Lebst Du Deine Wahrheit oder einen Irrtum?

Foto: LilliCo

Wußtest Du, dass wer seine Wahrheit lebt, sich kraftoll, lebendig und erfüllt fühlt? Ja, natürlich braucht es eine gute Portion Mut dazu, aber dieses Gefühl der liebevollen Verbundenheit und Klarheit ist grandios.

Wahrheit kann sogar heilen!

Vielleicht kennst Du schon diesen inneren Ruf Deines Herzens nach der tiefen Wahrheit, die in ihm wohnt. Sie will, dass Du sie findest, sie anhörst und lebst. Und genau das bringt Dein Herz zum Singen: Deine innere Wahrheit finden und ins Leben bringen.

Ich möchte Dir Mut machen, Deine innere Wahrheit in Deinem Herzen zu suchen. Vielleicht musst Du ein bisschen graben… Aber es lohnt sich – versprochen!

Meine innere Wahrheit war unter einem Berg von Nicht-Wahrheiten, Irrtümern und fauler Kompromisse verborgen, die ich angehäuft hatte, um dazuzugehören und irgendwie durchzukommen. Ich habe heftig geraucht und auch ganz gerne mal viel Alkohol getrunken, um den ganzen Schmerz nicht fühlen zu müssen, der sich unter diesem Haufen befand. Mitte der 90er habe ich angefangen aufzuräumen und den Berg abzutragen.

Mehr und mehr lebe ich meine Wahrheit und ich fühle die Klarheit und Lebendigkeit und die Erfüllung. Bei diesen Ausgrabungsarbeiten habe ich viel gelernt und erfahren über mich, das Menschsein und das Leben.

Vielleicht ist auch Deine Wahrheit noch teilweise unter alten Irrtümern versteckt?

Irrtümer sind Gedanken und Geschichten, die wir für wahr halten. Vielleicht waren sie mal wahr, sind es aber nicht mehr. Tatsächlich verhindern sie, dass wir unsere tiefe innere Wahrheit wahrnehmen und ausdrücken.

Manchmal sind diese Irrtümer schwere “Familien-Wahrheiten”, die wir bewusst oder unbewusst in unserer Kindheit übernommen haben. Das ist ganz natürlich. Alle diese Irrtümer haben wir angenommen, weil sie mindestens einen Zweck erfüllen: um mit einem Schmerz besser zurecht zukommen, um dazu zu gehören oder einfach weil, es bequem war … oder noch ist.

Die bequemen Irrtümer liefern Dir Ausreden dafür, Dich nicht wirklich mit dem zu konfrontieren, was in Deiner Familie wirklich vorgeht und was das mit Dir zu tun hat. Du kannst natürlich das Wort Familie durch Arbeitsumfeld, Freundeskreis oder auch Welt ersetzen. Dieser Irrtum sagt Dir, dass es besser ist, nicht so viele Fragen zu stellen, nicht genau hinzuschauen und nicht aufzufallen. “Wer unbequem ist, wird ausgeschlossen.” könnte der unbewusste Glaubenssatz dahinter lauten. “Da kann man nix machen!” oder auch “Ich bin eben so, wie ich bin!” sind solche Bequemlichkeitswahrheiten.

Das Blöde an Bequemlichkeit ist aber, sie ist so wenig lebendig und erfüllend.

Wenn Du Dich und Dein Leben wirklich verändern willst, ist die Achtsamkeit gegenüber Deiner Bequemlichkeit ein guter Anfang. “Bequemlichkeit trägt Deine Lebendigkeit zu Grabe.”

Übernommene Familien-Irrtümer sind da schon etwas kniffliger. Ein Beispiel darf ich von Guido, meinem Mann erzählen:

Guido konnte sich nicht so leicht von gewissen Dingen trennen. Er sammelt Schallplatten und selbst wenn er eine Platte doppelt hatte, war da eine Blockade, eine der beiden abzugeben. Irgendwann wurde ihm bewusst, dass er latent ein inneres Warten auf etwas fühlte, ohne auch nur die geringste Idee zu haben, worauf er da wartet.

In einer tiefen Trance-Arbeit erkannte er, dass es sich hier nicht um sein eigenes Warten handelte. Es war das Warten seines Großvaters auf den älteren Bruder, der noch ganz kurz vor dem Ende des zweiten Weltkrieges sein Leben verlor. Es war so, als würde der Bruder in dem Moment sterben, wenn der Großvater das Warten aufgibt.

Ein Irrtum war also: “Erst wenn ich aufhöre zu warten, ist er wirklich tot.”
Das konnte der Großvater nicht zulassen, er musste seinem Bruder unbedingt noch die Bücher zeigen, die er gesammelt hatte. Es fühlte sich so an, als wollte der Großvater unbedingt den Respekt des Bruders durch diese gesammelten Bücher erringen. Der Tod machte dieses Bestreben zunichte. Also ging das Sammeln und Warten weiter.
Der zweite Irrtum war: “Wenn mein Bruder meine Büchersammlung sieht, wird er mich bewundern!”

Guido hatte das Sammeln und Warten (über seinen Vater) vom Großvater übernommen.
Was wirklich wahr ist:
Wer noch wartet, muss nicht trauern.
Wer nicht trauert, läßt nicht los.
Nur wer loslässt, ist frei.

