Den Schnitt zur rechten Zeit setzen

Lesezeit 3 Minuten –

In unserem Leben passiert es oft, dass wir Dinge und Umstände mit uns ziehen, die längst nicht mehr tragen. Beziehungen, Lebensumstände, Freundschaften, Partnerschaft oder auch Job und Lebensumfeld.

Wir haben uns weiterentwickelt, wir sind nicht mehr die, die wir einmal waren und scheuen uns doch davor, den Schnitt zu setzen, der vielleicht ansteht.

Dabei ist das Schnitterinnenfest eines, das uns zum 1. August lehrt: Das, was dem Leben nicht mehr dient, darf sterben. Damit das andere weiterleben kann.

Wir schneiden die Kräuter, da sie den Hochstand ihrer Wirkkraft erreicht haben – sie werden nicht besser, wenn wir sie bis November stehenlassen, und um Medizin, Tee und anderes aus ihnen zu machen, werden sie geschnitten. Ähnlich mit dem Brot und dem Korn, das hierfür verwendet wird.

Beim Schnitterinnenfest geht es nicht darum „alles“ in unserem Leben zu schneiden, sondern nur das, was dem Leben nicht mehr dient: Lebensumstände und -verhältnisse, die ausgedient haben sozusagen.

Simone Gantner hat das sehr schön in ihrem Lied „Feuer der Verwandlung“ formuliert: Was ausgedient hat, brenne, im Feuer der Verwandlung. Wir vertrauen dem leeren Raum. Wir vertrauen dem leeren Raum.

Was ausgedient hat, brenne – nicht alles brenne, nur das, was dem Leben nicht mehr dient.

Im Feuer der Verwandlung – es geht nicht um ein Feuer der Vernichtung, sondern um das Feuer der Verwandlung.

Wir vertrauen dem leeren Raum – es gibt einen Raum zwischen dem Alten, das nicht mehr trägt/ist, ausgedient hat und verbrannt ist und dem Neuen, was danach entsteht.

Das ist der Raum, mit dem wir oft Mühe haben, weil wir Angst haben, dass nach dem „was ausgedient hat, brenne“ nichts mehr kommt.

Doch es kommt, so wie jedem Winter der Frühling folgt. So wie nach jedem Schnitt und dem Dazwischenstehen, das Neue langsam aufblüht.

Lernen wir unsere Schnitte im Leben wieder bewusst zu setzen und zu beenden, was nicht mehr trägt, kann es uns gelingen, die Lebensenergie mitzunehmen, statt sie in alten Fäden gebunden zu wissen.

Entwickeln wir Vertrauen, dass es nach dem Schnitt und der Leere weitergeht – dass die Leere nicht leer ist, sondern vielmehr der Vorbereitungsraum für Neues – kann uns dies den Mut geben, klar Ja und Nein zu sagen, an Stellen, an denen eine Veränderung ansteht und so nicht abzuwarten, bis das Leben uns schubst und drängt, die Veränderung endlich vorzunehmen.

Das Schnitterinnenfest ist der erste Schritt auf dem Weg dahin.

Herzlich, Sabrina Gundert

PS. Das Lied von Simone Gantner „Feuer der Verwandlung“: natur-ritual.ch/publikationen/ (ganz unten)

Das Jahreskreisfest Schnitterinnenfest am 04. August 2026 gemeinsam feiern (mit Aufzeichnung): www.sabrinagundert.ch/jahreskreisfest-online-feiern

Das Jahresrad als Kompass und Orientierung für das eigene Leben nutzen – einmal durchs Rad gegangen, sind wir einmal durch die Themen des Lebens hindurch: www.sabrinagundert.ch/online-frauenjahr-selbstcoaching-jahreskreis

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Sabrina Gundert
Sabrina Gundert

Sabrina Gundert begleitet als Coach, Sprecherin und Sachbuch-Autorin Menschen dabei, sich selbst, ihr eigenes Unternehmen und ihr Leben klar zu führen und zu leiten. Das bedeutet auch, zu wissen, wer man ist, den eigenen Herzensweg zu kennen und an den Schwellen des Lebens klare und stimmige Entscheidungen zu treffen. Um ein Leben zu führen, das einem wirklich entspricht und zugleich eingebunden ist in ein größeres Ganzes.
www.sabrinagundert.ch

4 Kommentare

  1. Es macht mich immer wieder traurig, wie die ohnehin schon fast ausgelöschten Naturrituale unserer Kultur immer wieder zum Geldmachen benutzt werden, ohne dass sie in der tiefe erforscht und verinnerlicht sind. Wie schon mehrfach auch hier geteilt, sind die keltischen Jahreskreisfeste an den Mondzyklus gebunden (Lughnasadh findet am achten Mond nach Jul statt – das ist weder der 1. noch der 4. August). Die Gottheit Lugh – auch eine Sonnengottheit – steht für die Meisterschaft in den Künsten – genau zum Zeitpunkt der Getreideernte – die Vervollkommnung. Also gerade zu diesem Fest und zu seinen Ehren ist die Tiefe der Studien und das sorgfältige Ausgestalten der Handlung angebracht. Das Thema „Ende“ ist eher eines für Samhain.

  2. Ihr Lieben,
    Ich lese Schnitterinnen-Fest 🤔
    Warum nur für das weibliche Geschlecht?
    Jedoch bitte, bitte!
    Keine Gendersternchen o.ä. !
    Meine frage meine ich wirklich ehrlich, nicht rhetorisch.

  3. Für mich können wir Rituale zu jedem Zeitpunkt nutzen, die sinnig erscheinen. Jede/r darf sich an alte Riten/Zeitpunkte anbinden. Was heilt, hat recht. Und wenn ich aktuell wieder die vielen Stoppelfelder und die Schnitte sehr, finde ich es ungemein passend dieses Fest jetzt zu begehen und mich zu fragen, wo auch für mich persönlich Schnitte zu setzen sind.

  4. Sehr spannend: Bewahren-verwandeln, festhalten-trennen, männlich-weiblich konnotierte Gedanken, Macht-Ohnmacht-Themen, individuelle und kollektive Rituale… passt alles wundervoll in diese Hochsommer-Zeit. Dazu ein wenig Empörung, Drama, Beachtung…;-)!

    Gar nicht so einfach, den Überblick zu wahren, gelassen zu bleiben, zu erinnern, dass Polarität die Pole eines globalen Ganzen beschreibt: ein Kosmos, ein Globus, eine Erde, die unfassbar und außer Kontrolle erscheint angesichts der Gleichzeitigkeit…

    Reden, Schreiben… eigentlich jede schöpferische Tätigkeit kann helfen, etwas Ordnung und Struktur zu schaffen, das unfassbar Große begreifbar zu erleben…

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