Permakultur in der Praxis

Permakultur in der Praxis

Foto: Evelin Rosenfeld

Ich hatte schon als kleines Mädchen eine Leidenschaft für Pflanzen. Mein Opa ging oft schon im Morgengrauen hinaus in die Flur mit mir, führte mich zu verwunschenen Eichen oder zeigte mir, wie das Seifenkraut sich in die aufgehende Sonne reckte. Als 10-Jährige sammelte ich Heilkräuter und machte Teemischungen für die ganze Nachbarschaft – und heute hüte ich 35.000 Quadratmeter verwunschenes Land (mit Namen „Aditi“) und baue dort aromatische Kräuter in Permakultur an.

Dabei habe ich die Bücher von King, Mollison, Fukuoka bisher gar nicht gelesen. Eher ging ich intuitiv an die Erschließung von Aditi, fand unten in der Wiese Thymian, nahm einen Teil heraus, pflanzte ihn oben ins Beet – und er entfaltete seine ganze Größe.

Lauschte, während ich die Salbei-Keimlinge setzte, und vernahm, daß zwischen Bienen und Waldrand, an der Grenze zum Kräutergarten, Digitalis stehen soll – gleich einer Schwelle. Entdeckte während des Dürrejahrs, daß die Rosen von den 800 Pflanzen „rosa canina“, die ich neben die Benjeshecke gesetzt hatte besser mit der Trockenheit klar kamen, an deren Fuß Spitzwegerich wuchs – und jätete selbigen nicht mehr sondern setzte ich als Saum um alle Rosen.

Hintergrund Permakultur

Die Permakultur – die im frühen 20. Jahrhundert mit den Veröffentlichungen von King zur „permanent agriculture“ begann, brachte das typisch asiatische, systemische Denken in den Occident:

Landwirtschaft wurde im Kontext ihres Umfeldes, im Jahreszeitenlauf und über lange Perioden betrachtet. Und hieraus ergaben nach und nach „Gesetzmäßigkeiten“ wie sie in jedem ökologischen – und auch sozialen System zu finden sind. Mollison faßte sie zu den 12 Grundprinzipien zusammen:

Gestaltungsprinzipien nach Mollison (Quelle: Wikipedia)
1. Multiple Elements  –  Jede Funktion des Systems wird von mehreren Elementen erzeugt.

2.  Multiple Functions – Jedes Element des Systems hat mehrere Funktionen.

3. Zones – Anordnung der einzelnen Systembereiche nach Nutzungsintensität.

4. Natural Succession – Berücksichtigung der natürlichen Entwicklung eines Elementes bzw. des Systems.

5.  Optimize Edges – Optimierung der Randzonen als besonders aktive Bereiche des Systems.

6. Relative Location  – Der relative Aufenthaltsort (Nische) eines Elements innerhalb des Systems.

7.  Elevational Planning – Systementwicklung durch aufeinander aufbauende Elemente.

8. Energy Recycling – Wiederverwendung von Energien und Stoffen innerhalb des Systems.

9. Natural Ressources – Nutzung der natürlichen Ressourcen eines Systems.

10. Sectors – Identifizierung und Nutzung der von außen auf das System wirkenden Einflüsse (Sektoren).

11. Patterns – Verwendung von Entwurfsmustern zur Strukturierung des Systems.

12. Diversity – Schaffung einer großen Vielfalt von Elementen innerhalb des Systems.

Wie auch Mollison und seine Permakultur-Jünger immer wieder betonen: Es geht darum, Kleinklimazonen zu erkennen oder zu schaffen. Der Garten muss als ein Ganzes begriffen werden – und in seinen „Gliedmaßen“ und seiner Dynamik erfaßt werden.

Permakultur in der Praxis

Foto: Evelin Rosenfeld

Wo ist es wärmer als in anderen Teilen des Gartens ? Wo staut sich Feuchtigkeit und wo fehlt sie ?

Wenn diese Gesamtordnung begriffen und nachvollzogen wurde, kann sie ausgebaut und gefördert werden. Durch das Anlegen so genannter Swales zum Beispiel – natürliche Wasserscheiden, die das Absickern der Feuchtigkeit verhindern.

Oder durch das Anlegen von „Sonnenfallen“ – U-förmigen Beeten, die sich nach Süden (Wärme) hin öffnen und den Wind (meist aus West) abschotten, speichern Wärme und bilden nahezu windstille Bereiche, in denen wärmeliebende oder frostempfindliche Pflanzen besser leben.

Auch der Gedanke von Kreisläufen – Energie- und Wasser-Kreisläufe – ist zentral: Es wird vermieden, Fremdes ins Land einzubringen (Dünger, Gülle) – oder herauszuschaffen (Grasschnitt, Gülle von Tieren, die auf dem Land leben).

