Mitgefühl

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Von José Saramago über das Buch Die Stadt der Blinden: „Ich wollte zeigen, dass unsere aufgeklärte Zivilisation bedroht ist, wir können sehen, aber sehen nicht. Wir leben mit dem alltäglichen Horror, und haben gelernt wegzuschauen. Wir glauben unsere Denken sei realistisch, wenn es von Mitgefühl befreit ist. An der Fähigkeit Schmerz zu teilen, Leid zu verstehen und ein Gefühl der Verbundenheit mit allen Lebewesen.

Denken wir aber ohne Mitgefühl, dann leben wir in einer Scheinwelt aus Abstraktionen, die Kampf und Konkurrenz zu den Treibkräften unserer Existenz machen. In dieser Welt der Abstraktionen dominiert die Gewalt, in ihr kann nur überleben, wer andere unterwirft, oder vernichtet. Diese Vorstellung einer Welt ohne Mitgefühl ist auf Feinde angewiesen. Ja wir beginnen uns selbst durch das Feindbild, das wir herauf beschwören zu definieren. Indem das abstrakte Denken, also das Kognitive, das emphatische in uns ersetzt, entfernen wir uns immer mehr von jeder unmittelbar gefühlten Wirklichkeit.

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Gastbeitrag
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