Geburtstraumen & Heilungsräume

Lesezeit 6 Minuten –

So viele von uns sind mittlerweile auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstheilung. Wir tragen eine tiefe Sehnsucht nach etwas Größerem in uns. Viel größer als unser Alltags-Ich. Wir sehnen uns nach unserem Leuchten. Nach einer Größe und Weite in uns, die wir nicht in Worte fassen können. 

Wir alle haben eines gemeinsam: Wir sind als Seele in einen menschlichen Körper inkarniert, in einem unglaublichen Prozess in einem weiblichen Körper herangewachsen und unter Schmerzen durch einen engen Geburtskanal in diese Welt hineingeboren worden. Jede Geburt ist ein großes Wunder, das uns zutiefst berührt. Und gleichzeitig ist uns meist nicht bewusst, dass sie auch ein Trauma ist, das uns in unserem Leben auf subtile Weise begleitet – ein Trauma für das Neugeborene und oft auch für die Mutter. Die Umstände unserer Geburt und die unserer Kinder werden einfach als „normal” angesehen. Doch das löst das Trauma nicht auf. Im Gegenteil. Es meldet sich meist so lange, bis wir es wahrnehmen und in Heilung bringen. 

Traumen zeigen sich oft indirekt durch emotionale Muster und Blockaden, die uns belasten und einschränken. Im Zusammenhang mit einer Geburt kommt es beispielsweise oft vor, dass sich Mütter (unbewusst) für die Traumatisierung ihres Kindes schuldig fühlen und sich daher in ihrem Muttersein nicht frei fühlen.   

Eine Klientin von mir, ich nenne sie hier Andrea, hatte während ihrer viermonatigen Begleitung den Impuls, nach ihrem dreijährigen Sohn zu schauen und ihrer Beziehung zu ihm. Er benahm sich in letzter Zeit seltsam, war immer wieder auffällig aggressiv und ablehnend ihr gegenüber. Das löste in Andrea regelmäßig Ärger aus und dann war sie recht streng zu ihm. Im Nachhinein war Andrea traurig darüber und wurde immer wieder von dem hartnäckigen Gedanken heimgesucht, sie sei keine gute Mutter. 

Im Gespräch wurde uns klar, dass sowohl das Verhalten des Sohnes – das über das normale Trotzverhalten hinausging -, als auch die Reaktion der Mutter emotionale Muster waren, die zwar im Hier und Jetzt getriggert wurden, jedoch aber einen viel älteren Ursprung hatten. Wir verstanden, dass diese Automatismen ursprünglich offenbar verhindern sollten, eine frühere Verletzung zu spüren und weiteren Schmerz zu erschaffen. Aber das war natürlich keine Lösung. Heute waren diese Muster dysfunktional geworden. Zumal Andrea nicht bewusst war, um welche vergangene, schmerzhafte Erfahrung es überhaupt ging. Mutter und Sohn waren beide, sobald dieses Muster das Ruder übernahm, nicht mehr wirklich sie selbst. Nicht frei im Umgang miteinander. Und die liebevolle Verbindung, die sie eigentlich hatten, war verdeckt. In Andreas Alltag war es dadurch unmöglich gewesen, das Verhalten und die Gefühle des Sohnes oder ihre eigenen nachhaltig zu verändern. Die Blockade ließ sich nicht einfach so ausradieren.

Im weiteren Gespräch mit Andrea stellte sich heraus, dass ihr Sohn per Kaiserschnitt zur Welt kam. Und genau dies stellte sich im Folgenden als eine der Ursachen für einen tiefliegenden Schmerz heraus – sowohl bei Andrea als auch bei ihrem Sohn – und damit auch eine mögliche Ursache für die belastenden Muster an der Oberfläche.

Auf einer gemeinsamen inneren Reise mit Andrea wurde klar, dass ihr Sohn gleich nach der Geburt Gefühle der Unzulänglichkeit von Andrea aufgenommen hatte – und seitdem trug. Eine Hebamme hatte Andrea noch kurz vor der Geburt ins Gewissen geredet, weil der Kaiserschnitt medizinisch nicht unbedingt notwendig war. Doch Andrea wollte auf keinen Fall das vergangene Trauma wiederholen, das sie bei der Geburt ihres ersten Kindes erlebt hat, als sie es auf natürliche Weise hatte entbinden wollen. Gemeinsam zeigten wir ihrem Sohn auf unserer Reise nun zunächst, wie er seiner Mutter die von ihr übernommenen Gefühle zurückgeben konnte.

Der entscheidende Punkt war allerdings ein anderer: Ihr Sohn war energetisch noch immer in ihrer Gebärmutter. Ein Teil von ihm hatte es noch nicht begriffen, dass er geboren war. Es ging in dieser Trancereise also als Nächstes darum, die Geburt nachzuvollziehen und das Baby liebevoll durch den Geburtskanal zu begleiten. 
Dann folgte ich dem Impuls, für Mutter und Sohn einen energetischen Heilungsraum zu schaffen, den sie innerlich auch nach der Coachingsession immer wieder aufsuchen konnten. Ein lichtvoller Raum, in dem Andrea mit ihrem Sohn Zeit verbringen konnte – genauso wie sie es sich (noch mehr) nach der Geburt gewünscht hätte: Den Neugeborenen nackt auf ihrem Bauch liegend.

