Leonard Bernstein: Herzensweisheiten

Random_House_Leonard_BernstVon Leonard Bernstein.
Was haben wir Künstler mit Öl und Wirtschaft, mit Überleben und Ehre zu tun?
Die Antwort ist: alles.

Unsere Wahrheit, wenn sie vom Herzen kommt, und die Schönheit, die wir aus ihr hervorbringen, sind vielleicht die einzigen wirklichen Wegweiser, die übriggeblieben sind, die einzigen klar sichtbaren Leuchttürme, die einzige Quelle der Erneuerung der Vitalität der menschlichen Weltkulturen.

Wo Wirtschaftsleute hadern, können wir heiter sein.

Wo Politiker ihre diplomatischen Spiele betreiben, können wir Herz und Hirn bewegen.

Wo die Habgierigen raffen, können wir schenken.

Unsere Federn, unsere Stimmen, unsere Pinsel, unsere Pas de deux, unsere Worte, unsere Cis‘ und B’s steigen höher empor als die höchste Ölfontäne. Sie können Eigennutz in die Knie zwingen. Sie können uns vor dem moralischen Untergang bewahren. Vielleicht sind es überhaupt nur die Künstler, die das Mystische mit dem Rationalen versöhnen und darin fortfahren können, die Allgegenwart Gottes der Menschheit vor Augen zu führen.

Hintergrund: Das Zitat stammt aus dem Buch Leonard Bernstein: Kein Tag ohne Musik
Im Terminkalender des Journalisten Jonathan Cott war am 20. November 1989 notiert: »Dinner mit Lenny«. Leonard Bernstein gab zu diesem Zeitpunkt, ein Jahr vor seinem Tod, eigentlich keine Interviews mehr; und doch entstand in dieser Nacht ein intensives geistreiches und inspirierendes Gespräch über musikalische, pädagogische, psychologische, politische und spirituelle Themen, das zwölf Stunden dauerte. Bernstein zeigt sich hier noch einmal in allen Facetten seiner schillernden Künstlerpersönlichkeit: als Dirigent, Pianist und Komponist, dem es gelang, die Grenzen zwischen E- und U-Musik, zwischen Kunst und Leben spielend zu überwinden, und der sich stets weigerte, emotionale, intellektuelle, erotische und spirituelle Aspekte von der musikalischen Erfahrung zu trennen. Cott rundet dieses Bild ab, indem er Bernsteins Lebensweg nachzeichnet und ergänzt: Die glänzende Hommage an ein Jahrhundertgenie.

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