#BoycottQatar2022

Lesezeit 3 Minuten –

Seit ich zurückdenken kann, war zusammen Fußball schauen ein Verbindungskit. Zuerst in meiner Ursprungsfamilie (hier wurde immer zusammen Sportschau statt Daktari geschaut). Dann im kunterbunten Freundeskreis in und ums Stadion des FC St. Pauli. Und in der lieben Nachbarschaft während meiner Hannover-Zeit beim gemeinschaftlichen EM- und WM-Treff mit Kind und Kegel.

Und noch heute schau ich immer wieder gerne Fußball im Fernsehen. Es ist vielleicht auch ob all der guten Erinnerungen für mich ein Ausgleich zu dem vielen äußeren und inneren bewegten Wandel der letzten Jahre. Mal nichts denken, einfach nur schauen und abschalten. Und ich liebe das Spiel.

Doch in den letzten Jahren brökelte es mehr und mehr. Denn der grenzenlose Kommerz hat den Profifußball, die Verbände und die Vereine übernommen. Absurde Summen und Korruption verderben den Charakter. Das alles gipfelte eigentlich schon bei der Vergabe der WM nach Katar 2012. Schon damals dachte ich „Dann werde ich wohl zum ersten Mal seit 1970 nicht schauen“. Aber es war ja noch lange Zeit und ich hoffte auf eine Umkehr. Aber Nein, schon bald beginnt diese wahnwitzige Veranstaltung, die so viele die Dinge verbindet, die ich nicht akzeptieren kann:

  • Fehlende Menschenrechte
  • Unwürdige Arbeitsbedingungen
  • Verschwendung von Ressourcen
  • Kommerz und Korruption
  • Frauenfeindlichkeit
  • Homophobie
  • Verlogenheit bei all diesen Themen

Und ich werde keinen WM-Fußball schauen.

Ich will hier keine Diskussion über das Für und Wider eines Boykotts führen, sondern teilen, wie es sich anfühlt nach alle den Jahren eine Grenze zu überschreiten und auszusteigen aus einer Sache, die mal wichtig war – tatsächlich immer noch schmerzlich, aber so richtig! Es wird wohl nicht die letzte Entscheidung sein, die zu treffen ist.

Und ich bin nicht allein, inzwischen wollen 56 Prozent der Deutschen nicht die WM schauen und viele, viele Fußball-Fanclubs haben dazu aufgerufen, stattdessen etwas anderes zusammen zu machen. Ob es was verändert – wir werden sehen. Wichtige Zeichen sind jedenfalls gesetzt.

Informationen und Hintergründe zum WM Boykott Katar

Aufruf der Fußball-Fans https://www.boycott-qatar.de/

Reportage von Thomas Hitzlsperger, ehemaliger Fußballprofi und aktueller WM-Experte, die eindrücklich klarmacht, warum er eine WM in Katar unmöglich findet: als fußballbegeisterter Mensch ebenso wie als offen schwul lebender Mann. https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/thomas-hitzlsperger-katar-warum-nur-100.html
Dokumentation im ZDF mit gutem Infoteil über die skandalträchtige Vergabe der WM nach Katar https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-geheimsache-katar-100.html

PS: Eine gute Nachricht zum Schluss

Heute las ich zu meiner Freude einen Artikel über eine Frauen-Fußballmanschaft, die ganze eigene, andere Wege geht: Den FC Viktoria Berlin

„Die Augen der Welt sind auf Katar gerichtet – doch weit abseits der WM blüht der Fußball, wie er sein könnte: In Berlin-Lichterfelde wollen sechs Unternehmerinnen das Frauenteam FC Viktoria Berlin bis 2025 von der 3. in die 1. Liga führen – mit prominenter Unterstützung. Idealismus gegen Kommerz. Kann das klappen?“ RND Netzwerk

Hinter dem Projekt stehen 6 Frauen. Felicia Mutterer, ehemalige Fußballerin, TV-Moderatorin beim SWR und Sportjournalistin konnte 5 Mitstreiterinnen gewinnen. Die ehemalige deutsche Nationalspielerin und Doppelweltmeisterin Ariane Hingst, die Unternehmerinnen Katharina Kurz und Verena Pausder, die Marketingspezialistin Lisa Währer und die frühere Vattenfall-Managerin Tanja Wielgoss. Das Sextett überzeugte bisher 87 weitere Investorinnen, sich mit 10 000 bis 50 000 Euro zu engagieren, darunter Ex-Skistar Maria Höfl-Riesch, Moderatorin Dunja Hayali, Komikerin Carolin Kebekus, Miriam Meckel oder Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick als Aufsichtsrätin.

Dann muss ich wohl bald nach Berlin fahren, um Fußball zu schauen 🙂

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Bettina Sahling
Bettina Sahling

Bettina Sahling ist die Gründerin und Hauptakteurin hinter dem Online-Magazin newslichter.de, das sich seit seiner Gründung im Jahr 2009 der Verbreitung positiver Nachrichten widmet. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, täglich inspirierende Geschichten und gute Nachrichten zu teilen, um den Lesern Hoffnung und positive Impulse zu geben.

