Beiträge zu Spiritualität

Ich erinnere mich, Maria Magdalena


Von Chameli Ardagh. Ich erinnere mich an Maria, Myriam die Migdalah, wie Sie hier steht, im Angesicht des leeren Grabes. Ich frage mich, was Sie wohl gedacht hat, welche Gefühle und Empfindungen durch Ihren Körper gerauscht sind.

Sie war alleine zum Grab gekommen, Sie trug geweihte Gerätschaften bei sich, für das Ritual, das Sie durchführen wollte.

Der Eingang des Grabes ist offen, und innen ist es leer.

Unfähig, vollständig zu verstehen, was Sie sieht, nimmt Sie jemanden hinter sich wahr, und als Sie sich umdreht, in der Annahme, es sei der Gärtner, fragt Sie verzweifelt, was sie getan hätten. Wo haben sie seinen Körper hingebracht ?

Dann sieht Sie. Er ist es. Jesus, Jeshuah. Er ist vom Tode auferstanden.

Dieses Bild geht mir nach, kitzelt mich, fordert mich heraus. Was ist es wirklich, das Sie in diesem Moment gesehen hat?

Als Sie voller Erstaunen ausrief: „Rabboni, Mein Geliebter Meister!“

Jeshuah erwiderte freundlich: „Klammere dich nicht an mich…sondern geh, erzähle den Anderen, dass ich auferstanden bin“, und Sie dadurch in Ihre „Wiederherstellung der Ganzheit des Seins“ erschüttert worden ist (Philipp-Evangelium).

Klammere dich nicht an mich…sondern geh, erzähle den Anderen, dass ich auferstanden bin.

Jeshuah sah es, Myriam sah es, dass es entscheidend war, dass Sie, um die Lehren tiefe Wurzeln im richtigen Boden schlagen zu lassen, Ihre Anhaftung zu dem was war, entspannen musste. Sogar seine Lehren würden zu Plastik werden, in dem Moment, wo Sie an der Form hängen bliebe, anstatt in die Autorität dessen zu schreiten, was in Ihrem Inneren geöffnet wurde. Sie, eine Frau, war diejenige, die zur Zeugin berufen wurde, und zur Stimme des Wunders.

Das Wunder in dieser Geschichte ist nicht allein, was Sie sah, vielleicht war dieses Erwachen zur klaren Sicht, was in Ihr geschah, sogar noch wichtiger. Ihre wehrlose Bereitwilligkeit, ALLES, was Sie bis dahin wusste, wie Rosenblätter zu Boden fallen zu lassen, zu den Füßen des Geistes, in seiner enthüllten, nackten Pracht. Und zuletzt, aber vielleicht das wesentlichste Wunder in dieser Geschichte, ist, was Sie als Nächstes tat.

Sie sah, dass der Geist Formen annimmt, die sich durch Geburt und Tod bewegen, genauso wie der Ozean nicht stirbt, wenn die Wellen sich auflösen, stirbt der Geist selbst nie. Sie sah, dass der Geist ewig war. Indem sie Jeshuah dort im Garten vor dem leeren Grab stehen sah, stand Sie dem ewigen Licht des Seins gegenüber. Wie wir es in die Yoginitradition hinein genommen haben, „sah Sie mit einem Tausend Augen“. Sie sah, Sie sah wirklich. Die wahre Natur des Geistes in Allem, und ja, in Ihr selbst.

Nicht länger das Objekt
meiner Zuneigung
wurde er das
Subjekt meiner Wahrheit.

~ Robert T. Pynn

Genau hier treffen wir Myriam, jenseits der Illusion der Zeit, Yoginischwestern von Angesicht zu Angesicht mit dem Mut, der uns abverlangt wird. Mehr als 2000 Jahre später finden wir uns selbst immer noch an dieser Kante in der Luft schwebend, zitternd in der Pause zwischen den Atemzügen. Yoginischwestern, die sich gegenseitig ermutigen, sich zu erheben.

Haben wir, du und ich den Ewigen Geist gesehen? Ja, das haben wir (wir haben, wir haben, wir haben). Wenn auch nur für einen Moment – wir haben ihn gesehen. 

Ist dies ein Wunder? Ja, das ist es (wir haben das Gesicht des Geistes gesehen, Schwester. Sag mir, hast du es zugelassen, die „Alles-für-selbstverständlich-nehmen-Decke“ so dick und staubig um deine unschuldige Fähigkeit, in Ehrfurcht zu sein, wachsen lassen?) 

