, 4. Mai 2012

Ich wähle die Freude

Impressionen von Karl Gamper. Schaue ich auf mein reiches, langes Leben mit der Frage: Was war mein bisher größter Sprung? – dann gibt es für mich nur eine Antwort. Das war, als ich zellulär die Transformation erlebte von der Angst in die Freude. Das Schlüsselwort dabei ist “zellulär”. Leider bin ich Ihnen dabei kein gutes Vorbild, was die Dauer betrifft für diesen Schub in eine neue Dimension. Ich meditierte zu dieser Zeit – es war 2004 – schon mehr als 25 Jahre und habe unglaublich viel gekostet vom spirituellen Buffet. Wobei “gekostet” zu kurz greift. Denn ich habe mich auf so viele Ausbildungen und Workshops mit Haut und Haaren eingelassen, dass ich – überzogen formuliert – ganze Therapiestationen mit meinen diversen Zertifikaten füllen könnte. Dabei habe ich natürlich – wie Sie wohl auch – längst mental erkannt, dass Angst und Liebe zwei Pole sind. Wo das eine ist, kann das andere nicht sein. Wie gesagt: Das hatte ich längst verstanden. Und mental abgehakt! Erst als uns das Leben als Paar, Jwala und mich, gemeinsam durch die Nacht der Seele führte und ich in einer tiefen Krise ausweglos am Boden lag, kein vor und kein zurück sah und auch aus meinen Ausbildungen weder Ausweg noch Trost fand, ist der Teil des “Alles-ist-Machbar” in mir gestorben. Besser: Er ist abgefallen wie ein welkes Blatt, dessen Zeit gekommen ist. Denn nicht “ich” habe irgendetwas getan. “Ich” war paralysiert. Gelähmt von der seit Monaten anhaltenden Angst und Ausweglosigkeit. Ich möchte die Hintergründe der Geschichte hier deshalb nicht erzählen, weil die Form austauschbar und letztlich auch gleichgültig ist. Die Details der Story ändern bei Ihnen nichts. Doch was sich wandelt, wenn Sie den Sprung nachvollziehen – so das für Sie von Interesse ist – das möchte ich hier und jetzt mit Ihnen erforschen.

Das zentrale Erlebnis

Ich erinnere mich noch, als ob es heute gewesen wäre. Es war einer dieser zauberischen Frühlingstage spät im April 2004 in Tirol. Es war früher Nachmittag. Ich saß allein in meinem Büro im Claudiaschlössl, das Fenster offen, draußen leuchtete der Park von den Strahlen des erwachenden Frühlings. Alles in der Natur schickte sich an zum großen  Aufbruch. Das war draußen. Doch innen in mir war es zapfenduster. Da kam es über mich wie eine Naturgewalt: “Karl, gib auf. Übergib diese vollkommen verfahrene Situation dem Größeren.” Das war für mich das Tao. Dieser unpersönliche Aspekt Gottes.
Die Gnade des Moments war, dass ich das mit allen Sinnen tun konnte. Zu hundert Prozent. Ohne jegliche Spekulation. Das Leben hatte mich weichgeklopft. Und ich verstand, dass weder meine NLP- noch meine Wizard-Künste noch meine (übertrieben) 1000 und eine Ausbildung mir einen Ausweg gebracht hatten. Auch nicht die Flut meiner Hilferufe an das Heer meiner Freunde. So machte ich also einen dicken Strich in meinen ledergebundenen Timer und schrieb: “Ende. Aus und vorbei!” Sie denken vielleicht: Aufgeben tut man nur einen Brief. Das stimmte in meinem Fall nicht mehr. Die Dynamik der fallenden Situation war viel zu gewaltig.

Die Dämmerung

Sie wissen ja selbst: Das Leben geht weiter. Meine weise Frau begann damals, ihre ersten Signs zu schreiben. Speziell für mich schrieb sie: “Das Leben hat immer Recht.” Und: “Folge den Zeichen.” Die Zeichen waren, dass ich eine sehr viel tiefere Einsicht in das Wesen der Angst bekam. Ich begann, Angst als einen Frequenz-Zustand zu erkennen – statt als ein Gefühl. Ich erspürte die niedrige Schwingung dieser Frequenz und lernte, sie meinem Herzen fühlend zu zeigen. Ohne etwas damit zu machen. Ich hielt sie einfach meinem Herzen hin wie ein schreiendes Baby und folgte innerlich lauschend, spürend und staunend dem Weg der Auflösung. Es war und ist ein Geschehen. Kein Tun. Am ehesten vergleichbar mit Dunkelheit, die aus sich auch kein Wesen hat. Dunkelheit ist die Abwesenheit von Licht. So begann ich also, den inneren Strahl des Lichtes in die Angst zu lenken und nach und nach zeigten sich mir die Masken der Angst. Ich begegnete einer ganzen Sippe aus Eifersucht, Hass, Gier, Neid, chronischer Nörgelei und den Schurken der Schuld und der Schuldzuweisung, des Verurteilens und des permanenten BesserWissens als Projektion der eigenen Unsicherheit. All das sind Masken der Angst. Doch die machtvollste und von allen am wenigsten erlöste ist die Scham. Die Scham sitzt im tiefsten Keller unserer Persönlichkeit. Wir wagen es kaum, sie anzuschauen – so sehr schämen wir uns. “Schäm dich” zu einem Kind oder einem Erwachsenen zu sagen halte ich inzwischen für den Fluch der Unbewusstheit. Weiterlesen auf Seite 2

 

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