Rücklicht: Etty Hillesums Gebiete des Friedens

Foto: Screenshot youtube

„Letztendlich haben wir nur eine moralische Pflicht, in uns selbst: große Gebiete des Friedens zurückzugewinnen, mehr und mehr Frieden, und das den anderen zu zeigen. Und je mehr Frieden in uns ist, desto mehr Frieden wird auch in unserer geschundenen Welt sein.“

Etty Hillesum geboren am 15. Januar 1914 als Esther Hillesum in Middelburg/Niederlande kam 1943 in Auschwitz ums Leben. Während der deutschen Besetzung der Niederlande führte sie in den Jahren 1941 bis 1943 ein Tagebuch und hinterließ Briefe, worin sich ihre menschliche und spirituelle Entwicklung unter den Bedingungen von Krieg und Verfolgung widerspiegelt. Ein mystischer Weg innerer Gottesschau.

Sie war auf der Suche nach Gott. Nicht dem Gott der Juden oder Christen, sondern nach dem Göttlichen an sich, dem Numinosen, nach dem, was zu erkennen ist, wenn alles an Ängsten, Befürchtungen, Zweifeln, an Hass und Wut, an Zorn, Ärger und Missgunst, an Neid und Überheblichkeit in einem selbst Frieden gefunden hat.

Eine erste Auswahl aus dem Tagebuch wurde 1981 veröffentlicht und fand großes, auch internationales Interesse. Eine Gesamtausgabe ihrer Schriften erschien 1983. Hier eine aktuelle Ausgabe.

Abendgebet zu Etty Hillesum „Das Suchende Herz“ mit Irmgard Nauck und Stefan Goreiski in der Kirche der Stille in Hamburg 2021.

Aktuelles Projekt zu Etty Hilversum mit Martina Gedeck: Samstagmittag, 12 Uhr“

Die Schauspielerin sitzt in einem völlig dunklen Raum, nur ein Tisch, ein Lichtkegel, ein Manuskript tauchen auf. Der Text zieht einen hinein in das Leben von Etty Hillesum, Jahrgang 1914, die Anfang der 1940er-Jahre mit zunehmendem Wissen um ihr eigenes, bevorstehendes Ende ihr Inneres beschreibt. Mehr hier im NDR.

Martina Gedeck „Samstagmittag 12 Uhr“

„Gestern habe ich einen Augenblick lang gedacht, ich könnte nicht weiterleben und hätte Hilfe nötig. Ich konnte den Sinn des Lebens und den Sinn des Leidens nicht mehr erkennen. Ich hatte das Gefühl, unter einem gewaltigen Gewicht zusammenzubrechen. Aber auch dadurch habe ich einen Kampf durchgefochten, der mich weitergebracht hat, durch den ich stärker bin als vorher.“ Aus dem Tagebuch von Etty Hillesum

Gezeigt wird der Film„Samstag Mittag 12 Uhr“ bis zum 8. Januar 2023 in der Blue Box des Sprengel Museums Hannover.

Danke an newslichter-Leserin Lia fürs finden!

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4 Kommentare zu “Rücklicht: Etty Hillesums Gebiete des Friedens
  1. Günther sagt:

    Ein sehr schöner Artikel. Ich habe vor einiger Zeit eine kleine wissenschaftliche Arbeit geschrieben, einen Vergleich der Tagebücher von Etty Hillesum und Anne Franck.
    Etty Hillesum war eine sehr mutige und intelligente Frau. Sie besaß ein sehr modernes Gottesverständnis und sah auch die politische Entwicklung viel klarer als viele ihrer Zeitgenossen. Sie ging mutig in einen scheußlichen Tod, obwohl sie die Chance hatte, sich zu verstecken. Aber sie wollte ihre Familie nicht im Stich lassen. Sie ist für mich noch heute ein Vorbild für Mut und Zivilcourage und einem modernen Gottesverständnis, fernab von den etablierten Kirchen und Theologengeschwätz.

  2. Danke für zusätzlichen Einschätzungen und Hintergründe – ich bewundere Ettys Mut und Weisheit sehr – sie ist ja gerade wieder besonders wertvoll

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