Kleben wir tatsächlich an dieser Verpackung und den Dogmen, die eine Illusion des Getrenntseins erschaffen – einen Abgrund  zwischen der Weisheit-des-Andersseins und uns selbst? Ja, ich fürchte, wir tun das. Wir tun es immer noch. 

Wir sind Yoginis, Liebende der Wahrheit. Große Worte. Was braucht es, um dies zu leben?

Viele von uns kennen ähnliche Begegnungen wie jene am Grab. Vielleicht nicht mit einem auferstandenen Jesus, aber dennoch hattest du möglicherweise die Erfahrung von einem vollständigen Ablegen deiner Wächter und deiner Klugheit vor einem wahren Lehrer, einem atemberaubenden Ausblick oder einem neugeborenen Kind. Und ganz plötzlich fandest du dich selbst wieder, als du in den makellosen Spiegel der Bewusstheit blicktest, und im Spiegelbild konntest du nichts anderes erkennen als die erstaunliche Schönheit dessen, wer du bist. Aber noch einmal, genau wie bei Myriam: Was noch wichtiger als das Wunder dieser Erfahrung ist, ist: was tatest du als Nächstes?

Genau hier am Ende des Ausatemzuges, nachdem ich meinen Platz im Yoginikreis eingenommen habe, einem Kreis des Feuers, der mich in meiner Hingabe halten wird, der mich antreiben, ziehen, herausfordern wird, ohne dass ich unbedingt wissen muss, warum, stehe ich dazu, was ich gesehen habe. Ich erinnere mich an Myriam, als Sie sich umdrehte und in Ihre Bestimmung eintrat.

Sie ging zurück zu der Gruppe von Männern und Frauen, die sich in Trauer versammelt hatten, und Sie erzählte ihnen, was Sie gesehen hatte. Sie übernahm das Kommando. Sie schickte nach den Jüngern, die die Stadt bereits verlassen hatten. Sie wurde die „Apostelin der Apostel“. Und im Text „Das Evangelium der Geliebten Gefährtin“ (der, obwohl den meisten von uns unbekannt, von manchen als eines der ältesten Evangelien angesehen wird), fährt Sie damit fort, eine der fundiertesten Lehren, die je in den Evangelien gefunden wurde, mit ihnen zu teilen (diese Lehre ist der Fokus unserer Maria Magdalena Vertiefung).

Rief Sie es von den Dächern, stellte Sie ein Rednerpult im Park auf? Wenn man ein wenig über die  politische und soziale Umgebung um sie herum Bescheid weiß, ist die Antwort: Vermutlich nicht. Aber stand Sie erhobenen Hauptes in Ihrem Wissen? Oh ja. Das tat Sie. Sie konnte sich nicht darauf verlassen, Stärke, Zuspruch und Bestätigung aus Ihrem Umfeld zu erhalten, wie konnte Sie auch? Sie hatte die Aufgabe, die Position an der Spitze zu übernehmen! Sie musste die Quelle Ihrer Autorität in der Innigkeit Ihrer eigenen Liebe zu dem, was Ihr gezeigt wurde, finden. Ihre Liebe, ein Sog der Schwerkraft, der heute noch an uns zerrt.

Sie ist immer noch hier. Fordert uns, Ihre Yoginischwestern, heraus, uns nicht aufzugeben, genau jetzt. Oh, ich fühle Sie, Ihr Herz brennt! Sie wartet immer noch darauf, dass wir das Festklammern an das Bekannte aufgeben, an die Autorität des Vaters, des Gurus, das alte Theater von der „Weisheit-da-Draußen-auf-einem-Thron“.

Drehst du das endlose Hamsterrad des Suchens oder stehst du aufrecht in der Macht dessen, was du gesehen hast?

Ich spreche hier selbstverständlich nicht vom Aufbau einer neuen spirituellen Ego-Identität, vom selben alten „es-auf-meine-Art-tun“. Diese Einstellung gehört zu einer längst vergangenen Zeit. Ich  verbeuge mich in demütigerer Aufnahmebereitschaft vor jeder Form von Weisheit, männlicher und weiblicher; zwei Begriffe, die übrigens paradoxerweise weniger und weniger Bedeutung haben, je tiefer ich mich in diese Praktiken hineinbewege. Und dennoch bin ich hier, eine Yogini, zu Füßen des Frauenkreises, meinem Guru.

