Der Frühling und der Tod

Lesezeit 4 Minuten –

Wenn ich mit meinem Herzensthema auf Menschen zugehe und es geht um die Frage, wann im Jahr die Veröffentlichung sein soll, wann im Jahr der Kurs stattfinden soll, dann ist für die meisten der Herbst, der November die richtig Zeit, wenn die Natur uns genau davon erzählt, vom Vergehen, vom Sterben, wir es mit allen Sinnen fühlen können.

Frühling scheint nicht die passende Zeit zu sein, wenn das aufbrechende  Grün uns zittern lässt vor Verheißung, jede Knospe von der Schönheit der Blüte erzählt, die dicken Hummeln Frühlingslieder brummen und überall die Lämmer durch die Löwenzahnwiesen hüpfen und von der Zukunft erzählen und wir selber Pläne schmieden für den Sommer.

Ich fühle mich immer wieder gesegnet, dass der Tod und das Sterben im ganzen Jahr ein Teil meines Lebens als Schwellenhüterin ist, als Seelenhebamme am Ende des Lebens, bei der Sterbe- und Trauerbegleitung ist.

Denn genauso wenig wie er nach dem Alter fragt, auch wenn wir so leben als wäre es so, fragt er nach der Jahreszeit.

Im Frühling erzählt er mir, wenn diese Schönheit und Zartheit , die ich draußen finde, fast mein Herz sprengt,  mit jedem Duft, der meine Nase erreicht: „Atme ihn ein als wäre es das letzte Mal“,  mit jeder Blüte, die sich mir zeigt: „ Staune über die Vollkommenheit dieses Wunders, als wäre es das erste Mal“, und mit jedem Sonnenstrahl, der endlich wieder die Haut um die Knochen erreicht: “Lass dich heute bis auf die Kochen wärmen, du weißt nicht, was morgen ist.“

Nicht immer höre ich auf meinen Freund, aber immer öfter, und wenn ich das tue, bin ich sehr glücklich.

Und so wage ich es auch, hier von einer der berührendsten Sterbebegleitungen zu erzählen, die ich bis heute erleben durfte.

Eine Frau stand mit 68 in der zweiten Hälfte ihres Lebens, was sie sehr mit ihren drei Enkeltöchtern, ihrer ganzen Familie genossen hat. Sie hatte noch so viele Pläne. Dann kam die Diagnose aus heiterem Himmel: Krebs im Endstadium – eine palliative Chemotherapie könnte evtl. ein paar Wochen mehr Lebenszeit geben. Sie hatte ihr ganzes Leben eine riesige Angst genau davor, die Angst vor Krebs hat ihr Leben fest im Griff gehabt, und über Tod und Sterben durfte nie gesprochen werden.

Soviel Angst, das war keine besonders günstige Ausgangsposition. Die Tochter hatte mich im Geburtsvorbereitungskurs kennen gelernt und in die Familie geholt für die Begleitung.

Auch das war besonders für mich, dass es für die Familie so klar war, dass ich wie die Hebamme bei den Geburten der Enkel jetzt an ihrer Seite bin in allem, bei der Geburt in die andere Welt.

Wir haben bei der Frage, wohin die Reise gehen könnte, von den Geburten erzählt, ich habe sie an ihre Kraft erinnert, mit der sie ihre Tochter alleine ins Leben begleitet hat, und der großen Angst haben wir eine Liebe hinzugefügt, die über alle Grenzen geht, auch über die Schwelle des Todes.

Sechs Wochen nach der Diagnose hat sie die Welten gewechselt und dieses Sterben war so schön, dass es dafür keine Worte gibt. Aber was auf jeden Fall für mich spürbar war, dass in der Sterbestunde keine Angst mehr im Raum war. Ein Erstaunen konnte ich fühlen, was da jetzt geschieht und so viel Hingabe.

Es war so groß, dass auch ich zum ersten Mal das Bedürfnis hatte, das Fenster zu öffnen, nicht um die Seele raus zu lassen, das dauert nach meinem Spüren etwas länger sondern um den Raum zu öffnen, damit das Große sich weiter ausdehnen kann. Und die Gestorbene – sie hat geleuchtet.

So dankbar bin ich für dieses Geschenk, und ich möchte es deshalb mit dir teilen. Vielleicht  atmest du diesen wunderbaren Frühling tiefer in dein Herz und erlaubst, dass es sich noch mehr für die Schönheit des Lebens öffnet. Oder du machst dich auf den Weg und begegnest deiner Angst vor dem Sterben und dem Tod, deinem oder dem deiner Liebsten.

Und bestell bitte den dicken Frühlingsbotenhummeln einen Gruß von mir.

Von Herzen Basilissa

Das Herz für den Tod öffnen – Koffer packen für die letzte Reise. Gerade bin ich auf dem Weg dorthin.  Es gibt dieses Jahr noch 3 Möglichkeiten und auch 2027 Termine gibt es schon, schau mal auf meine Webseite. https://lichtschwelle.com/termine/zu-abschied-tod-und-sterben/

Sharing is caring 🧡
Basilissa Jessberger
Basilissa Jessberger

Basilissa Jessberger lädt ein, sich ganz auf den Tod einzulassen, nicht als Gedanken, als Möglichkeit, sondern wirklich das Herz zu öffnen für die eigene Endlichkeit und die der Herzensmenschen. Dabei werden alle Ebenen berührt und erforscht, die emotionale, weil es um Liebe geht, die praktische, weil das Sterben auch den Körper, den Sterbeort und die Totensorge, und die spirituelle, weil die Seele auch zu dieser Erfahrung bereit ist. Mit praktischen Übungen, Meditationen und Informationen können wir ganz konkret den Koffer packen, denn wir wissen ja alle nicht, wann es losgeht. Und so ist es ein Seminar auch für das Leben, es in seiner Kostbarkeit jetzt zu leben. Am 14.6. im Yoginome ein Seelentag. Seminar und Ausbildungstermine unter www.lichtschwelle.com

2 Kommentare

  1. ….einmal mehr, liebe Basilissa, fühle ich mich reich beschenkt und ermutigt von Deinem Teilen Deiner Erfahrungen…..wie berührend, daß die „Abreise“ jener Dame so liebevoll und gut behütet miteinander erlebbar wurde….Danke für Dein wertvolles Wirken…..an diesen wesentlichen Schwellen…..

    von Herzen einen feinen Frühling für Dich und uns alle in dieser Runde,
    Dagmar

  2. Dank dir für dies Teilen, Basilissa Hebamme! Durfte in diesem Leben schon drei Herzensmenschenfrauen begleiten in ihrem Übergang. Im Loslassen ihres Körpers und dem sich hinein Gebären und Anvertrauen ins größere ALL-überall. Kostbares Erleben. Lebensweitendes Glück. Ich freu mich, dass wir diese alten Fäden wieder aufnehmen und das Gewebe des menscheLebens und unseres größeren Seins in unsere Herzen nehmen. Und wahr und da sein lassen. Danke Dir fürs newslichtern und alles! Wärmt mich und erInnert mich. So so kostbar! Frühlingsatmen weitet sich in mir.

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