#MeToo – Ich auch!

Unter dem Hashtag #MeToo teilen gerade weltweit Frauen ihre Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und Übergriffen sexueller Belästigung. Aktuell von Alyssa Milano bei twitter wegen des Skandals um Hollywoodproduzent Harvey Weinstein wieder ausgelöst, ist diese Bewegung schon viel älter.

Angestoßen wurde sie vor 10 Jahren von der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke. Damals arbeitete Burke als Leiterin in einem Jugendcamp. Ein junges Mädchen berichtete vom Missbrauch durch den Freund ihrer Mutter erzählt:
„Ich sah ihr dabei zu, wie sie wie sich von mir entfernte, wie sie versuchte, ihr Geheimnis wieder einzufangen und in ihr Versteck zurückzulegen“, so Burke. „Ich sah, wie sie ihre Maske wieder aufsetzte und wieder in die Welt hinausging, als sei sie ganz allein – und ich fand nicht einmal die Kraft um ihr zuzuflüstern: Me too.“ Quelle CNN/Der Spiegel

Die Grundidee daraus eine Aktion zu machen ist so einfach wie kraftvoll: Wenn alle Menschen, die jemals sexuell belästigt oder angegriffen worden sind, ‚Ich auch‘ als Status in den sozialen Netzwerken schreiben, bekommen wir ein Gefühl für die tatsächliche Größe des Problems, es wird sichtbar gemacht. Es wird darüber geredet, ohne sich zu schämen!

#MeToo erinnert auch an die deutsche Internetaktion „#Aufschrei“. Die löste 2013 nach den Sexismus-Vorwürfen gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle ein gewaltiges Echo aus.

Über #MeToo wurden bis gestern allein durch Facebook rund zwölf Millionen Interaktionen zu dem Hashtag gezählt, also neben Posts auch Likes und Kommentare. „Ein Augenblick kann eine Bewegung auslösen“, schrieb Milano bei Twitter und: „Das ist unser Moment. Das ist unsere Bewegung. #metoo.“

#metoo – Ich auch
Und auch ich, Bettina Sahling, bekenne mich. Es war 1982, als ich an einem See von einem Mann verfolgt wurde und zu einer sexuellen Handlung für ihm genötigt wurde. Nie werde ich das vergessen und nie mehr bin ich seitdem entspannt alleine unterwegs. Ich habe es nicht angezeigt und das bereue ich noch heute. Mein Umfeld reagierte eher mit Scham und Mtleid statt mit der angemessenen Wut und Aktion.

In einer von Männern dominierten Berufswelt gehörten sexuelle Anspielungen und verquere Komplimente immer dazu. Ich kann damit bis heute nur selten angemessen umgehen. Zu sehr will ich gefallen oder ich bin einfach sprachlos.

Das darf jetzt aufhören: Ich auch!

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11 Kommentare zu “#MeToo – Ich auch!
  1. #metoo – Ich auch
    Liebe Bettina!
    Danke für deine Ehrlichkeit und deinen Mut!
    Danke für 8 Jahre NEWSLICHTER und die täglich neue Inspiration!
    Du hast mein Leben damit sehr positiv verändert!
    <3
    Maja Marlen Hope

  2. Bei allem Verständnis, ich befürchte, diese Aktion fokussiert zu sehr das Problem und weniger die Lösung. Denn dadurch ändern sich die Täter m.E. nicht. Wo Gedanken hingehen, fließt Energie. (Klassisches Beispiel: Der Kampf gegen Krieg ist schlechter als Aktionen FÜR den Frieden.) Eine Kampagne, bei der Kinder und heranwachsende junge Männer und Frauen schon früh sensibilisiert und aufgeklärt werden im Umgang miteinander und in der Geschlechterrolle, fände ich zielführender. Zudem öffnet man mit dieser Aktion u.U. Fässer, mit denen (manche/viele) Frauen dann alleine gelassen werden hinter dem Bildschirm. Nicht umsonst werden Menschen nach einer Psychotherapiesitzung wieder stabilisiert.

