Emma geht

Nach 50 Jahren endet eine Ära in der Medienwelt. Das politische Magazin Emma von Alice Schwarzer erscheint im Dezember zum letzten Mal. Auch wenn frau nicht immer mit Alice einverstanden wahr, ist der Verändeurngsbeitrag dieses streitbaren Magazins unbedingt zu würdigen. Danke für den großen Mut, die unerschütterliche Kraft und den revultionären Geist!
Die Pressemitteilung im Wortlaut
Nach 50 Jahren und 398 Ausgaben mit 36.584 Seiten verlässt EMMA die Bühne. EMMA ist weltweit das letzte und einzige professionelle Publikumsmagazin am Kiosk in Feministinnenhand.
Die kommende Ausgabe, die ab dem 27. Oktober am Kiosk sein wird, ist die vorletzte. Die Ausgabe vom 8. Dezember wird die letzte sein. In dieser doppelt so umfangreichen Jubiläumsausgabe zum 50. Jahr ziehen wir Bilanz mit unseren 50 wichtigsten Themen.

Als die erste EMMA am 26. Januar 1977 erschien, war der Spott groß und attestierten ihr die lieben KollegInnen, es werde höchstens noch eine zweite Ausgabe geben und dann wäre Schluss mit EMMA. Es wurden 398 Ausgaben (inklusive acht Sonderbände). In diesem halben Jahrhundert hat EMMA Deutschland ein Stück verändert. Sie hat das Bewusstsein von Frauen wie Männern beeinflusst, bei LeserInnen wie Nicht-LeserInnen. Sie hat informiert, aufgeklärt, analysiert und provoziert. Sie hat Debatten angestoßen, Gesetze geprägt und Menschen ermutigt. Rebellische Mädchen wurden ab 1977 auf dem Schulhof gerne Emma (oder Alice) genannt.
Nur zwei der vielen Themen, die EMMA geprägt und über die sie jahre- oder gar jahrzehntelang quasi alleine berichtete, seien genannt: der Missbrauch von Kindern, ab 1978; und der Islamismus, ab 1979 (nach der Machtergreifung Khomeinis), ab 1985 auch mitten in Deutschland. Auf zahlreiche weitere Themen – wie zum Beispiel das Ehegattensplitting, der Brustkrebs oder die Genitalverstümmelung – wurden die Medien oft erst aufmerksam durch die Veröffentlichungen in EMMA.
Unabhängig von ihren Themen ist bereits die reine Existenz von EMMA medienpolitisch ein Phänomen. EMMA ist die Gründung einer Journalistin und blieb bis zuletzt in ihrer Hand. Sie war nicht profit-, sondern politikorientiert. So blieb das Blatt unabhängig von Konzernen, Werbung und Parteien. Diese ökonomische Unabhängigkeit gab uns Macherinnen eine maximale journalistische Freiheit. Die nutzten wir voll über 50 bewegte Jahre. Nachzulesen in 398 Ausgaben, Seite für Seite, im Internet: www.emma.de/lesesaal.
Doch EMMA wäre nicht EMMA, wenn sie nicht weiterwirken würde. Das EMMA-Archiv wird in die Ewigkeit gehen: Es wird vollständig in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach aufgenommen werden, wo es erschlossen und ab 2029 Interessierten, Medien und Forschung offenstehen wird. Dutzende Regalmeter mit Aktenordnern, Kisten und Kartons in Fülle; Korrespondenzen, Umfragen und Kampagnen, wie zum Beispiel die legendäre Kampagne PorNO (1988). Ein halbes Jahrhundert Making Of dieses Abenteuers des Machens eines feministischen Magazins und die sich darin spiegelnde Geschichte der Frauen steht zur Erforschung bereit.
Wir gehen nicht aus ökonomischen Gründen. Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben. Und ein finanzielles Polster schützt uns. Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht! EMMA hat über drei Feministinnen-Generationen die Stellung gehalten, hat allen Moden widerstanden und gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus Stellung bezogen. Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.
Wir haben gezeigt, wozu ein professioneller, engagierter, feministischer Journalismus fähig ist. Was möglich ist. Wir sind gewiss: Es wird auf die eine oder andere Art weitergehen. Mehr darüber in der aktuellen Ausgabe (am Kiosk ab dem 27. Oktober und erhältlich im www.emma.de/shop) sowie in der Jubiläumsausgabe 2027 (die am 8. Dezember erscheint).
Alice Schwarzer, Köln, 21. Oktober 2026




