Im Zwielicht

Lange war es still gewesen um die Schamanin.
Niemand hatte etwas von ihr gesehen oder gehört.
Wie auch?
Sie hatte sich in ihre Höhle zurückgezogen.
Sie wollte allein sein.
Mehr als das:
Einsam wollte sie sein.
Sie brauchte die Einsamkeit, um ihr Inneres zu ordnen.
Um zu ergründen, wie sie weiterwirken konnte.
Losgelöst von äußeren Einflüssen.
Nun spürte sie, dass die Samen, die sie in ihrer Höhle ausgesät hatte, zu keimen anfingen.
Ganz ohne Nährstoffe.
Auf dem Boden der Einsamkeit.
Auch in ihr selbst regte sich etwas.
Sie spürte Schmerzen in ihrem Körper.
Grummeln im Bauch.
Stechen im Unterleib.
Ziehen in den Muskeln.
Schlagartig wurde ihr klar:
Sie musste raus.
Sofort.
Die Zeit rief!
Tagundnachtgleiche.
Da wartete eine Aufgabe auf sie.
Sie verließ ihre Höhle.
Und schritt hinaus in die Weiten des Universums.
Geh ins Zwielicht, flüsterte ihr ihre innere Stimme ins Ohr.
Ein unsichtbarer, schmaler Pfad an der Grenze zwischen Tag und Nacht.
Sie rief Haiko, ihrem Hund.
Er führte sie auf den Pfad und zusammen zogen sie los.
Ein unangenehmer Geruch schlug der Schamanin entgegen.
Im diesigen Licht konnte sie nichts erkennen.
Ausser, dass sie sich in einer trüben Atmosphäre befand.
Nicht gerade einladend.
Aber – sie ging weiter.
Sie musste weiter.
Sie fühlte schleimige Feuchtigkeit.
Hatte das Gefühl, von Ungeziefer befallen zu werden.
Unsichtbare Hände grapschten nach ihr.
Ein Albtraum. Sie war in einem Albtraum.
Plötzlich hörte sie Stimmen.
Von links und rechts drangen sie aus der Ferne zu ihr durch.
Steh auf
und bleibe
Hier
in dir
Radikal
ohne Wenn
ohne Aber
Hier
inmitten
des Geschehens
Halte aus
lasse zu
Es ist
wie es ist
Bleibe
radikal
dem Geschehen
zugewandt
Lass
dich nicht
einschüchtern
Ducke
dich nicht weg
Die alten Glaubensmuster
wollen dich zurück
Bleibe
radikal
unbeugsam
Lass
dich nicht
in die Knie zwingen
Beuge
dich nicht
Es sind
die Dämonen der Vergangenheit
Bleibe
radikal
würdevoll
aufrecht
Geh weiter
bis zum Ende
Eine unfassbare Kraft überkam sie.
Nie gespürt, gefühlt, erlebt.
Und beim Verlassen des Zwielichts wusste sie:
Das ist radikale Liebe.
Kein Wenn, kein Aber.
Radikale Liebe.
Präzise präsent im Hier und Jetzt.
Unausweichlich wahr.
Radikal.
Liebe.
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Meine liebe Frau,
Ich begleite dich mit einem feinen Gespür für die Realität hinter der Realität zu einem erweiterten Verständnis deines Daseins, zur Sinnerfüllung und zu neuer Lebenskraft.







Danke Barbara Campiche……das ist es gerade! und warum auch immer- das englische Wort „twilight“ rundet es für mich! Herzliche Grüße, Maya