Trotzdem habe ich es in mir selbst und in meinen Schwestern erlebt, wie wir die Kostbarkeit unseres Weges klein machen, einfach, weil wir nicht die Bestätigung im Außen finden können. Ich erlebe, wie wir immer noch auf Zustimmung warten, während wir den frischen Kuss des Geistes, der uns in unseren Praktiken dargeboten wird, mit dem überholten Modell des „Nur-von-Männern-verkörperten-Geistes“ vergleichen;  wie wir uns immer noch im Kreis drehen und das Vergangene wiederholen. Wie wir den einen beängstigenden Schritt außerhalb des Kreises-des-Bekannten und hinein in den Rausch der selbsterhebenden Weisheit, die sich durch uns ausdrückt, vermeiden. Hoffen wir insgeheim, dass es jemand anderes für uns tun wird?

Wagen wir es, uns in die Schwelle zum gewaltigen Unbekannten hineinzulehnen und das Versprechen der Begegnung am leeren Grab ins Leben zu bringen?
Ist das Weibliche dazu bestimmt, einen wirklichen Einfluss auf den Bewusstseinswandel, den wir in dieser Zeit in unseren Knochen spüren, auszuüben?
Wer wird das lehren?
Wer wird dafür einstehen?
Bist du die Stimme des Weiblichen?
Wer sonst wird es sein?
Jeshua hat die Fackel weitergegeben – sind wir bereit?

„In der Wahrheit zu stehen“ wird offensichtlich für jede von uns anders aussehen, aber jenseits der Form, die es annehmen wird, heißt das ein für alle Mal ein Ort in der Schwerkraft des Momentums zu werden, den du „mein Leben“ nennst. Wieder und wieder und wieder die abhängig machenden Krämpfe von Wertlosigkeit zu lösen und zur Autorität des Geistes zurückzukehren. Zu wagen, der Größe zu begegnen, die sich selbst in genau diesem Atemzug in dich hineindrängt, auch wenn deine Beine zittern. 

Archimedes sagte vor 2000 Jahren, Gib mir einen Punkt, wo ich sicher stehen kann und ich hebe die Welt aus den Angeln”, und du kannst das und du tust es. Stellung beziehen ist keine Betrachtungsweise. Stellung beziehen ist ein Platz, an dem du eine Vision hast. Stellung beziehen ist dieser Bereich der Abgrenzung, der Gandhi, Martin Luther King, Mutter Teresa, César Chávez und Nelson Mandela auszeichnet. Sie bezogen Stellung, die tatsächlich den Lauf der Geschichte schlussendlich verändert hat. Sie waren nicht dafür oder dagegen, vielmehr standen sie in einem Feld der Kraft, Schönheit und Integrität, das es dem persönlichen Standpunkt erlaubte, sich um sie herum aufzulösen, so dass das Schicksal und die Entwicklung der menschlichen Familie sich wirklich vorwärtsbewegen konnte.

~ Lynne Twist 

Maria Magdalena,

manchmal bereue ich insgeheim den Tag, an dem ich um die Ecke kam und dich dort stehen sah, während dein Licht mich fast blendete. Von dem Moment an, als sich unsere Blicke vereinigten, war an keine Flucht aus der Vision der Vereinigung mehr zu denken, und dass es an uns ist, sie ins Leben zu bringen.

Im bedeutungsvollen Innehalten zwischen dem Bekannten und dem Potenzial, das ich nur erahnen kann, kann ich keinerlei Bestätigung oder Anerkennung finden, außer derjenigen ganz tief in meinem Inneren. Ein Flüstern von Erkenntnis, die so unbestimmt, so schwer zu begreifen ist. Dennoch stehe ich da, wo ich stehe, weil ich nicht anders kann. Es gibt keinen Weg zurück. Ich kann nicht ungesehen machen, was ich gesehen habe.

Meine Beine zittern, aber ich stehe immer noch. 

Chameli

Chameli

Zur Person: Für Chameli Gad Ardagh ist weibliche Spiritualität nichts ausschließend, sondern von Natur aus integrativ. In ihrem Buch “Komm dir näher” beschreibt sie ihren ganz persönlichen Weg, um weibliche und männliche Elemente wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Was Sie lehrt, ist tief im Körper verankert, akzeptiert und fördert die Gefühle, den Austausch und die Beziehung zwischen den Geschlechtern und findet seinen Höhepunkt im bewusst gelebten Augenblick. Sie hat weltweit die Bewegung Awakening Women ins Leben gerufen.

