Bialetti-Paradoxon: Vom Wrestling-Kaffee zum Urlaubwunder

Lesezeit 2 Minuten –

Von Oliver Driver. Wir alle kennen sie, wir alle haben sie irgendwo im Schrank: die klassische Bialetti-Herdkanne. Auch ich hatte über 20 Jahre lang ein fest zementiertes Vorurteil. Mein Bild der Bialetti war geprägt von den Besuchen bei meinem damaligen Nachbarn in Köln – einem Wrestling-Veranstalter, der seinen Kaffee so hart servierte, wie man es in seinem Metier wohl erwartete: bitter, schwarz, verbrannt und schlicht ungenießbar. Seitdem war für mich klar: Die Bialetti ist ein Folterinstrument für Menschen, die zu schwach für starken Kaffee sind. 

Wenn ich reise, bleibt nichts dem Zufall überlassen – AeroPress, Comandante-Mühle und mein geliebter Aluna sind immer dabei für den perfekten Becher Filterkaffee. Doch 10 Tage in Portugal, wo ich bei besserem Wetter arbeiten konnte, haben mich eines Besseren belehrt. In meinem kleinen Apartment stand sie wieder: die klassische Aluminium-Ikone. Ohne große Erwartung, aber mit einer frischen Packung Gods Forest Espresso im Gepäck, wagte ich den Selbstversuch.

Die Entdeckung: Es ist kein Espresso – und das ist gut so

Was ich in der Tasse fand, war kein Espresso (denn die nötigen 9 bar Druck erreicht eine Herdkanne physikalisch nicht), aber es war auch nicht das befürchtete Brandopfer. Es war ein kraftvoller, harmonischer und ausgewogener starker Kaffee. Halbe-halbe mit heißer Milch wurde er zu einem so runden Erlebnis, dass ich fast wehmütig wurde, als die 250 g Gods Forest zur Neige gingen.

Warum die Bialetti oft zu Unrecht verachtet wird:

Das Vorurteil vom verbrannten Kaffee kommt meist daher, dass die Kanne zu lange auf dem Herd steht oder mit eiskaltem Wasser gestartet wird. Die Hitze grillt das Kaffeemehl im Sieb, noch bevor der erste Tropfen Wasser hindurchfließt. Wenn dann noch ein richtig dunkel gerösteter italienischer Espresso dazu kommt, wird es extra stark und schwarz.

  • Der Trick für die Sanftheit: Wer mit bereits heißem Wasser startet und die Kanne vom Herd nimmt, sobald der Strahl hell wird und das erste Zischen beginnt, verhindert die Überextraktion.
  • Die Bohne macht den Unterschied: Eine Bialetti verträgt eben nicht jede beliebige, dunkel-ölige Industrieröstung. Unser Gods Forest hat hier seine Stärken ausgespielt: Kraftvoll genug, um im Moka-Pot Charakter zu zeigen, aber hochwertig genug geröstet, um keine unangenehmen Bitterstoffe freizusetzen.

Mein Fazit: Ich habe viele Jahre ein Vorurteil gepflegt, weil ich früher schlechten Kaffee aus einer falsch bedienten Kanne trinken musste. Die Bialetti ist kein Ersatz für den Siebträger oder die AeroPress – sie ist eine eigene Kategorie des Genusses, wenn man ihr mit der richtigen Bohne und ein wenig Respekt begegnet.

Hier zur Bialetti-Kanne und zum Gods Forest Kaffee

Oliver Driver ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Urwaldkaffee GmbH. Zuvor war er Inhaber des „coaching salon“, einer auf die Begleitung von Veränderungsprozessen spezialisierten Unternehmensberatung, und Coach. Als Autor hat er zahlreiche Bücher und Fachartikel veröffentlicht. Er lebt in Köln.

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Gastbeitrag
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2 Kommentare

  1. Danke für die schöne Werbegeschichte!
    Meine persönlichen Vorbehalte der sehr beliebten HerdKanne gegenüber haben einen anderen Ursprung: hörte vor langer Zeit, dass Aluminium für den einzigartigen Geschmack verantwortlich ist, weshalb echte Genießerinnen niemals Edelstahlkännchen verwenden und die gesundheitlichen Nachteile des Aluminiums(!) gerne in Kauf nehmen. Meine Frage: Was ist dran an dieser Geschichte?

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