Buchtipp: Der Gesang der Flusskrebse

Können Flusskrebse singen? Nachdem ich dieses großartig sinnliche Buch gelesen habe, ist alles vorstellbar. Autorin Delia Owens schreibt dazu:

Rein wissenschaftlich-technisch können Flusskrebse nicht singen. Ich habe jedoch eigene Studien betrieben. Ich habe dabei Folgendes herausgefunden: Als erstes musst du – ganz alleine – ein einfaches Lager in der echten Wildnis aufschlagen. Also an einem Ort, weit weg von Straßen oder Dörfern. Kein Park, sondern ein abgelegenes, wildes Fleckchen Land voller irdischer Kreaturen. Bei Beginn der Dämmerung musst du tief in den Wald hineinlaufen. Dort stehst du ungeschützt und ganz alleine, während sich die Dunkelheit um dich legt. Wenn du fühlen kannst, wie der Planet unter deinen Füßen und die Bäume um dich herum sich bewegen, musst du mit offenen Ohren zuhören – und ich verspreche, du wirst die Flusskrebse singen hören. Und tatsächlich wird es ein ganzer Chor sein.

Und wirklich öffnet uns der Roman die Türen mit allen Sinnen in das wilde Küsten-Marschland in North Carolina. In einem Satz heißt es „Kya legte ihre Hand auf die atmende nasse Erde, und die Marsch wurde ihr zur Mutter“. Nachdem ihre Familie sie verlassen hat, kann Kya nur noch von der Natur etwas über das Leben lernen. Durch ihre Beobachtung der Krähen lernt Kya, Muscheln zu ernten. Unehrlichkeit begegnet ihr bei den Signalen der Glühwürmchen Loyalität und Freundschaft bei den Möwen.

Leseprobe: Marschland ist nicht gleich Sumpf. Marschland ist ein Ort des Lichts, wo Gras in Wasser wächst und Wasser in den Himmel fließt. Träge Bäche mäandern, tragen die Sonnenkugel mit sich zum Meer, und langbeinige Vögel erheben sich mit unerwarteter Anmut – als wären sie nicht fürs Fliegen geschaffen – vor dem Getöse Tausender Schneegänse.

Doch auch im Marschland schleicht sich hier und da echter Sumpf in tief liegende Moore, verborgen in feuchtkalten Wäldern. Sumpfwasser ist still und dunkel, hat das Licht mit seinem schlammigen Schlund verschluckt. Selbst nachtaktive Regenwürmer kriechen in diesem Refugium tagsüber umher. Es gibt Geräusche, natürlich, aber verglichen mit der Marsch, ist der Sumpf still, denn Verwesung ist ein zelluläres Geschäft. Leben zerfällt und stinkt und wird erneut zu Humus; ein elender Schlamm des Todes, der Leben erzeugt.

Die wundersame Geschichte des Marschmädchens, dass 1960er Jahren alleine groß werden muss und ein selbstbestimmtes Leben in der Natur lebt, dass sie sich auch nicht von einem Mann nehmen lässt. Bezaubernd, spannend und überraschend bis zu letzten Seite. Hier bestellen.

Delia Owens, geboren in Georgia, lebt auf einer Ranch in Idaho. Über zwanzig Jahre erforschte die Zoologin in verschiedenen afrikanischen Ländern Elefanten, Löwen und Hyänen. Als Kind verlebte Owens die Sommerurlaube mit ihren Eltern in North Carolina, wo auch ihr Romandebüt spielt. Hier zur Webseite.

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