Diejenigen von uns

Worte sind wichtiger denn je und, desto achtsamer wir sie nutzen, können sie umso besser Verbundenheit statt Trennung herstellen. Martin Kirchner von Pioneers of Change hat mir in einem der letzten newsletter eine kleine Wortwendung geschenkt, die ich seitdem nutze und die viel verändert: Diejenigen von uns. Lies hier mehr über den Ursprung:
Einfache Formulierung große Wirkung
„Vor zwanzig Jahren durfte ich zum ersten Mal ein großes Symposium moderieren – „Die Zukunft von Macht und Menschlichkeit“, mit über hundert Teilnehmenden und renommierten Vortragenden, darunter Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation. Ich war noch ziemlich am Anfang und sog alles auf wie ein Schwamm.
Das Wichtigste, was ich von diesen Tagen mitnahm, war kein großer Vortrag – sondern eine kleine sprachliche Wendung, die ich von meiner Co-Moderatorin lernen durfte. Nicole Lieger, damals Geschäftsführerin eines Menschenrechts-Instituts, sagte nicht „die FPÖ-Wähler“, „die Investment-Banker“, „die Militärs“, sondern: „diejenigen von uns, die FPÖ wählen“.
Diejenigen von uns. Eine einfache Formulierung – und doch so ein großer Unterschied. Sie zieht den Kreis unseres Menschseins weiter, bis er auch die umfasst, die wir eben noch draußen gelassen haben.
Im Englischen gibt es einen Begriff dafür: Othering – aus Menschen „die Anderen“ zu machen, die nicht dazugehören. Es beginnt harmlos, mit einem Wort, einer Schublade. Und es endet damit, dass wir gegenüber ganzen Gruppen das Mitfühlen einstellen, denn wer erst einmal „die da“ ist, dessen Sorgen müssen wir nicht mehr hören. Genau so wächst die Spaltung, die wir überall beklagen: durch die vielen kleinen Linien, die wir Tag für Tag ziehen.
Wie schnell das geschieht, haben wir in der Pandemie-Zeit erlebt. Aus „anderer Meinung“ wurde da rasch „Schwurbler“ oder „manipuliert“ – und selbst in progressiven Milieus wurde es heikel, sich mit den „Falschen“ zu zeigen. Das Muster ist geblieben. Wer bei aufgeladenen Themen anders denkt, ist schnell nicht nur anderer Meinung, sondern auf der falschen Seite.“
Diesen Sog kenne ich (leider auch) von mir selbst. Sich ein wenig klüger, ein wenig reflektierter zu fühlen als das Gegenüber, das hat etwas Verlockendes. Das Urteil ist schnell da, und es braucht eine innere Bewegung, um den Menschen dahinter zu sehen, wirklich in Kontakt zu kommen. Gerade dann, wenn ich seine Wahl für gefährlich halte.
Diese innere Arbeit ist das eine. Unsere Haltung ist letztlich die Grundlage für menschliche Verbundenheit.“
Danke mehr über die vielfältigen Impulse der Pioneers of Change hier.





Danke für’s hier teilen 🥰
Sehr schön !
Danke liebe Bettina für’s teilen. Ui, das berührt mich tief. Wieder so ein Zeichen, dass jede/r etwas tun kann, ohne viel Aufwand, jederzeit im Alltag umsetzbar und mit so großer Wirkung. DANKE.
Danke für diesen kraftvollen Impuls!
Beim Lesen schon formte sich in mir ein Satzbeispiel: diejenigen von uns, die Frieden leben.
Das war so ein kraftvoller Moment und in dem UNS ganz unmittelbar Verbundenheit spürbar.
Wir sind alle verbunden, auch wenn wir Unterschiedliches denken, tun und leben.
Danke für diesen Impuls!!
Liebe Gabriele,
Ja, danke…..Deine Worte machen ein WIR und das tut gut.
Martin Kirchner höre ich schon länger zu.