In die Zeit gefallen

Da ist ein komischer Geschmack in ihrem Mund. Mund
Sie rastet, schmeckt, schmatzt … da sind Lippen, Zähne, eine Zunge … Und woher weiß sie das? Sie schaut an sich herunter: sie hat einen Körper!
Nicht einen feinstofflichen, oder jedenfalls nicht nur, nein, einen richtigen, materiellen Körper. Etwas schwerfällig, ja, das ist ja klar – Materie ist schwer und fest und seltsam. Spannend.
Und in ihrem Mund – das hat sie doch zuerst bemerkt – da ist etwas, sie schmeckt etwas. Sie erinnert sich an die Lektionen der geistigen Akademie über die Sinne, Geschmack war einer davon.
Und jetzt dämmert es ihr: Sie ist in die ZEIT gefallen. In ihrem Mund ist der Geschmack nach Zeit.
Um sie herum ein Gefühl von RAUM. Krass.
Nie hätte sie gedacht, dass Zeit so schmeckt. So – wie soll sie sagen – speziell.
Na gut, alles ist speziell und merk-würdig in der materiellen Welt. So schwer zu beschreiben. So kurz und so lang, so unbedeutend und bedeutend, so voller Polaritäten. So … hintereinander.
Erst so, dann so – was für ein komisches Konzept, und nun plötzlich ihres.
Schon beginnt sie zu vergessen, wie es anders sein könnte.
Jetzt schmeckt sie ZEIT.
Und später, irgendwann, was schmeckt sie dann?
Und wie, verdammt noch mal, soll sie das beschreiben?!
Jetzt ist sie drin, in der Zeit, weiß, wie sie schmeckt – und steckt darin fest.
Für eine Zeit.





Liebe Dorothee Kanitz!
Schön beschrieben!!! Gerne lege ich meine Erinnerung hinein, nämlich damit,
dass ZEIT tatsächlich geschmeckt werden kann…Parallel verliere ich mich darin,
mitunter UN-gern, weil diverse ZEITEN weniger GESCHMACKVOLL waren…
Vielen DANK
Viola
Kollision mit der Unendlichkeit.
Wer schmeckt, der weiß, sagt Lalaji. Danke. Sehr. In diesen Zeiten brauchen wir DAS zu versuchen in Worte zu fassen, was nicht in Worte zu fassen ist…mehr und mehr….