 

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Dem Geheimnis auf der Spur – David Steindl-Rast

Diese Reportage lässt uns teilhaben an der Biografie von Bruder David Steindl-Rast. Dieser inzwischen 90jährige immer noch sehr wache Benediktiner-Mönch beeindruckt in seiner Einfachheit und Tiefe. 45 Minuten wie eine Meditation. Weiterlesen ›

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Spiritualität und Coaching-Kompetenz

Das spirituelle HerzVon Lara Bernardi. Schon Anfang der 2000er Jahre habe ich ganz viele Führungskräfte gecoached. Dabei habe ich immer dasselbe festgestellt: Alle haben topp Fachkompetenzen. Was sie jedoch auch brauchen, ist eine gestärkte Persönlichkeit. Ausserdem war ich bereits damals überzeugt, dass die Neuen Führungskräfte in ihrer medialen Wahrnehmung geschult werden sollten. Weiterlesen ›

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Die spirituelle Depression

43134Matthias Dhammavaro Jordan. Die Ursachen depressiver Erkrankungen und Angststörungen sind sehr komplex und haben viele, oft nicht verstandene oder nachvollziehbare Ursachen. Ich möchte hier eine Form der Depression betrachten, die ich als spirituelle Depression bezeichnen möchte. Meist in der dunklen Jahreszeit werden Menschen vom depressiven Erleben erfasst. Sie erleben eine Niedergeschlagenheit, die einen Rückzug von der Welt, von anderen Menschen, von sich selbst, ja, von allem Schönen zur Folge hat.

Ein Radio fürs Herz

37645Der Name des neuen Webradios Echt & Herz ist Programm: Die Mentalpsychologin Marija Hardenberg möchte einen Raum eröffnen, in dem es um authentische Wege geht, im eigenen Leben ein neues Liebesbewusstsein zu kultivieren. Die letzten Kabel sind in dem kleinen Raum, der als Studio dienen wird, verlegt. Nun ist der Sendestart  am Donnerstag, den 24. Juli 2014 um 20.15 Uhr nur noch wenige Mausklicks entfernt.

Die 4 indianischen Gesetze der Spiritualität

29390Das 1. Gesetz sagt: “Die Person die Dir begegnet ist die Richtige” Das heißt, niemand tritt rein zufällig in unser Leben, alle Menschen, die uns umgeben, die sich mit uns austauschen, stehen für etwas, entweder um uns zu lehren oder uns in unserer Situation voranzubringen.