Auf dieser inneren Reise löste sich viel Schmerz und Traurigkeit bei Andrea. Sie war unendlich dankbar für unser behutsames Vorgehen und für diesen Heilungsraum. Im Nachhinein stellte sich nämlich heraus, dass sie vor ein paar Monaten bereits von einer spirituellen Beraterin erfahren hatte, dass ihr Sohn energetisch noch in ihrem Bauch war. Daraufhin wurde sie aufgefordert, ihren Sohn nun endlich rauszuwerfen, schließlich gehörte er ja nicht mehr dorthin. Als sie ihren (realen dreijährigen) Sohn am Abend in ihren Armen hielt, war sie sehr traurig. Sie hatte das Gefühl, ihn irgendwie für immer verloren zu haben. 
Die Vorstellung, jetzt einen gemeinsamen Heilungsraum mit ihm zu haben, machte sie glücklich. tiefer Frieden, innere Weite und innige Verbundenheit stellte sich ein. Und es war spürbar: Die Ursachen für die Spannungen zwischen Mutter und Sohn hatten sich aufgelöst.

Der erste Schritt war für Andrea gewesen, sich für ihre negativen Emotionen ihrem Sohn gegenüber nicht mehr zu verurteilen, sondern zu vertrauen, dass sie einen tieferliegenden Grund haben. So konnte das Muster in ihr etwas entspannen und ihr die alte Verletzung zeigen, die es eigentlich immer schützen wollte. Die eigentliche Heilung konnte in einem achtsamen, hochschwingenden Raum geschehen, in dem sie sich in meiner Begleitung durch geeignete Heilungsschritte führen ließ. Ein zutiefst berührender und erfüllender Prozess … auch für mich als Coach.
Ein paar Tage nach unserer Session meldete Andrea zurück, wie wichtig und heilsam dieser innere Heilungsraum nach wie vor für sie war – um das fehlende „Bonding” mit ihrem Sohn innerlich für sich nachzuholen.

Ich habe hier das Beispiel von Andrea als Ermutigung für alle Mütter ausgewählt, die ihre Kinder so heldenhaft geboren haben und sich doch schuldig fühlen, wenn die Geburt eines Kindes nicht wie im Bilderbuch verlief. Das Geburtsgeschehen macht fühlbar, wie zutiefst menschlich es ist, Traumen zu erleben. Die Heilungsgeschichte von Andrea zeigt, dass sich für alle Beteiligten völlig neue Türen öffnen, wenn eine Mutter sich dem gemeinsam mit dem Kind erlebten Geburtstrauma behutsam stellt und es liebevoll auflöst. Dasselbe gilt für die Auflösung des EIGENEN Geburtstraumas, zu der ich jeden Menschen nur ermutigen kann. 

Es wird so viel Potenzial, Kraft und Liebe frei, wenn wir nicht mehr gegen uns selbst arbeiten, sondern ALL unseren Gefühlen vertrauen – auch den „inakzeptablen”.
Und je liebevoller wir sie annehmen können, desto einfacher zeigen sich die Verletzungen und Traumen, die gegebenenfalls dahinter stecken und desto leichter können wir sie in eine Heilung bringen. 

Danke, dass es dich gibt!

Alles Liebe, 
Amaresh

Kostenlose Meditation “Dein Heilungsraum”: https://amaresh.de/medi-heilungsraum/

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Amaresh Bühler
Amaresh Bühler

In meinen systemisch-schamanischen Coachingsessions begleite ich dich in tiefe Transformations- und Heilungsprozesse, in denen sich energetische Verstrickungen, belastende Fremdenergien, alte Prägungen und emotionale Wunden lösen dürfen. Aufstellungsarbeit in Kombination mit schamanischen Elementen hilft dir, dein inneres System behutsam in eine neue heilsame Ordnung zu bringen. Du kommst wieder in Einklang mit deiner Seele und kannst dein inneres Leuchten verkörpern & leben. Buche gerne eine Opening Session oder ein kurzes Gespräch. https://amaresh.de/

3 Kommentare

  1. Heute habe ich von meiner Klientin – die übrigens damit einverstanden war, dass ich ihre Geschichte anonym erzähle – erfahren, dass sie ihren Sohn in der darauffolgenden Zeit viel freier ihr gegenüber wahrnahm. Abends legte er sich zum Kuscheln von sich aus auf ihren Bauch. Er aß endlich Portionen, die ihm angemessen waren. Und nachmittags spürte er unabhängig von ihr, ob er lieber Zeit mit anderen oder mit ihr verbringen wollte … So schön! 🙏
    Amaresh 🌞

  2. Guten Morgen,
    das ist eine berührende Beschreibung eines verdeckten Trauma’s.
    So schön, das es mit Liebe aufdeckt werden konnte und nun heilen kann.🌷
    Danke für den wichtigen Nachtrag!

    Liebe Grüße
    Connie

  3. lieber amaresh, danke für dein teilen. ich bin sehr berührt. was für wunder und traumata sich zeigen dürfen, wenn wir so genau spüren und unsere gefühle ernst nehmen. als befreiten wir unser und das innere der menschen, die beteiligt sind…wow.
    herzlich gundula

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