped fährt vorbei, sonst geschieht nicht viel.

Im Wechsel der Jahreszeiten zeichnet der Film ein Porträt vom Alltag des resoluten, ein wenig zerzausten alten Mannes, das zugleich ein visueller Essay über den Zyklus des Lebens ist. Die Kamera macht Beobachtungen in der Natur, filmt Obst und Blüten in voller Pracht. Sie interessiert sich auch für Texturen, das Fell der Katze, das Muster des Kaffeegeschirrs, die Struktur einer Marzipantorte. Hin und wieder fotografiert sie Äpfel oder Gartenstühle aus Plastik wie Stillleben.

Aus einem Jahr der NichtereignisseEigenständiger und entschleunigter Alltag

Die Dokumentation „Aus einem Jahr der Nichtereignisse“ ist die Beschreibung seiner resolut-pragmatischen Lebenshaltung, in der Widerstände dazu da sind, überwunden zu werden. Die Hühner füttern, die Katzen streicheln, Kartoffeln schälen – Willi lebt seinen Alltag eigenständig. Langsam und gemächlich. Der ist so entschleunigt wie sein Protagonist und entschleunigt seine ZuschauerInnen.

Über den Zeitraum eines Jahres haben die Filmemacher*innen Ann Carolin Renninger und René Frölke den norddeutschen Bauern auf seinem Hof besucht und seinen Alltag mit ihrer Super 8 und 16mm Kamera begleitet. Ihre Art zu filmen korrespondiert dabei mit dem Sujet, die alte Aufziehkamera ist widerständig und anachronistisch. Die Schönheit ihrer Aufnahmen liegt dabei genau in den mechanisch bestimmten Unterbrechungen des Bildes, in den Dissonanzen, Fragmenten und Lücken, die sie schaffen. So verwehren sich die Bilder jeglicher Verklärung oder Romantisierung des (Land-)Lebens und greifen auch immer wieder die Arbeit des Filmemachens selbst auf. Die beim Rollenwechsel entstandenen Schwarzbilder machen das Vergehen von Zeit sichtbar.

Entstanden ist ein Film, in dem in Alltagsbeobachtungen Raum und Zeit erfahrbar werden: während für uns als Zuschauer*innen der Radius des Lebens kleiner wird, dehnt die Zeit sich aus.

Ab 14.6.2018 im Kino.

 

Posted in ImpulseGetagged mit: , ,
Ein Kommentar zu “Aus einem Jahr der Nichtereignisse
  1. hier den namen eintragen sagt:

    Erleuchtet: unser natürlicher Urzustand…. Danke :o)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Dein Kommentar wird nach der Prüfung freigeschaltet. Nicht identifizierbare Namen (Nicknames) werden nicht freigeschaltet.