Gabriele von Arnim über Abschiede

Ich höre dieser weisen, klugen Frau so gerne zu. Ein Mensch stirbt, ein Lebensplan zerbricht, der Körper setzt Grenzen, die Gewissheit, in Frieden zu leben, wird brüchig: Abschiede verändern, wer wir sind. Wie lebt man mit diesen Verlusten? Und warum machen uns manche Abschiede lebendiger? Ein Gespräch mit Schriftstellerin Gabriele von Arnim.
Die bald 80jährige steht grundsätzlich für Zuversicht ein, obwohl Abschied immer und überall gegenwärtig ist. Sie hat das Jahr 2025 über Abschiede nachgedacht und Tagebuch darüber geführt, was sie nicht mehr kann, was sie nicht mehr muss und darüber, was in dieser Welt verlustig geht, wenn Empathie fehlt. Sie hat persönliche und politische Abschiede festgehalten und erzählt von unerfüllten Wünschen genauso wie vom Älterwerden und von einer Welt, deren Veränderungen sie bis in ihre Träume verfolgen.
Dabei wurde von Arnim zwar nicht weniger besorgt, aber trotzdem heiterer – denn Abschiede sind für sie auch der Weg zur Freiheit. Dazu gehört, sich von der Vorstellung zu verabschieden, wie das eigene Leben sein sollte, um sich auf das einzulassen, was tatsächlich ist. Zugleich bleiben mit jedem eingeschlagenen Weg andere ungegangen. Auch unerfüllte Wünsche gehören zum eigenen Leben.
Mit Olivia Röllin spricht sie darüber, wie man nach dem Tod eines Menschen in ein eigenes Leben zurückfindet, wie man angesichts von Krieg und politischer Verrohung empfindsam bleibt, ohne zu verzweifeln, ob man sich auf das eigene Sterben vorbereiten kann und woher sie die Zuversicht nimmt, dass selbst im Abschied noch ein Anfang möglich ist.
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