Raumverwaltung

Lesezeit 2 Minuten –

Bei einer Hausbesichtigung kommt der Herr des Hauses, nachdem wir mit seiner Frau das Haus besichtigt haben im Garten auf uns zu.

Ich fühle sie und ich fühle mich, ich fühle die Energie des Menschen und ich nehme wahr, wie er unseren Raum betritt.

Bitte Abstand halten, sie hat Angst, sie fühlt sich unwohl, sage ich, während ich die Energie als immer unangenehmer wahrnehme.

Stopp sage ich und er bleibt viel zu knapp vor uns stehen. In unserem Raum. Sie verspannt sich. Seine Frau versucht zu erklären. Ich setze eine verbale Grenze nach der anderen, bis der Mann 1,5 Schritte zurückgeht, sie anstarrt, während ich sage, bitte sie einfach ignorieren. Er schaut mich an und sagt kurz etwas und schon hat er sich vor sie hingehockerlt und lockt sie mit Stimme und Körper. Ich setze erneut eine verbale Grenze und ebenso seine Frau. So halb kommt es an, während ich sage, wir kommen nicht zusammen, weil ich keinen Rasen gieße, wenn der Regen ausbleibt.

Das nächste Mal trägt sie zu ihrer Sicherheit einen Maulkorb, um sie vor übergriffigen Menschen zu schützen, die in ihren und meinen Raum eindringen und respektlos darin rumtrampeln.
Das nächste Mal, wenn jemand die Grenzen meiner Hündin und damit auch meine überschreitet, trägt sie einen Maulkorb, damit ich sie schützen kann mit allem, was ich habe. Und der Mensch, der unsere Grenzen missachtet, wird sich wünschen 38 kg Hund, anstatt 62 kg Mensch, würden ihm zeigen, was Raumverwaltung und Grenzen akzeptieren heißt.  

Ich werde meine Hündin schützen. Immer.

Dabei frage ich mich, wie viele Konflikte zwischen Menschen ausbleiben würden, wenn wir wieder lernen würden, Grenzen wahrzunehmen und zu respektieren, bevor sie verteidigt werden müssen.

Jeder Mensch trägt einen unsichtbaren Raum mit sich.

Betreten wir ihn achtsam oder übergriffig?

Viele liebe Grüße zu dir,
Svenja

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Svenja Yvonne Reithner
Svenja Yvonne Reithner

Ich erschaffe Räume des Erlebens, in denen du deine Lebendigkeit auf körperlicher,geistiger und seelischer Ebene wiederentdecken kannst und herausfindest, was es für dich bedeutet, lebendig Mensch zu sein. Diese Räume sind leise, laut lachend, meditativ, kreativ, Natur- und Tierverbunden und ermöglichen dir, dich als Mensch zu erden und dich mit deiner Seele und dem Leben zu verbinden. https://www.lebendigmenschsein.jetzt

8 Kommentare

  1. Liebe Svenja, du sprichst mir aus der Seele…
    Ich begleite einen sehr unsicheren Hund, leider sehr niedlich anzuschauen und somit anziehend für Menschen. ICH setze deutliche Grenzen für ihn, weil seine Grenzsetzung so fein ist, dass Menschen sie oft nicht wahrnehmen. Ich überlege mit ihm das Maulkorbtragen zu trainieren, damit die Menschen abgeschreckt werden und endlich fern bleiben.
    Viele Menschen sind so übergriffig, auch bei ihrer eigenen Art. Wann hört das endlich auf?

    • Liebe Astrid,
      ich fühle dich. Es ist bei uns ähnlich. Meine Hündin sieht trotz ihrer Größe und Farbe freundlich und friedlich aus. Das ist sie auch außer bei gewissen Verhaltensweisen und Energien.
      Und weil ich diese Muster und Ängste etc. kenne, setze ich Grenzen, was für andere so schwer zu verstehen ist.
      Wir alle wachsen daran, wenn wir es annehmen.
      Viel Erfolg beim Maulkorbtraining 🙂

  2. Liebe Svenja,
    als Mensch mit zwei Pudeldamen sprichst du mir aus der Seele. Ich lerne mit jeder Begegnung mehr darüber, Grenzen zu setzen und zu verteidigen. Manchmal gelingt es mir, viel zu oft noch nicht – erstarrt darüber, wie wenig Grenzen wahrgenommen und respektiert werden.
    Danke für deine deutlichen Worte!

    • Oh ja, liebe Laura, ich lerne genau das, was du mit deinen Pudeldamen lernst, mit meiner immer noch reaktiven Hündin. Und ich dachte schon, ich kann Grenzen setzen, zu meinen Bedürfnissen stehen und Nein sagen 🙂

  3. Liebe Svenja
    Ein Perspektivenwechsel: Wer war da in wessen Raum…?
    Der Mann weiss, dass Besuch in seinem Garten wartet. Er möchte in Kontakt gehen und merkt, dass die Frau es nicht möchte. Dann versucht er es mit dem Hund. Er kniet sich nieder, auf Augenhöhe.
    Er kommt nicht durch. Die Frau fordert ihn in seinem Garten immer wieder auf, einen Schritt zurück zu gehen. Er ist irritiert. Dann sagt sie auch noch, dass sie seinen Rasen bei Trockenheit lieber verdorren lassen würde, statt zu wässern.
    Wir kommen nicht zusammen, denkt er sich, während sie es ausspricht.

    • Liebe Michelle,
      Danke für deine Geschichte und deine Interpretation meiner Erzählung.
      Ein „Nein“ ist ein Nein. Und ebenso ein „Stopp“. Beides sind vollständige Sätze, über die es nichts zu verhandeln gibt.
      Mich würde interessieren, wie du dieselbe Situation interpretieren würdest, wenn an meiner Hand kein Hund gewesen wäre, sondern ein dreijähriges Mädchen, dessen Grenzen von einem erwachsenen Mann mehrfach überschritten worden wären.
      Ja, es war sein Garten. Persönlicher Raum ist jedoch nicht an Grundstücksgrenzen gebunden. Auch auf meinem Grundstück respektiere ich die körperlichen und emotionalen Grenzen anderer Lebewesen.
      Genau darum ging es in meinem Artikel. Nicht darum, wem der Garten gehört, sondern darum, wie wir mit den persönlichen Grenzen anderer umgehen, wenn sie klar (in dem Fall von meiner Hündin mit Rute klemmen, ducken, steif werden und von mir und der Ehefrau verbal) kommuniziert werden.

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