Beiträge zu Granatäpfel

Granatäpfeln heilen, was Granaten zerstörten

 

Foto: Obsthof Retter

Von Elizabeth Ornauer. Seit Jahrhunderten wurden in der Herzegowina, im Süden von Bosnien und Herzegowina, Granatäpfel angebaut. Doch der Bosnienkrieg 1992 zerstörte alles – Land und Leute. Von Vertrauen, Hoffnung und Granatäpfeln keine Spur mehr. Bis der steirische Bio-Pionier und Obstbauer Werner Retter die hervorragend geeigneten klimatischen Bedingungen der Herzegowina für Granatäpfel wieder entdeckte. Vor allem der wilde Granatapfel („divlii nar“; von der Bevölkerung liebevoll „Šipak“ genannt, was „Hagebutte“ bedeutet), eine Besonderheit der Region, wächst überall: voll biologisch und mit einem wesentlich höheren Gehalt an Antioxidantien, Polyphenolen und Ellagsäuren als die Plantagenfrüchte.

Der Obsthof Retter erhielt als einziger Betrieb die Genehmigung des bosnischen Forstwirtschaftsministeriums, die wilden Früchte zu sammeln. Die Sammler der Wildfrüchte sind mit Ausweisen ausgestattet unterwegs und genauestens darüber unterrichtet, welche Gefahren das Sammeln birgt und worauf zu achten ist. Sie sind auch die einzigen, die darin geschult sind, Landminen zu entschärfen. Dafür werden sie zusätzlich entlohnt und helfen mit, das Gebiet wieder zu einem guten und sicheren Boden zu machen.

Nach wenigen Monaten wurde das Projektziel bereits übertroffen, und das ganze Gebiet erhielt ein vollkommen neues Profil: der Granatapfelanbau wurde wiederbelebt, das Vertrauen der Bauern Schritt für Schritt gewonnen, indem sie auch sofort für abgelieferte Wildgranatäpfel bezahlt werden. Sie fassen Mut und erhalten neue Zukunftsperspektiven. Damit wurden attraktive Arbeitsplätze geschaffen und der Verkauf angekurbelt. Und nicht zuletzt profitiert auch der Tourismus in der Gegend kräftig. Langsam heilen die Granatäpfel viel von dem, was die Granaten zerstörten.

Mehr Informationen über das Granatapfelwunder:

Obsthof Retter (mit Bezugsmöglichkeit des Saftes)

Artikel in Der Presse

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