Buchtipp: Die Heldin reist

Wir kennen inzwischen fast alle den Mythos der Heldenreise, der allerdings ein klassisches männliches Narrativ bedient. Wie würde eine Heldinnen-Reise aussehen? Das hat sich Dorris Dörrie in ihrem neuen Buch „Die Heldin reist“ anhand eigener Erfahrungen gefragt.

„Woher kommt dieser Mythos? Und wieso beschreibt er immer nur den Helden und wann ist der Held ein Held? Dieser Monomythos ist erfunden, bzw. beschrieben worden von dem amerikanischen Mythenforscher und Ethnologen Joseph Campbell. Die großen Hollywood-Epen sind alle danach konstruiert und funktionieren dementsprechend. Aber wenn man genauer hinschaut: Auch jede „gute Geschichte“ funktioniert so.

Und die Frage, die ich versuche zu untersuchen in diesem Buch ist: Wenn Odysseus der Held ist, was ist dann eigentlich mit Penelope, die zuhause bleibt? Darf Penelope überhaupt reisen? Darf sie aus dem Haus? Nein, sie muss zuhause bleiben, damit auch jemand wie Odysseus überhaupt wieder zurückkommen kann! Denn ohne Penelope gibt es keinen Odysseus, das heißt, Odysseus darf nur weg, weil Penelope nicht weg darf. Und wenn jetzt Penelope anfangen würde zu reisen, was bedeutet das? Und welche Geschichte bringt sie mit zurück? Und wann ist sie eine Heldin?

Und dazu kommt, dass dieser Heldenbegriff in Deutschland ja komplett kontaminiert ist durch das Dritte Reich. Und ich finde auch zurecht sind wir skeptisch mit dieser Heldenvorstellung. Nur wird zunehmend dieser Heldenmythos bedient durch endlose Narrative, von denen wir umgeben sind, wo jeder Politiker versucht, sich als Held zu generieren, als Protagonist dieser Heldenreise. Und selbst in der Werbung findet es statt, in der Wirtschaft, überall wird dieser Monomythos bedient, und den muss man, glaube ich, doch dann mal sich wirklich zur Brust nehmen und genau anschauen, was er eigentlich beinhaltet. Und meine These ist eben, dass Frauen anders reisen und episodischer reisen und nicht in dieser Rettungsfantasie, was der Heldenmythos beinhaltet, unterwegs sind. Und vielleicht sind sie auch nicht in dieser Jäger-Haltung unterwegs, dass man unbedingt so etwas wie eine Trophäe mit nach Hause bringen muss.

…Der Held wird durch das Erlegen des Drachens belohnt, am Ende bekommt er eben immer alles – Haus und Hof und Auto, Schloss. Aber werden Frauen belohnt? Was ist denn dann der Sinn der Reise, wenn sie nicht die Welt retten wollen? Das sind alles Fragen, die ich versuche zu erörtern.“

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Die Heldin reist

Der Held muss in die weite Welt hinaus und Abenteuer erleben, um ein Held zu werden – und eine Geschichte zu haben. Und was ist mit der Heldin? Doris Dörrie erzählt von drei Reisen – nach San Francisco, nach Japan und nach Marokko – und davon, als Frau in der Welt unterwegs zu sein. Sich dem Ungewissen, Fremden auszusetzen heißt immer auch, den eigenen Ängsten, Abhängigkeiten, Verlusten ins Auge zu sehen. Und dabei zur Heldin der eigenen Geschichte zu werden.
Hardcover Leinen 240 Seiten ISBN 978-3-257-07184-9 Hier zur Leseprobe und mehr.

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Ein Kommentar zu “Buchtipp: Die Heldin reist
  1. Andrea sagt:

    Oh was für ein cooles Thema! Da wird das Gehirn schön angefixt! Und ich dachte immer, Penelopes Heldenreise ist, dass sie zu Hause bleibt! Ich freue mich sehr aufs Lesen!

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