    • Für mich geht es um Veränderung durch sichtbar werden! Das ist der erste Schritt von vielen die nötig sind, wie der aktuelle Fall mal wieder gezeigt hat. Über Jahre hunderte von Frauen und keine zeigt sich…

      • Carola sagt:

        Liebe Bettina,
        danke für dein Zeigen. Ich hab in meinem Leben einige sex. Übergriffe erlebt und auch einen Tötuntsversuch überlebt. Das Leben ist danach ein anderes. Jahre hat es gedauert bis ich überhaupt ansatzweise so etwas wie ein Leben mir zurückerobert habe. Aber ich bin gezeichnet und diese Zeichnung versuche ich durch meinen heilsamen Umgang damit langsam zum Leuchten zu bringen. Auf jeden Fall hat diese Gesellschaft Heilung nötig, damit wir endlich miteinander in Respekt und Menschlichkeit umgehen lernen.
        Also Me Too
        Danke für die Guten Nachrichten hier.
        Herzlichst
        Carola

    • Oh, da taeuschst du dich aber sehr. Ich lebe in Schottland und bin sehr viel unterwegs im englisch sprachigen Raum, sei es im Internet – auf Facebook, Instagram, Twitter, oder auf Reisen und sehe wie jeden Tag #MeToo mehr und mehr Menschen einen anderen Blickwinkel auf diese Geschehnisse gibt. Auch bei mir tut sich tag fuer Tag mehr. Es zieht viel weitere Kreise als wir es uns vorstellen koennen. Ach uebrigens: „Ich auch“!

    • Horst sagt:

      Auch ich bin der Meinung, dass es sinnvoller ist, FÜR etwas aktiv zu sein, als GEGEN etwas. GEGEN ist immer Kampf. Kampf ist im Prinzip Gewalt und Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Daher halte ich es auch für kontraproduktiv, wenn jemand sagt, er kämpfe für sein Ziel. Im Grunde geht das nicht einmal, da Kampf Argumente für einen auch harten Widerstand rechtfertigt. Das zerstört m.E. das FÜR.
      Und überhaupt : FÜR etwas aktiv zu sein, ist sicher auch durch eine Portion Liebe motiviert. Was aber hat Kampf, also ein Gegen, mit Liebe zu tun ?
      Abgrenzung ist etwas Anderes, als ein Dagegen.
      Die Blickrichtung, also das Bewusstsein, halte ich für sehr wichtig.

  3. Oh ja, auch ich erinnere mich, ausgelöst durch Deinen Artikel. 1952 wohnte ich in dem zerbombten Hannover, war ein „Schlüsselkind“, spielte viel auf der Strasse. Ein Mann sprach mich an, er wolle mir etwas zeigen, aber ich müsse mit ihm auf den Dachboden gehen. Oben angekommen, zeigte er mir sein „prächtiges Gemächt“! Ich schrie, er hielt mich an den Haaren fest und presste mein Gesicht in seinen Schritt. Den Geschmack habe ich immer noch im Mund, den Geruch in der Nase. Ich hatte furchtbare Angst, konnte mich losreissen und rannte laut schreiend die Treppe herunter. Nachbarn haben mich aufgeriffen. Nachdem die Nachbarin am Abend meine Geschichte der Mutter erzählt hatte, packte die mich am Kragen, zerrte mich in die Wohnung und verprügelte mich. Später kam der Vater und verprügelte mich nochmals. Warum? Weil ich mit dem Mann mitgegangen war! Beides werde ich niemals vergessen. Ich bin 69 Jahre alt und spreche zum ersten Mal darüber.

  4. Noch eine schöne Ergänzung als Hilfe zur Selbsthilfe hier https://www.youtube.com/watch?v=LS0KcgAabdI

  5. Horst sagt:

    Zwar bin ich nicht betroffen, zumindest hat sich noch keine Erinnerung gemeldet, doch finde ich diese Aktion gut und richtig und auch zielführend, wie man gerne sagt. Ich bin sicher, dass sich das Ausmaß und die Auswirkungen der Erlebnisse auf die Bewusstheit auswirken, auch bei den Männern. Und eine veränderte, sprich erweiterte Bewusstheit führt leicht(er) zu (Verhaltens-) Änderungen. Der Weg über den Verstand, durch Überreden und den bloßen Willen, etwas zu ändern, ist meist mühseliger und von weniger Erfolg und „Nachaltigkeit“ gekrönt.
    Wenn die Lüge sich durch häufiges Wiederholen als wahr einprägt, funktioniert das auch mit der Wahrheit.

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