Die Königin oder ein Märchen 

Lesezeit 2 Minuten –

(Zum lesen oder hören: Audiodatei am Ende des Artikels). Was bisher geschah: Bis jetzt ist eigentlich noch gar nicht viel passiert. Die schöne Prinzessin wurde geboren, verwandelte sich in eine fleißige Schülerin, eine böse Stiefschwester, ein fürsorgliches Eheweib, eine viel zu beschäftigte Mutter und eine alte Studentin.

Dann wollte sie doch lieber Königin sein und schrieb das Drehbuch um. Setzte sich die Krone auf den Kopf, ließ sie dauernd fallen, benutzte sie als Fußball oder als Dreckschaufel oder setzte sie sich wieder auf den Kopf.

Irgendwann war sie es leid und gab sie weiter. Natürlich an die jüngste Tochter, schließlich sind wir im Märchenland.

Sie drehte sich hin und her – leider gab es keinen Spiegel, in dem sie sich – nun ohne Krone – sehen konnte. Sie wusste trotzdem, dass sie sich gefiel.

Sie ließ die Tochter mit Krone und Land stehen und zog hinaus, um noch mal eben was zu erleben. Klar fürchtete sie die Monster, die Schatten und die Fremde und zögerte kurz, die Grenze zu überschreiten. Doch ohne Krone war sie ja viel leichter und mutiger und machte entschlossen einen Schritt über die Schwelle. Hinter der Grenze sah es gar nicht so anders aus, jedenfalls eine ganze Weile nicht. Irgendwann wurde es waldiger, mystischer, kleine Trolle kreuzten ihren Weg und schlugen Purzelbäume. Manchmal purzelte sie mit, manchmal zog sie Grimassen oder streckte ihnen die Zunge raus. Ab und an teilte sie auch ihren Proviant.

Die Bäume grüßten sie und wurden umarmt, es gab Gewisper – „Woher?“ „Wohin?“ -, und eine Zeitlang hatte sie auch menschliche Begleitung oder blieb eine kleine Weile in einem Dorf.

So ganz sesshaft wollte sie aber doch nicht werden, zu viel gab es noch zu entdecken. Schließlich kam sie an eine magische Schlucht, die von zwei wilden Drachinnen bewacht wurde.

Zuerst wollte sie kämpfen, doch das war aussichtslos. Dann verhandeln – die Drachinnen lachten nur.

Da stampfte sie mit den Füßen, ballte die Fäuste und bekam einen Tobsuchtsanfall. Der dauerte lange. Solange, bis eine der Drachinnen ihr einen Spiegel vorhielt und sie sich darin sah.

Sie musste lachen und lachen, bis ihr der Bauch wehtat und das Zwerchfell noch mehr – vor lauter Wackeln. Sogar die Drachinnen lachten mit und gaben die magische Schlucht frei.
Das geschah bisher.

Und nun tut die wilde magische Schlucht ihren Schlund auf und …

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Dorothee Kanitz
Dorothee Kanitz

Dorothee Kanitz ist Mitglied des newslichter next level Teams, Autorin, Seelfrau und Wegbegleiterin. www.meditation-spirit-ritual.de

8 Kommentare

  1. Oh, liebe Dorothee, da freue ich mich jetzt aber, über die Königin, über die Drachinnen über das Lachen. Und vor allem über die Audiodatei, was für eine großartige Idee! Pure Freude an einem Sonntagmorgen, danke dir dafür. ❤️🌿

  2. Liebe Dorothee,
    wie habe ich mich heute Morgen gefreut, dein Märchen hier auf den newslichtern vorzufinden! Beim Aufstehen habe ich mir nämlich genau das gewünscht: Dein Märchen, bei dessen Geburt ich dabei sein durfte, nochmals lesen zu können. Und da war es! Märchenmagie! Danke!
    Und das Märchen-iTüpfelchen: Es auch anhören zu können, gelesen von dir, mit deiner tiefen und warmen Stimme! Märchenmagie!
    Liebe Grüße,
    Luitgard

  3. Liebe Dorothee,

    ein wunderschönes traudich und habmut Märchen. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

    Herzlichen Dank und liebe Grüße
    Rita

    • Liebe Rita – das mit der Fortsetzung ist so eine Sache … Ich bin nicht sicher, dass ich herausfinde, wie es weiter geht.
      Und meine Idee ist: schreib selbst weiter. Hier in den Kommentaren oder für dich, einfach drauflos.
      Das gilt natürlich auch für alle anderen, die gern eine Fortsetzung hätten …
      Und wer weiß, vielleicht haben wir dann ganz viele 😉❤️

    • ….woraufhin das herzhafte Lachen der Königin und Drachinnen sich seither von jener Schlucht aus bis in die hintersten Winkel, auf die höchsten Gipfel und bis in die tiefsten Schluchten anderswo verströmen konnte…..um eines strahlenden Frühlinstages mitten in zartfühlenden Herzen zu landen und so ein strahlendes Lächeln der Gewissheit in Gesichter zauberte.
      Währenddessen entzündeten die Königin und ihre Drachinnenschwestern unermüdlich ein Freudenfeuer nach dem anderen und fanden mit Zeit immer mehr Vergnügen daran, diese zu hüten…..bis eines Tages…..

      Danke, liebe Dorothee ❤️ 💕 💞 🥰 – Deine wunderwunderschöne Geschichte hat mich sehr berührt und Deine Idee vom „Weiterspinnen“ hat mich bewegt, „den Faden aufzunehmen“…..

      Von Herzen,
      Dagmar

      • Liebe Dagmar, was für eine wundersame Weitererzählung der Geschichte… So viel Freude, Lachen, Freundschaft … Danke für’s Weiterspinnen🙏, das hat mich tief gefreut💝

        • Danke, Dir, liebe Dorothee 🥰 für Deine feine und ausdrucksstarke Einladung…..für Dein kostbares Märchen-Geschenk 🎁

          Einen schönen, kraftvollen Juni wünsch ich Dir – möge das Leben auch Dich reich beschenken 🌟 💞

          Herzlichst,
          Dagmar

  4. Liebe Dorothee,
    die mutige kleine große Heldin gefüllt mir ganz ausserordentlich und große Freude deine schöne vergnügliche Stimme zu hören. Zauberfein danke …

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