Der Irrtum des Wartens und Nicht-loslassen-Wollens gehörte zum Großvaters und konnte an ihn zurückgehen. Wir besuchten das Grab des Großonkels und zündeten einen Kerze an. In einem Ritual konnten wir dort den inneren Frieden für Guido, seinen Großvater und den gefallenen Bruder initiieren. Das Entschlüsseln der Wahrheit – das Bedürfnis des Großvaters nach der Liebe und Bewunderung des Bruders und die Verweigerung der Trauer – löste Guidos Blockade.

Guido kommt nun immer besser in Kontakt mit seiner eigenen Wahrheit und Kraft. Er hat im letzten Jahr rund 300 Schallplatten losgelassen und fühlt sich befreit und kraftvoll damit.

Wenn alte Familien-Irrtümer aufgelöst werden, entlastet das das ganze System. Wer, der den Irrtum löst, fühlt sich befreit und das Selbstwertgefühl wächst.

Schmerzlindernde Irrtümer können auch falsche Erkenntnisse aus der Kindheit. Hierzu mein Beispiel:

Ich fühlte mich als Kind abgelehnt und nicht zugehörig. Was natürlich auch stimmte. Ich war aus einer Affäre entstanden und meine Mutter zog mich alleine groß. Die Ablehnung in der Familie war immens! Das war wiederum ein großer Stress für meine Mutter, die diesen Stress durchaus auch an mir ausließ.

Ich habe die ganze Situation als übergroßen Schmerz erlebt. Solche tiefen und schlimmen Schmerzen, kann ein Kind nur aushalten, wenn es sich eine Erklärung dafür schafft.
Diese Erklärung – und ein Irrtum – war in meinem Fall: Meine Mutter liebt mich nicht, weil ich nicht vollständig bin. Wenn ich vollständig bin, wird sie mich lieben!

Solche “Erkenntnisse” gehen recht schnell ins Unterbewusstsein und wirken von dort her sehr mächtig, weil sie mit Emotionen aufgeladen sind. Ich suchte also ständig danach, vollständig zu werden. Ziemlich strengend, kann ich Dir sagen!

Erst als ich begriff und erkannte, dass das ein Irrtum war, konnte ich den Schmerz fühlen und erkennen, dass ich vollkommen vollständig bin. Ja, der ursprüngliche Schmerz, den ich vermeiden wollte, war noch immer da. Als Erwachsene war und bin ich aber in der Lage ihn zu fühlen. Als Kind dachte ich, er könne mich umbringen.

Heute weiß ich, dass alte Gefühle einfach nur anerkannt und gefühlt werden wollen, dann können sie gehen. Selbst wenn sie von Zeit zu Zeit wiederkommen, weiß ich, dass sie wieder gehen werden, wenn ich sie würdige und meine Wahrheit jeden Tag neu entdecke und lebe.

Eine Wahrheit ist, ich liebe meine Mutter und wünsche mir, dass es ihr gut geht. Ich weiß, dass dies nicht in meiner Macht liegt. Ich kann ihr gelegentlich eine Freude bereiten, ob sie sie annimmt, liegt ebenfalls nicht in meiner Hand.

Ich kann die Liebe meiner Mutter nun annehmen, wie sie ist. Das macht mich frei.

Nach dem ich diesen Irrtum erkannt hatte, ist etwas in mir zur Ruhe gekommen. Die Wahrheit hat auch meine Beziehung zu Guido verändert. Ich fühle meine Liebe zu ihm anders und seine Liebe zu mir viel tiefer annehmen. Meine innere Klarheit und Selbstsicherheit läßt mich jetzt kraftvolle und klare Entscheidungen treffen. Ich fühle mich vollständig und frei.

Fazit:
Nicht jede “Wahrheit” ist Deine Wahrheit.
Unter den Irrtümern, die Du glaubst, wartet Deine wirkliche innere Wahrheit.
Deine innere Wahrheit kannst nur Du wahrnehmen und ins Leben bringen.
Deine innere Wahrheit zu leben, wird vielleicht nicht gerade bequem sein, dafür sehr lebendig und erfüllend.

Je mehr Deiner Irrtümer Du auflöst, umso klarer nimmst Du Deine innere Wahrheit wahr und kannst sie ins Leben bringen. Dein Leben wird kraftvoll und das fühlt sich großartig an!

Herzgrüße & Elfenglitzer°° zu Dir
LilliCo

Posted in Kolumne
3 Kommentare zu “Lebst Du Deine Wahrheit oder einen Irrtum?
  1. Liebe LilliCo,

    vielen Dank für diesen wundervollen Beitrag, in dem ich für mich viel Wahrheit finde. Vor allem in diesen drei Sätzen:

    „Wer noch wartet, muss nicht trauern.
    Wer nicht trauert, lässt nicht los.
    Nur wer loslässt, ist frei.“

    Ich bin und bleibe meiner Wahrheit auf der Spur…
    Johanna

  2. Avatar Anmaka sagt:

    Guten Morgen,
    Vielen DANK für die vielen aufschlussreichen Worte/Sätze…
    Inhaltlich, griff einiges was Sie schreiben, tief in mein System hinein – d.h, ich war davon sehr angetan und konnte ALLES sehr gut nach-empfinden.. Ihre Formulierung ist sehr leicht verständlich…Schön, wie wundervoll und klar Sie ALLES auf einen Nenner setzen konnten…
    Liebe Grüße

  3. Avatar Björn S. sagt:

    Ich bedanke mich für diesen tollen, vor allem so lebensnahen Text. Love it!

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