Brennende Sehnsucht

Lesezeit 3 Minuten –

Von Sabrina Gundert. In diesen Tagen brennt in mir die Sehnsucht so stark, dass ich sie oft kaum aushalte. Ich spüre sie morgens, wenn ich aufwache, beim Essen am Mittag, jetzt gerade, wo ich diese Zeilen tippe. Es ist die Sehnsucht nach Einssein, nach Verbundenheit, nach Verbundensein. Jenes Verbundensein, das ich immer wieder in einzelnen Momenten des Tages erfahre.

Im Singen eines Mantras. Beim Abzupfen einzelner Blättchen des Buschbasilikums auf meinem Balkon. Draußen zwischen den Feldern, wenn der leicht kühle Sommerwind über meine Arme fährt und mein Blick über die Weite des Hegaus schweift, so, wie heute Abend.

In jenen Momenten ist es einfach da. Wie ein Scheinwerfer, ein Aufheller, wie eine absolute Selbstverständlichkeit. Ohne Frage, ohne Zweifel, einfach Ja.

Dann wieder gibt es da jene Momente, wo es mich vor Sehnsucht fast verzehrt. Wo ich nicht weiß, wohin ich mich wenden soll, weil alles Irdische nicht zu tragen scheint. Weil diese Sehnsucht, die da so stark in mir brennt, weit über die Fragen nach Wohnungskauf, Partnerschaft und Urlaubsplanung hinausreicht. Weil sie um so vieles größer ist. Um so vieles existenzieller.
Anna Platsch, Autorin und Leiterin kreativer Schreibwerkstätten, erzählte mir die Geschichte der Sufis (das Sufitum als der mystische Zweig des Islam), die gerochen hätten, wie die Leber eines Mannes vor Sehnsucht nach der göttlichen Liebe verbrannt sei.

An diese Geschichte muss ich immer wieder denken, wenn ich jenes Brennen in mir spüre. Und an Anna selbst, die mir für das Buch „Auf dem Herzensweg – Lebensgeschichten spiritueller Frauen“ von ihrer eigenen brennenden Sehnsucht erzählte. Von diesem Erkennen von, „das ist es nicht“ – Karriere, Erfolg, Mann, eine schöne Wohnung – und der lebenslangen Sehnsucht, die immer noch brannte, als sie sich all das erfüllt hatte.

Vor einer Woche war ich beim Singen in schweizerischen Winterthur, wo wir Herzens- und Kraftlieder aus aller Welt gesungen haben. Eines davon singt immer noch in mir. Es ist ein tibetisches Heilungsmantra, Tayata Om Bekandze, das unser Leiden heilen soll, ebenso wie die Ursache des Leidens. Besonders berührt mich dabei, dass es davon singt und davon ausgeht, dass die Ursache allen Leidens unser Gefühl von Getrenntsein ist.

Singe ich es, draußen für mich in den Feldern, zuhause auf dem Boden in meinem Seminarraum, scheint es mir wie ein Halten, ein Wiegen, meines eigenen Schmerzes. Der Sehnsucht nach jener Verbundenheit. Dem Brennen nach dem Einssein, der göttlichen Liebe, wie auch immer wir es nennen mögen.

Ein Teil von mir weiß dabei, dass ich immer verbunden bin. Dass es da gar nichts zu tun gibt, nichts zu suchen, nirgendwo hinzurennen. Dass jenes Getrenntsein tatsächlich eine große Illusion ist. Ein anderer Teil vergisst all dies immer wieder. Fragt sich, was er in diesem Menschenkörper macht. Was ihn hält im Leben. Was ihn zieht und trägt, wirklich in der Tiefe.

Und dann wieder stehe ich einfach da, mit all diesen Fragen und der Ratlosigkeit, die das Menschsein immer wieder für mich mit sich bringt. Ich stehe da und weine, singe, lache, fühle mich verbunden, fühle mich getrennt und übe mich, mit all dem zu sein. Auch, wenn ich manchmal keine Ahnung habe, wofür, wozu und wohin mit alldem, das ich dabei erfahre. Und ahne, dass genau das vielleicht Leben meint.

Tag der Verbundenheit: Gemeinsam mit anderen Frauen am nährenden Feuer sitzen, Visionen teilen, vom Herzen sprechen, zurückfinden in die eigene Kraft. Dazu lädt Sabrina Gundert am 20. August 2016 nach Konstanz am Bodensee ein. Eine Einladung, den Frieden im eigenen Herzen wiederzuentdecken und ihn auf diese Weise in die Welt zu tragen. Mehr hier.

Sabrina GundertZur Person: Sabrina Gundert begleitet Frauen mit ihren Coachings, Seminaren und Büchern dabei, ihr Leben bewusst zu gestalten, zurückzufinden in ihre Kraft und ein Leben zu leben, das sie tief erfüllt. www.handgeschrieben.de

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Gastbeitrag
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Viele wertvolle Gastautorinnen und -autoren unterstützen und schreiben für die Newslichter. Informationen zu der jeweiligen Person finden sich am Ende des Autorentextes.

4 Kommentare

  1. Danke für deine Zeilen … im Verstehen und mit – fühlen … ich nehme ähnlich wahr. Manchmal hat es keine Worte, dies auszudrücken, manchmal mag man sie am liebsten hinaus schreien … wer sind wir, wir hier in diesem (oft so chaotischen) Feld? Wir haben diese Trennung erfahren, um jetzt (endlich) auch die Illusion davon zu heilen … lass uns dies tun, jeder in seinem Herzen, doch auch in der Verbundenheit … ja, es ist Leben, so oft anders, als man meint 😉

    Liebe Grüße
    Heike

  2. Liebe Sabrina,
    vielen Dank für diesen Artikel! Denn es gehört Mut dazu, diese brennende Sehnsucht zu spüren… und nur wenn wir diesen Mut aufbringen, können wir unsere Herzspur (wieder)finden… eine überaus reiche Belohnung…
    Liebe Grüße
    Ursa Huhn

  3. Hallo Sabrina,

    deine Zeilen
    „Singe ich es, draußen für mich in den Feldern, zuhause auf dem Boden in meinem Seminarraum, scheint es mir wie ein Halten, ein Wiegen, meines eigenen Schmerzes. Der Sehnsucht nach jener Verbundenheit. Dem Brennen nach dem Einssein, der göttlichen Liebe, wie auch immer wir es nennen mögen. … Ein anderer Teil vergisst all dies immer wieder. Fragt sich, was er in diesem Menschenkörper macht. Was ihn hält im Leben. Was ihn zieht und trägt, wirklich in der Tiefe.“

    erinnerern mich so sehr an das Thema
    Verlorener Zwilling/ Alleingeborener Zwilling

    das ich dir dieses Thema ans Herz legen möchte.

    https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=176263779467169&id=100012506446331

    Herzliche Grüße,

    Frank-Rüdiger Wasserscheidt

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