Eine Reise für Heldinnen: Wegweiser für den Wandel

Lesezeit 3 Minuten –

Neue Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Doch Neuland zu betreten, bedeutet immer ein Stück Sicherheit aufzugeben. Ich kenne vielleicht das Ziel, aber ich weiß nicht, was mich auf dem Weg dorthin erwartet und ob ich das Ziel überhaupt erreiche. Und es gibt immer etwas zu verlieren, viel schlimmer noch: Ich könnte scheitern. Deshalb überhören wir den Ruf nach Veränderung oft lange. Manchmal zwingt uns das Leben selbst zur Veränderung, durch den Verlust des Arbeitsplatzes, das Ende einer Beziehung oder auch eine Krankheit. 

So steht am Anfang eines Neubeginns oft eine Krise. Das Alte trägt nicht mehr, das Neue ist noch nicht da. Wie schön wäre es, wenn es eine Landkarte gebe, die uns zeigt, wie unser Weg verläuft und uns im Übergang vom Alten zum Neuen Orientierung gibt. Eine solche innere Landkarte bietet das Modell der Heldenreise. Es geht auf den Literaturwissenschaftler Joseph Campbell zurück, an dem sich bis heute Roman- und Drehbuchautoren bei der Entwicklung von Geschichten orientieren. Seine Kraft liegt darin, dass es eine zutiefst menschliche Erfahrung beschreibt: den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und Stabilität und der Sehnsucht nach Freiheit und Veränderung.

Ohne Krise kein Held

Jede Heldenreise beginnt mit einer Krise, denn ohne Krise kein Held. Der Held oder die Heldin wird aus ihrer gewohnten Welt geworfen und muss sich neuen Herausforderungen und schweren Prüfungen stellen. Am Anfang ist die Figur alles andere als heldenhaft. Doch am Ziel der Reise geht die Figur gewandelt hervor, hat vielleicht einen „Schatz“ gefunden, doch vor allem: Sie ist über sich hinausgewachsen. In zehn bis zwölf Stationen macht die Heldenreise den Prozess der Veränderung anschaulich. Sie hilft uns, die eigene Entwicklungsreise aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten. Viele persönliche Heldenreisen enden allerdings schon an der zweiten Station: der Weigerung. Der Held zögert. Zweifel und Ängste halten ihn davon ab, dem Ruf zu folgen. Er zieht sich in seine vertraute Welt zurück. Wer Widerstände und Zweifel als Teil der Reise begreift, hat praktisch schon den zweiten Schritt der Veränderung gemeistert. Erst wenn Zweifel und Ängste in den Blick genommen werden, kann der nächste Schritt erfolgen. Das macht die Heldenreise zu einem wertvollen Werkzeug für die Prozessbegleitung.

Wandercoaching als Übergangsritual

Verbindet man die innere Landkarte der Heldenreise mit einer tatsächlichen Wanderung, entsteht ein kraftvolles Übergangsritual – ähnlich einer Pilgerreise. Eine Pilgerfahrt ist im Grunde nichts anderes als eine Heldenreise, bei der Menschen ihre gewohnte Welt verlassen, um völlig neue Erfahrungen im Innen wie im Außen zu machen und schließlich als „neuer Mensch“ in den Alltag zurückzukehren. Deshalb nutze ich das Heldenreise-Modell von Campbell gerne in meiner Arbeit als Wandercoach. Das Wandercoaching für Heldinnen ist eine begleitete Pilgerreise zu sich selbst. Es setzt Wandel in Bewegung, indem es buchstäblich ins Gehen bringt. Die Reise im Außen steht symbolisch für den Weg im Innen. Im Gehen entstehen neue Gedanken, neue Perspektiven und neue Möglichkeiten. Schritt für Schritt führt die Reise durch den Nebel der Unsicherheit vom Alten zum Neuen. Pferde begleiten die Teilnehmerinnen dabei als Gefährten. Sie reagieren unmittelbar, spiegeln innere Haltungen und können auf ihre stille Weise zu Mentoren werden. So wird das Wandercoaching zu einer Heldinnenreise zu sich selbst – und zu einem Wegweiser durch den Wandel.

Nächster Termin: 18. bis 20.9. in Kooperation mit Isabel Meissner, Wandelraum Chiemgau, www.wandelraum-chiemgau.de

Über die Autorin: Katharina Krenn ist Natur- und Wandercoach, systemische Prozessbegleiterin und Achtsamkeitstrainerin. Ihr Arbeitsraum ist die Natur. Mehr: www.naturpfad-coaching.de 

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Isabel Meissner
Isabel Meissner

WandelRaum gGmbH ist ein Ort für Wachstum, Heilung und Verbindung. Wir unterstützen Menschen auf ihrem individuellen Weg in ihre Kraft, Gesundheit und Potenzial. Ein ganzheitlicher Ansatz für Körper, Geist und Seele bringt ins Gleichgewicht auf allen Ebenen. Schwerpunkte unseres multidisziplinären Teams sind Kunst,- Musik,- und körpertherapeutische Begleitung sowie Prozessbegleitung mit Pferden und der Natur. Neben Gruppenangeboten bieten wir ein- bis mehrwöchige Aufenthalte mit therapeutischer Begleitung für Menschen in Krisen, belastenden Lebenssituationen, psychosomatischen Beschwerden an. https://www.wandelraum-chiemgau.de

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