10 Kommentare

  1. Hallo ihr Lieben!
    Ich habe früher, weil mein Mann aktiver Fußballer in den unteren Ligen und Klassen war, gern Fußball geschaut – bin immer mitgegangen, weil ich den Zusammenhalt auch über den Sport hinaus sehr schätzte.
    Der einzige Zusammenhalt scheint heute zu sein, ob genug Geld fließt 🙁

    Ich halte Mannschaftssport und alles andere, was man zusammen machen kann (Musik einschließlich) nach wie vor für wichtig, aber wenn ich sehe, was daraus geworden ist … es schüttelt mich!

    Schön, dass sich über 50% dazu entschlossen haben, diese WM ganz bewusst zu boykottieren. Ob es „da oben“ jemanden interessiert, bleibt abzuwarten.

    Herzensgrüße und eine kreative und fußballfreie Zeit für euch!
    Imke

  2. Danke, liebe Bettina, für dein Teilen. Ich finde es so wichtig, dass wir uns selbst treu bleiben und den Mut haben, lieb gewordene Gewohnheiten und Rituale zu hinterfragen. Am besten „strafen“ wir die Kapitalisten und vermeintliche Weltenherrscher ab, indem wir ihnen die Energie entziehen und ihr Spiel einfach nicht mehr mitmachen. So, wie in der C-Plandemie „Ich mach‘ da nicht mit“. Das Neue ist schon da, es macht nur nicht so viel Lärm ♥
    Und schön, das mit dem Frauen-Fußball ♥

  3. Ja, danke, Bettina, für diese Zeilen.
    Mir geht es ganz genauso.
    Ich werde die Fußball WM auch nicht schauen.
    Was ich noch hinzufügen möchte, ist dass es auch so verquer für mich ist, dieses spannende event, was so in die Sommerzeit passt, es diese stille, besinnliche Vorweihnachtszeit zu packen…irgendwie genau das Gegenteil, als was gerade dran ist.
    Danke für den Beitrag und dass das Thema hier Raum findet.
    Grüße
    Beate

    • Ach, das war mir nicht bewusst, weil ich gar nicht weiß, wann die WM startet. Das ist ja ein Ding! Brot und Spiele in der stillen besinnlichen Adventszeit. Was wird mit dieser Planung wohl bezweckt?

      • Im Sommer sind es über 40°C in Katar und man kann sich draußen nicht aufhalten.
        Da Katar aber unbedingt die Spiele ausrichten sollte, wurde es auf den Winter verlegt und so zurechtgebogen.

        (Die Arbeiter mussten natürlich trotzdem im Sommer in der Hitze die Stadien bauen)

        Hintergründe finden sich auch im Podcast „Ausverkauft – Katar, der Fußball und das große Geld“.
        https://open.spotify.com/show/3nANb7GiNWRGezo7VYHAUR

  4. Danke, Bettina für deine Offenheit! Mir geht es ähnlich. Als großer Fußballfan seit Kindesbeinen verliere ich Jahr für Jahr die Lust am großen Sport wie der Bundesliga oder Champions League. Ich schaue eigentlich nur noch meinen Heimatclub in der dritten Liga. Da steckt das Herz drin.

    Es gab für mich früher kaum etwas Schöneres wie internationale Spiele oder eine WM zu verfolgen – als kleiner Dötz 1986 mit dem Radio heimlich im Bett.:-) Ich werde die WM in Katar aus dem selben Gründen wie du nicht schauen. Es tut echt weh, aber ich möchte dem Ganzen nicht meine Energie schenken.

    Alles Liebe!

  5. Liebe Bettina,
    danke für diesen Artikel.
    Seit der Bekanntgabe von Ort und Zeitpunkt dieser WM war für mich klar als Zuschauerin daran mich teilzunehmen.
    Du hast die entsprechenden Gründe schon aufgezählt.
    In meinem Umdeld bin ich die Einzige, Fußball interessierte, die nicht schaut. Bin so freudvoll und dankbar das es noch soviel Andere gibt, fühle mich nicht mehr so allein.
    Meiner Meinung nach werden die Veranstalter es deutlich merken.
    Herzliche Grüße

  6. Danke für diesen wichtigen Beitrag. Ich hab nix mit Fussball am Hut. Ausser WM, das Zusammenschauen, wie herrlich. Heuer pausiere ich. Und Jeder kann sich über die Sponsoren informieren und dort nicht mehr sein Geld ausgeben. Von wegen der Einzelne kann nichts bewegen.

  7. Diese ganze Diskussion ist einige Jahre zu spät. Wir wissen doch, wie die Vergabe der Weltmeisterschaftstandorte zustande kommt. Auch Standortvergabe Deutschland war zwielichtig.

    Mit der Vergabe Quatar hätten wir diskutieren und argumentieren sollen.

    Jetzt kann ich das kaum verstehen, zumal unsere Regierung in diesem Land und Saudi-Arabien um Gas angefragt hat.

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