Jahresrad: Sterbenlassen, was nicht mehr trägt

Foto: Sabrina Gundert

Von Sabrina Gundert. Die Bäume im Herbst machen es vor: sie lassen sterben, lassen gehen, was nicht mehr trägt. Was sie nicht existenziell für den Winter benötigen. So fallen die Blätter und je weiter der Herbst fortschreitet, stehen die Bäume in ihrer Essenz da: Stamm, Äste, Wurzeln.

Diese Zeit des Herbstes und nahenden Winters lädt auch uns ein, gehen zu lassen, was nicht mehr trägt. Uns bewusst zu machen, was vielleicht schon lange nicht mehr trägt, auch, wenn wir noch verzweifelt und mit Biss kämpfen, um es zu halten, festzuhalten, zu erhalten.

Der Herbst zeigt uns, wie leicht, natürlich und selbstverständlich es sein kann, die Blätter fallen zu lassen und nackt in der eigenen Essenz dazustehen.

Dunkle Jahreshälfte

Zugleich beginnt mit dem Herbst die Hälfte des Jahreskreises, in der wir eingeladen sind, nach innen zu schauen. Während wir zur Frühlings- und Sommerzeit aktiv und nach außen gewandt sind, viel unternehmen, uns mit Freundinnen und Freunden treffen, an den See fahren (hier am Bodensee :)), draußen sind, laden uns Herbst und Winter zur einer reflektiven, nach innen gewandten Zeit ein: Wir haben die Möglichkeit, Revue passieren zu lassen, was uns das Jahr über begegnet ist, was wir bewegt haben, was uns bewegt hat. Wir gehen nach innen, werden stiller, lassen hochkommen, sich zeigen, was wir im gleißenden Sonnenlicht nicht sehen konnten oder wollten. Und wir erahnen – was im neuen Jahr kommen will, welche Samen aus der Dunkelheit entstehen wollen, um im nächsten Frühjahr gesät zu werden.

Jahreskreisfest Samhain

Das Jahreskreisfest Samhain am 31. Oktober ist eines, dass uns mit dieser dunklen Zeit verbindet. Während wir zur Herbst-Tag-und-Nachtgleiche am 23. September in diesem Jahr die Schwelle zur Dunkelheit überschritten haben – die Nächte wurden nach diesem Datum mit jedem Tag ein Stückweit länger, die Tage kürzer – befinden wir uns jetzt mittendrin, in der dunklen Zeit. Samhain ist das Fest der Ahninnen und Ahnen. Wir gedenken derer, die vor uns gegangen sind. Verbinden uns mit ihnen, erinnern sie. Danken ihnen und können auch um ihre Unterstützung und ihr Geleit für uns und unseren Weg bitten. Es ist eine Zeit, in der, so heißt es, die „Schleier zur Anderswelt“ dünn sind, was es leicht macht, mit ansonsten nicht sichtbaren Wesen zu kommunizieren.

Wenn die Nebel aufziehen

Hier am Bodensee kündigt sich diese Zeit sehr immer durch die Bodenseenebel an. Auch wenn ich selbst ein Stückweit weg vom See lebe, so sind doch auch hier seit einer Woche die Nebel deutlich sichtbar und greifbar. Es heißt, besonders auch durch die Nebel, könnten sich die Wesen, die sich sonst nicht hervortrauen, uns zeigen.
Ritual: Der Ahninnen und Ahnen gedenken

Ein schönes Ritual finde ich, zu Samhain eine Kerze für eine Ahnin oder einen Ahnen anzuzünden und mit anderen Menschen – ob Familie oder Freundinnen und Freunden – zu teilen, was ich an Schönem mit diesem Menschen verbinde und erinnere. Dies kann ein Mensch sein, der in diesem Jahreszyklus gestorben ist oder schon länger tot ist. Das Teilen dieser Geschichten – vielleicht um eine Kerze in der Mitte – trägt für mich eine sehr heilsame, wertschätzende Kraft in sich, die mich zugleich milde stimmt und mit warmem Herzen in die dunkle Zeit gehen lässt.

Wo wir gerade im Jahresrad stehen

Im Jahresrad bewegen wir uns nun bis zum 21. Dezember – der längsten Nacht und dem kürzesten Tag des Jahres – mit jedem Tag mehr auf den Tief- und zugleich Wendepunkt des Jahres hin. Nach dieser Nacht werden die Tage mit jedem Tag wieder ein Stückweit länger und die Nächte kürzer.

Bis es soweit ist, wünsche ich dir von Herzen ein gutes Gehen in diesem Herbst und nahenden Winter.

Schwellenzeiten

Weil mich die Übergänge und Zeitqualitäten im Jahreskreis persönlich wie beruflich so sehr begleiten, habe ich auch ein Video zu ihnen aufgenommen. Hierin spreche ich auch darüber, warum auch die Schwellenzeit – Umbruchzeiten im Leben, in denen das Alte nicht mehr und das Neue noch nicht ist – so sehr verankert ist in dieser Zeit im Jahreskreis. Hier kommst du zu YouTube und kannst dir das Video anschauen. Intensiv beschäftigen wir uns auch in der Ausbildung „Frauenritualkraft – Verbunden mit dem Zyklischen“ mit den Jahreszeitenqualitäten und ihrer Kraft. Mehr zu der Ausbildung, die ich 1-jährig anbiete, findest du hier und hier als Kompaktausbildung.
Wenn du das nächste Jahreskreisfest mit mir und anderen Frauen nahe des Bodensees feiern willst, sei willkommen

Wunderschöne Herbsttage für dich,
 sei gesegnet,
Sabrina.

Sabrina Gundert – Foto Alexandra Stehle

Sabrina Gundert begleitet Menschen dabei, sich zu erinnern, warum sie hergekommen sind auf diese Welt. Denn sie ist sicher: Jede und jeder von uns hat etwas einzubringen in diese Welt. Alte Heilwege, wie das Schreiben, die Stille, das Trommeln, Rituale, das Singen und Tönen, ebenso wie das Verbundensein mit der Natur, begleiten sie und ihre Arbeit. Sie ist mit ihren Angeboten online, telefonisch wie vor Ort am Bodensee tätig. Bücher von ihr: „Auf dem Herzensweg – Lebensgeschichten spiritueller Frauen“, „Hab Mut und geh – Das Herzensweg-Praxisbuch“.
Besonders gerne begleitet sie Menschen auch in Übergangszeiten mit ihrem Angebot der Schwellenzeit (Einzelsitzung), den Seelensitzungen wie den persönlichen Seelenbotschaften. Mehr auf: www.sabrinagundert.de

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Ein Kommentar zu “Jahresrad: Sterbenlassen, was nicht mehr trägt
  1. Avatar Saran Lauwers sagt:

    Danke Sabrina. Alles ändert sich; nix bleibt, wie es ist. Und doch brauche ich auch Beständigkeit, ein Anker. Das von einander zu unterscheiden, ist die GROßE Kunst für mich.
    Dir auch Alles Gute. Es fehlt mir in deinem Video deine persönliche Seite, aber das ist deine Entscheidung. Sie würde es für mich lebendiger machen. Eine neue Stelle habe ich. Ob ich eine neue Beziehung brauche, frage ich mich die ganze Zeit. Mal sehen. Eines Morgens kam mir der Satz: “Was hast du mit dieser Frau?” Und da kam sehr viel und war ich weg bei meinem Mangel-denken!

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