Dies alles ist so standortabhängig, daß es kein Wissenskompendium geben kann. Vielmehr erzieht uns die Permakultur zum Beobachten, Einfühlen und – Kombinieren. Irgendwann sind wir in der Lage, Doldenblütler von Lippenblütlern zu unterscheiden, ohne eine akademische Bestimmung durchführen zu müssen. Wir „erkennen“ ein bestimmtes Verhalten, einen bestimmten Effekt auf Boden und Umfeld. Und es liegt auf der Hand, das viele Ähnliche zu viel vom Ähnlichen brauchen (z.B. Nährstoffe aus dem Boden): Also beginnen wir, unterschiedliche Pflanzenfamilien nebeneinander zu setzen.

Ein Mensch, der mit seinem Garten lebt, sich einfühlt und beobachtet, muß weniger lernen als vielmehr seinen Gestaltungsdrang zügeln, sich selbst integrieren in das bestehende Netz und die Dynamik aufspüren, die sich entwickelt. 
Dann erst ist es möglich, formend einzugreifen, ohne Löcher zu reißen und Ungelichgewichte zu erzeugen.

Fazit von Aditis erfolgreichen Startjahr: Mehr Beobachten, statt Eingreifen

  • 35.000 Quadratmeter biozertifiziert und als landwirtschaftlicher Betrieb anerkannt, liebevoll begleitet von der Unteren Umweltzschutzbehörde Coburg und dem Landschaftpflegeverband
  • 3000 Quadratmeter Permakultur aromatischer Kräuter von höchster Güte
  • 300 kg Rohdrogen und 1.200 Fläschchen Ätherisches Hydrolat – das Lager ist fast ausverkauft
  • Der Feststellung, daß ALLE letztjährig gesetzten Pflanzen nicht nur das Dürrejahr sondern auch den Winter schadlos überstanden haben

Dieses Ergebnis im Startjahr interpretiere ich das mal als Aufforderung, weiterzumachen und das Wissen um diese ganz „andere“ Art, zu Gärtnern und ein Unternehmen aufzubauen, weiterzugeben.

Ich beginne, mein Handeln mit den „Weisen der Permakultur“ abzugleichen und stelle fest: Was Holgren et alteri entdeckt und beschrieben haben, liegt ganz nah bei dem, was ich auf Aditi gemacht habe: Es geht mehr um Beobachten, statt Eingreifen.

Es gibt keinen „Müll“ in einem gesunden Garten. Das Gärtnern ist mehr auf Balance und die Förderung ALLER Teile des Ökosystems ausgelegt, als auf die Maximierung des Ertrags einer bestimmten Pflanze. Der Garten zeigt, was fehlt oder zu viel ist – die gärtnernde Hand folgt lediglich….

Praxiswoche Permakultur

Permakultur in der Praxis

Foto Evelin Rosenfeld

Ich lade erstmalig Interessierte zur Praxiswoche Permakultur nach Aditi ein, um Ende März mit mir den großen Kräutergarten „wachzuküssen“, die etablierten Pflanzengemeinschaften zu studieren, Beete zu erweitern und neue Kulturen einzuweben.

Du wirst erfahren, welchen Unterschied es mach OHNE Maschinen auch auf so großen Flächen zu wirtschaften. Du wirst den Rückenwind der Wesen auf Aditi spüren, die durch die wertschätzende Behandlung eine Kraft entfalten, wie Du sie in keinem „dressierten“ Garten findest. Du wirst die Vielfalt einatmen, die gewachsene und hineingewebte Kulturen miteinander erzeugen.
 Du wirst Lehm an den Schuhen haben und unter den Fingernägeln, Du wirst betört sein vo, Duft des Salbeis und der Pfefferminze, Du wirst nicht einfach Jäten sondern erkennen, ob das „Unkraut“ einen besseren Platz in der Gemeinschaft hat und es versetzen.

Aditi … dieser zauberhafte Hügel an der bayerisch-thüringischen Grenze wird Dich in den Pausen in die Holunderkolonie führen oder zum Geistbaum… und am Abend wirst Du noch immer nicht „nach drinnen“ gehen wollen sondern mit deinen Gefährten am Lagerfeuer sitzen und darüber diskutieren, wieviel Brennnessel im Feld stehen bleiben muß, damit der Boden so weich bleibt, wie Du ihn gesehen hast.

Komm mit mir ins Zauberland und lerne, mit den Pflanzen zu wachsen: 25. März – 31. März 2019, Anmeldung hier

 

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