Mit Amöben gegen Pilzbefall

Pilzbefall kostet die Landwirtschaft weltweit 20 bis 40 Prozent der Ernte. Die Hochschule Wismar setzt auf Amöben als biologischen Pflanzenschutz und wird dabei von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) gefördert. Denn die bisher verwandten chemischen Verbindungen können Boden, Gewässer und Artenvielfalt schädigen. Das wiederum beeinträchtigt eine breitgefächerte Biodiversität, die Studien zufolge unabdingbar für ökonomischen Erfolg in verschiedenen Wirtschaftsbranchen ist.
Schonende Alternativen zu chemischem Pflanzenschutz könnten gerade für mittelständische Landwirtschaftsbetriebe neue Perspektiven bieten. Dieses Ziel verfolgt die Entwicklung eines auf Amöben basierenden Mittels gegen Pilzbefall. Amöben sind kleine einzellige Organismen, in der Mehrheit harmlos und tragen zum ökologischen Gleichgewicht im Wasser und Boden bei. Projektleiter Prof. Dr. Falk Hillmann erläutert das Vorhaben: „Spezielle Einzeller werden gezielt auf Nutzpflanzen aufgetragen. Sie fressen Pilzsporen im Entwicklungsstadium und verhindern Ernteausfälle.“ Das Besondere für Landwirte nach Hillmanns Worten: „Die Amöben können mit bereits bestehender Standard-Spritztechnik ausgebracht werden. Für Betriebe ist der einfache Umstieg auf diesen umweltschonenden Fungizid-Ersatz ohne neue Anschaffungskosten möglich.“
Natürliche Blattbewohner bekämpfen Pilzwuchs auf Nutzpflanzen
Während der DBU-Förderlaufzeit entwickelt Hillmanns Team ein System zur großflächigen Verwendung der Amöben auf Nutzpflanzen. Kooperationspartner ist die E-Nema GmbH aus Schleswig-Holstein. „Herausforderungen sind Produktion und Ausbringung einer genügend großen Menge an Einzellern auf die Blätter“, erklärt Hillmann. Die Lösung: Die Amöben werden getrocknet und konzentriert gelagert. Der Projektleiter weiter: „Die Einzeller verfallen in eine Art Starre, in der sie mindestens vier Monate überleben können. Nach Zugabe von Wasser erholen sie sich schnell und können eingesetzt werden.“ Dies vereinfache Herstellung, Lagerung und Transport durch weniger Gewicht und simple Handhabung ohne besondere Schutz- oder Temperaturbedürfnisse. Hillmann: „In den Landwirtschaftsbetrieben können die Amöben mit Wasser versetzt und nach kurzer Zeit mit den bisher für Fungizide verwendeten Sprühsystemen auf die Felder gebracht werden. Dort bekämpfen sie Pilzbefall, sobald sich Sporen an den Nutzpflanzen festsetzen.“ Die verwendeten Amöben aus der Gattung Protostelium seien natürliche, in Deutschland beispielsweise auf Buchen vorkommende Blattbewohner ohne Gefahr für Umwelt oder Menschen.
Erste Verwendung im Obst- und Gemüsebau

Hillmann zufolge sind Amöben auch ein effektiver Ersatz für chemische Pflanzenschutzmittel. „Immer mehr Pilzarten entwickeln inzwischen Resistenzen gegen herkömmliche Fungizide. Für dieselbe Wirkung müssen also immer mehr Chemikalien verwendet werden.“ Die grundlegende Wirksamkeit der Einzeller gegen Pilzbefall haben Hillmann und sein Team bereits in jahrelanger Vorarbeit unter Beweis gestellt. „Nun wollen wir mithilfe der DBU-Förderung das Verfahren für große landwirtschaftliche Flächen weiterentwickeln“, so der Projektleiter. Zunächst werde das System im Obst- und Gemüseanbau genutzt, auch im Biolandbau. Nach Hillmanns Worten werden im Ökolandbau zwar keine Pestizide, wohl aber in Sonderfällen Kupfer- und Schwefelmischungen eingesetzt, etwa bei Obstkulturen. Hillmann: „Mithilfe der Amöben können wir im Biolandbau Ernteausfälle schonend reduzieren und die Produkte zudem weniger anfällig für optische Veränderungen machen.“ Dies verbessere die Konkurrenzfähigkeit von Bio-Lebensmitteln. Perspektivisch sei eine Verwendung in anderen Landwirtschaftsbereichen ebenfalls denkbar.
Quellen: Presseportal DBU und Hochschule Wismar





Bei mir gehn bei Amöben die Lampen an, ich hatte sie mal im Darm, wahrscheinlich aus Indien mitgebracht. Auch dort können sie sich jahrelang unbemerkt in einer „schlafenden“ Form halten und später wieder aktiv werden. Nicht lustig, mir
ging es selten so schlecht. Deshalb ist mir das Unheimlich.
Mal ne andere Art von Kommentar…..
Liebe Grüße. von. Satya
Mich hat der Artikel ganz neugierig gemacht, weil wir selbst biogärtnern. Dein Kommentar Satya , hat mich animiert, mich über Amöben zu informieren. Whow, sehr interessante Wechseltierchen. Danke dir.
Ich persönlich freue mich sehr über Forschung, die uns wieder von den chemo-technischen Keulen befreien könnte. Ob Glück oder Unglück- wer weiß das schon.
Danke Bettina fürs Teilen.
Liebe Grüße Monika
Ackerschachtelhalm ist mit seinem hohen Kieselsäuregehalt ein natürliches Mittel gegen Pilze, insbesondere den Mehltau. Er stärkt die betroffene Pflanze, so dass sie widerstandsfähiger wird.
Ist einfach als Brühe ansetzbar- bei mir wächst er im Garten.
Ich finde es wichtig, die Ursachen zu erkennen und geschwächte Pflanzen, wenn möglich, zu stärken.
Liebe Grüsse
Michelle
….wow 🥰 Danke für’s Teilen dieses Forschungsergebnisses 😀
– großartig finde ich auch die einfache Umstellung ohne Mehraufwand für die Landwirtschaft!!
Je mehr natürliche/naturnahe Möglichkeiten uns zur Verfügung stehen,desto massgeschneiderter und schonender kann gegärtnert und beackert werden, meinem Eindruck nach.
Danke für den Austausch – wieder was dazugelernt 😉
Herzlichst,
Dagmar