Poesiealbum: Lyrische Hausapotheke

walsDie „Lyrische Hausapotheke“ ist Erich Kästners populärster Gedichtband. Als er ihn 1936 zusammenstellte, lebte er seit drei Jahren in Unsicherheit und Angst. 1933 waren seine Bücher verbrannt und er mit Publikationsverbot belegt worden. Im Warschauer Getto erhielt Teofila Langnas vorübergehend ein  Exemplar. Sie übertrug es kalligraphisch und schmückte es mit farbigen Vignetten. Diese Abschrift schenkte sie 1941 Marcel Reich-Ranicki, ihrem Freund und späteren Mann, zu dessen 21. Geburtstag. Gemeinsam lasen sie deutsche Gedichte, als ihnen ein deutscher Tod drohte.

hausapothekeZum Buch:  Humorvolle, ironische und bissige Gedichte gegen Weltschmerz, Liebeskummer, Ärger und andere Störungen des seelischen Gleichgewichts. Einzige bekannte Nebenwirkungen: Einsicht und befreites Lachen. „Der vorliegende Band ist der Therapie des Privatlebens gewidmet. Er richtet sich, zumeist in homöopathischer Dosierung, gegen die kleinen und großen Schwierigkeiten der Existenz“, schreibt Erich Kästner im Vorwort zu seiner Hausapotheke. In der Tat weiß „Dr. Kästner“ für alle menschlichen Nöte die richtige Medizin – Humor, Zorn oder Ironie – und welches Gedicht „man nehme“, wenn die Besserwisser ausgeredet haben, die Ehe kaputtgeht, vom sogenannten Fortschritt die Rede war, wenn man an Gefühlsanämie leidet oder sich über die lieben Zeitgenossen geärgert hat. Dieses Nachschlagewerk zur „Behandlung des durchschnittlichen Innenlebens“, eine Sammlung verschiedener Kästner-Gedichte der 20er und 30er Jahre, erschien erstmals im Jahre 1936 in der Schweiz. Diese Ausgabe mit einem Vorwort von Salomon Korn und einem Auszug aus der Biografie Marcel Reich-Ranickis.

Das ist das Verhängnis:
Zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.
Das ist das Verhängnis.

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