Geräuschlos wortlos

Heute ist das Ende der fünften Woche meiner frei gewählten Stille. In der zweiten Dezember-Woche hatte ich begonnen, alles herunterzufahren. Alles, was nicht lebensnotwendig war, zu stoppen. Um zu schauen, was passiert. Mit mir und dem trubeligen Jahr, das hinter mir lag. Ich wollte es abschließen, dieses Kapitel, nein dieses Buch, das sich mit dem Jahresende von 2025 schloss und in der zweiten Jänner-Woche wieder vollumfänglich rauskommen.
Manche würden es Isolation nennen. Ich nenne es stille Leere oder leere Stille. Es war gar nicht still. Weder in mir noch um mich. Und gleichzeitig war es so still wie noch nie in meinem Leben. Ich gehe seit vielen Jahren regelmäßig in die Stille, ins Schweigen über mehrere Tage, ohne Internet und ohne Handy. Diese Tage haben sich im Lauf der Zeit verändert. Anfangs liefen sie immer gleich ab, allerdings an einem bestimmten Punkt in der Zeit hat sich geändert, was da in mir im stillen Schweigen passiert.
Schweigender Stillstand im Außen – Gemütliches Wachstum im Innen
Nach und nach nahm ich die stille Energie des Schweigens mit in mein Leben danach. Wie friedvoll und wundervoll es sich anfühlte. Jedes einzelne Mal. Irgendwie ging es dennoch immer wieder im Trubel der Welt verloren. Dieses Mal hatte ich kein Schweigen geplant, keine komplette Internet- und Telefonabstinenz. Ich hatte gar keinen Plan außer: Mein Leben steht still für 5 Wochen und gleichzeitig nicht. Im Außen stand es fast komplett still, allerdings im Innen war es wohlig lebendig. So lebendig, dass sich vor ein paar Tagen in der Weite eines winterlichen Spaziergangs die Stille vor mir ausbreitet wie ein zarter Teppich ohne Geräusche, in den ich eingehüllt wurde. Meine Hündin blieb stehen und ich mit ihr. Und da war nichts. Kein Geräusch. Der Wald war ruhig, kein Tier, kein Auto, kein Knistern im Unterholz. Nichts. Wir standen da, 5 Minuten, 10 Minuten, in der Leere des Lebens, die sich unbeschrieben vor uns ausbreitete.
Irgendwo ist immer ein Geräusch. Zumindest nach ein paar Sekunden. Da war nichts. Rein gar nichts. Dieses unbeschriebene weiße Blatt, das wir sind, sobald wir auf die Erde kommen, hatte sich mir gezeigt und mich das neue Buch meines Lebens öffnen lassen. Unbeschrieben.
Wortlos geräuschlos
Es hat sich etwas verändert. In mir für das es (noch) keine Worte gibt. Ich mag auch nicht mehr sprechen. Nicht mehr sprechen über Belangloses, nicht mehr schreiben über Unwichtiges, mich nicht mehr in einer Sprache der Angst hörbar machen. Über Jahre habe ich vom Feld der Kriegssprache in das Feld der Sprache der Liebe gewechselt. Es war ein bewusstes, langwieriges Training. Jedes Mal, wenn mir so ein Wort, das ich automatisch verwende, das eine Energie der Angst, des Krieges trägt, ausspreche oder daran denke, programmiere ich meine Sprache um und nutze ein anderes aus der Frequenz der Liebe. Und es kommen immer wieder solche Worte, die verletzen, obwohl wir etwas Schönes mitteilen möchten. Sie wurden mir von Kindesbeinen an beigebracht und sind überall um mich herum.
Ich bekomme, ich kriege nicht, ich schreibe Mitteilungen und keine Nach-richten, ich freue mich fassbar, genial und nicht mordsmäßig.
Was willst du mit deinen Worten säen?
Ich entscheide mich für Vertrauen, für Frieden, für Liebe und wenn ich mal was zum Kotzen finde, dann formuliere ich es genauso. Es ist ein Unterschied, ob wir etwas Bombe finden oder wundervoll.
In der Stille hat sich gezeigt, dass ich müde bin, müde von Konversationen, die sich permanent im Feld der Angst- und Kriegssprache bewegen. Manchmal zuckt es wie ein kleiner Messerstich in mich, wenn jemand sagt „ich kriege nicht genug Zeit für mich“, „ich freu‘ mich mordsmäßig mit dir“, „ich fühl‘ mich wie tot“.
Ich bin müde, mich in Feldern zu bewegen, die behaupten, sie seien bewusst.
Ich bin müde von Feldern, die das Gegenteil sagen von dem, was sie meinen. Und damit Angst, Ablehnung, Kontrolle und Krieg in sich und in der Welt am Laufen halten.
Ich bin müde von Feldern, die behaupten, Worte haben Energie und wir gestalten unsere Welt durch unsere Worte und Handlungen und gleichzeitig sind die Blumen am Wegesrand ihrer Welt brutal schön und sie kämpfen in ihrer Arbeit an vorderster Front.






Liebe Svenja …… die Stille erzählt mir selbiges … deine wunderbaren Gedanken sprechen mir aus der Seele …meines Herzens Dank … sie lassen mich tiefe Verbundenheit spüren … Namaste