Wie ein Fisch im Ysop

Nein, nein, ich spreche nicht von einem mittelalterlichen Gericht. Ich spreche von den Frühlingsbrisen, von dem zart erwachenden Ysop und meinem Lebensgefühl an der Schwelle zu einem frischen Gartenjahr.
Jeder Mensch, der einen Garten hat, kennt diese Unruhe, die angenehm lebendig aufsteigt, wenn es eigentlich noch viel zu früh ist, auf die tauende Erde der Beete zu treten oder erste Samen und Zwiebeln zu stecken. Die Natur kommt in Bewegung, Erde, Bäume, Tiere beginnen zu rascheln, zu knacken, zu mürben, die Mykorrhiza erwacht und zieht das gehaltvolle Laub in die Erde, bereitet ein sattes Bett für die zarten, weißen Wurzelhaare, die sich bald in alle Richtungen ausbreiten werden.
Das ist die Zeit der Fische, das letzte Sonnenzeichen im Zodiak, die es lieben, sich mit geschlossenen Augen auszudehnen, die das Werdende spüren, noch bevor es sichtbar ist, die alles und jedes berühren mit ihren zarten Antennen und das kosmische Einatmen mühelos mitvollziehen.
Und der Spirit in meinem Garten, der diese Bewegung, dieses kosmische Schwingen und Rauschen wunderbar verkörpert, das ist der Ysop.
Mit seinem moosbewachsenen Holzfuß und seinen starren, noch von trockenem Laub besetzen Ärmchen ist er längst aufgewacht, lässt er die Säfte längst ins fasrige Holz steigen, zeigt mit winzigen dunkelgrünen Pünktchen an seinen dürren Ästchen die ersten Blattknospen.
Dieses Wesen, das wie alle Heilkräuter in meinen Gärten vorrangig eine Sonnensignatur trägt, hat auch ein klein wenig von neptunischer Energie, ein waches Hinauswachsen in die feinstofflichen Sphären, etwas Belichtendes und Fließendes.
Für die Kontaktaufnahme zu den feineren Ebenen und Informationen, für das Empfangen lichtvoller Impulse ist er das rechte Kraut.
Mit ihm verbringe ich jedes Jahr die allererste Zeit in den Gärten, lasse mich von ihm verfeinern und öffnen und in den webenden Strom des Frühjahrs ziehen. Und während ich dort zwischen all den holzigen, mittlerweile uralten Ysopstauden hocke, das allzu feuchte Moos von den Füßchen nehme, die Erde anhäufle, Verwachsungen entferne, hüllt er mich ein mit dieser Qualität der Allverbundenheit und Lichtheit.
Ich erinnere mich, wie mein Hausarzt mich damals bat, ihm noch mehr Fläschchen vom Ysop-Destillat für seine Patienten zu bringen, weil es angeblich gegen Depressionen helfe. Das überraschte mich, doch mit einem Blick auf die Wandlungsphase, der der Ysop im System der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) angehört, konnte ich das gut nachvollziehen:
In der TCM ist der Ysop dem Wind-/Holzelement zugeordnet. Damit steht er für einen Effekt, der aufrichtet, sich ausdehnt und Materie zu Geist verwandelt. Die alten Chinesen sahen in dieser Wandlungsphase der Fünf-Elemente-Lehre die Frühlingsenergie selbst, die erneuert und verfeinert und in Bewegung bringt. Leber und Galle werden aktiviert, erneuern, filtern, verfeinern. Im fünfgliedrigen Zyklus der Wandlungsphasen steht das Holz-/Windelement dem Metallelement gegenüber, bildet die Ko-Energie, das Komplementär zum Holzelement. Ein Ungleichgewicht im verdichtenden, materialisierenden und formgebenden Metallelement kann sich in Schwere, Enge, Erstarrung ausdrücken. Heute nennt man es „Depression“.
Also gut nachvollziehbar, dass der naturheilkundlich interessierte Arzt auf diesen Zusammenhang kam und mehr vom Ysop-Destillat in die Welt gebracht hat.
Doch ganz grundsätzlich ist sein zitronig-herbes Aroma, das von Campher geprägt ist, einfach ein Impuls zur Klärung und Verfeinerung, vor allem im Kopfbereich und auf der Ebene von Hellsicht und Intuition.
Und genau deshalb fühlt sich meine Fischeseele so wohl bei und mit ihm. Er ist einfach wie eine magische Antenne, hinauf, hinaus in die Weite des Seins, eine elektrische Brücke zwischen all den feinen Fäden des Lebendigen, an denen ich mich laben kann in Freiheit und in Leichtigkeit.
Wenn Du das detaillierte Pflanzenprofil zum Ysop noch einmal nachlesen willst, findest Du es hier.






… und wieder eine Fischeseele hier … 🙂
Danke Evelin, für Deine so wohltuenden Gedanken zu Ysop und Fisch.
Unterfränkische Fische-Grüße zu Dir <3
Gerne und Danke ! Kennst Du den Ysop ? HAst Du Dich schon mal zu ihm gesetzt, wenn er blüht ? … Himmel !