Der Geist des Wortes

In Zeiten, in denen die KI in den Vordergrund rückt und mit ihrer Hilfe Texte entstehen, möchte ich Sprache ehren und neu zu Wort kommen lassen.
Aus reinem Geist geschöpft, ist Sprache, ja, ist jedes Wort ein geistreiches Geschöpf. Und so frage ich mit einem Augenzwinkern speziell nach dem Geist, der in Worten wohnt. Als ob auch die AntWort mit einem gewissen Schalk transportiert wird, höre ich:
Worte sind auch nur Menschen. In ihnen steckt Leben, Kraft und Schönheit. Beide können für MissStimmung sorgen und die Dinge wieder in Ordnung bringen. Wie Menschen sehnen sich auch Worte nach Gesellschaft, suchen in einem ansprechenden KonText nach Sinnhaftigkeit und gehen Verbindungen ein.
In Hauptsätzen wie zum Beispiel in „ich esse Pfannkuchen„, sucht ein Subjekt ein Objekt und verleibt es sich ein. Ist diese Verknüpfung einmal hergestellt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Wiederholt das Subjekt seine Handlung, gewinnt das ganze Unterfangen langsam aber sicher an Bedeutung. Die Semantik bekommt Gewicht und womöglich auch das Subjekt, wenn es die Entscheidung trifft, ab jetzt jeden Tag Pfannkuchen zu essen.
Eiligst werden Attribute gefunden, um der bislang losen Verbindung eine tragfähige Basis zu geben. Pfannkuchen sind dann nicht mehr nur Pfannkuchen, sondern womöglich „leckere, köstliche, geradezu himmlische Pfannkuchen“. Macht das Subjekt dann die Erfahrung, dass es durch diese Pfannkuchen-Anhäufung in seinem Magen arge Probleme mit der Verdauung bekommt, so gesellt sich zu dem Hauptsatz nun noch ein Nebensatz: „Ich esse zwar sehr gerne Pfannkuchen, muss aber auf meine Verdauung aufpassen„. Die Angelegenheit ist komplexer geworden.
Ersetzen wir nun den Pfannkuchen durch ein weiteres Personalpronomen, nähern wir uns mit schnellen Schritten der Verbindung zwischen dem Ich und dem Du. Wir nähern uns der Syntax zwischenmenschlicher Beziehungen. Vor allem zu Beginn einer besonders innigen Verbindung wird der heiß geliebte Pfannkuchen mitunter schnell ersetzt durch zärtliche Fleischeslust. „Ich habe dich zum Fressen gern“, bleibt zum Glück nur eine Redewendung, die so manches Mal nicht zu verhindern weiß, dass sich frischverliebte Pronomen im Laufe der Zeit sprichwörtlich immer weniger zu sagen haben. Anstatt dessen werden erste Vorwürfe laut. „Wie kannst du mir das antun!“ bekommt kein Frage-, sondern ein Ausrufungszeichen und wird zu einem Aufschrei der Empörung. Wenn dann nicht bald ein versöhnlicher Gedankenstrich gefunden wird, werden Worte letztlich doch getrennt geschrieben und die Syntax ist Geschichte.
Nun, es ist wohl tatsächlich so: Worte sind wahrlich auch nur Menschen. Wie wir, gehen sie Bindungen ein, wollen verstanden und beim Wort genommen werden. Dabei versprechen sie ein ums andere Mal, was sie nicht halten können, geben Rätsel auf, reden drum herum und werden vor allem dann laut, wenn es um Besitzverhältnisse geht: mein Partner, mein Haus, mein Kind, mein Leben, und nicht zuletzt meine Mein-ung.
Und bei all dem, steckt in Menschen wie in Worten Leben, Kraft und Schönheit.





Liebe Jutta,
Worte sind auch nur Menschen …
Menschen – Worte … herzlichen Dank für diesen wunderbaren Drübernachdenkspüranschubs. Freude !
Monika