Frieden schaffen auf spiritueller Ebene

361 Wie können wir dauerhaft nicht nur Frieden in uns, sondern auch in der Welt schaffen? Die Friedensaktivistin Scilla Elworthy zeigt seit Jahrzehnten mögliche Lösungen auf und gründete u.a. die Friedensorganisation Peace Direct. Für ihr Engagement wurde sie schon drei Mal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Im nachfolgenden fasse ich ein paar Thesen ihres Vortrages beim Celebrate Life Festival 2010 zusammen, der zeigt, wie wichtig es ist, Frieden auch auf spiritueller Ebene zu schaffen. Und was jeder Einzelne dazu beitragen kann. Die Spirale der Gewalt durchbrechen 40 Prozent aller Friedensabkommen scheitern, und führen zu einem Wiederaufflammen des Konfliktes innerhalb von zehn Jahren. Warum? Weil sie oft von oben diktiert werden und die Zivilgesellschaft nicht in den Prozess mit einbezogen wird. So werden die Wunden des Krieges nicht geheilt und der Kreislauf der Gewalt geht weiter. Doch die Spirale der Gewalt (Bild oben links) kann auf vier verschiedenen Ebenen zurückgedreht werden: 1. Durch den Aufbau von physischer Sicherheit (z.B. durch Waffenstillstände, Abrüstung und Entwaffnung) 2. Durch den Aufbau von politischer Sicherheit (z.B. durch Friedensabkommen, der Durchführung von freien Wahlen und der Einführung der Pressefreiheit und des Demonstrationsrechts). 3. Durch den Aufbau von psychologischer Sicherheit (Wahrheits- und Versöhnungsprozesse initiieren, Dialog und Austauschprogrammen zwischen Ländern). 4. Durch Arbeit auf einer spirituellen Ebene, die im Folgenden näher beschrieben wird. Mandelas Vergebungsarbeit und Ho‘oponopono Spirituell ausgerichtete Initiativen sind am nachhaltigsten und tragfähigsten, weil sie an die Wurzel des Gewaltproblems gehen und sich mit dem tiefsten Schmerz befassen. Sie bringen auch die tiefste Sehnsucht im Menschen ans Licht, weil sie auf dem Wissen basieren, dass wir letztendlich alle Teil desselben Ganzen sind. Ein herausragendes Beispiel für spirituelle Friedensarbeit ist Nelson Mandela, der seine 27 Jahre lange Haft zur Schulung des Mitgefühls nutzte. Als Präsident von Südafrika bewies er das Güte, Beharrlichkeit und Respekt mehr bringen als Gewalt. Andere Beispiele ist die Vergebungszeremonie Ho‘oponopono in Hawaii, mit der Dr. Jew Len psychisch kranke Straftäter heilte. Entscheidender Hintergrund: Um unsere Realität zu verändern müssen wir uns selbst verändern. Weitere Beispiele sind in der Grafik oben rechts aufgeführt. Das Organ des Friedens bilden In den letzten zehn Jahren haben sich die Frieden fördernden Initiativen weltweit verfünffacht. Mehr als 2000 Organisationen arbeiten in Konfliktgebieten und jeden Tag werden es mehr. Und was können wir individuell mit Bewusstseinsarbeit zum Frieden beitragen? Stell Dir vor Du bist eine Imago-Zelle. Dies ist der Begriff, den Wissenschaftler den Zellen in einer Raupe gegeben haben, die den Bauplan für ein ganz neues Lebewesen enthalten. Wenn sie zum ersten Mal in Erscheinung treten, werden sie von der Raupe attackiert und abgestoßen. Aber nach und nach bilden sich immer mehr Zellen, ballen sich zusammen und formen die ersten Organe des neuen Lebenwesens. Die alte Form stirbt buchstäblich, während das neue Lebewesen aus dem alten geboren wird. Dies, so sagt Michael White, geschieht derzeit mit der Menschheit: “Jeder Mensch, der universalen Frieden im Herzen trägt, ist eine dieser Imago-Zellen, die sich zusammentun, um ein Organ des Friedens zu bilden.” Zur Person: Scilla Elworthy ist Gründerin von Peace Direct und der Oxford Research Group, wo sie an gewaltfreien Konfliktlösungen für Management und Politik arbeitet. Sie ist Mitglied im Weltzukunftsrat und Beraterin des Weltältestenrats, dem auch Nelson Mandela, Kofi Annan und Jimmy Carter angehören. Sie wurde mit dem Niwano Peace Prize ausgezeichnet und war drei Mal für den Friedensnobelpreis nominiert. Über Peace Direct: Bei jedem Konflikt, egal wo, wird es immer Menschen vor Ort geben, die Frieden aufbauen. Sudanesen im Sudan, Kolumbianer in Kolumbien, Srilanker in Sri Lanka. Sie verstehen den Konflikt und sie haben das größte langfristige Interesse am Frieden. Peace Direct findet und finanziert Menschen und Organisationen, damit sie ihre eigenen Strategien verfolgen können. 2004 wurde Peace Direct in Großbritannien als gemeinnützig anerkannt. 2005 gewann sie den Preis als “beste neue Wohltätigkeitsorganisation 2005”. Die Friedensarbeit wird in 12 Konfliktgebieten gefördert, darunter Irak und Afghanistan. Insight on Conflict ist Peace Directs öffentliche Informationsquelle zu Friedensinitiativen. Dort gibt es umfangreiche Informationen darüber, wie Menschen vor Ort daran arbeiten, einige der längsten und blutigsten Konflikte auf der Welt zu lösen. Seit August 2010 gibt es Peace Direct auch in Deutschland.

Heiliges Feuer: Den Wandel mit Liebe annehmen

366“Eines Tages, wenn die Welt es am meisten braucht, wird das heilige Feuer zu den Menschen am nördlichsten Punkt der Erde zurückkommen.” Diese alte grönländische Prophezeiung hörte Angaangaq Angakkorsuaqs schon als Kind. Aber damals gab es nicht mal Sträucher auf der größten Eisinsel der Welt. Woher sollte das Holz für das Feuer kommen? Trotzdem trug der Schamane 40 Jahre die Vision des Heiligen Feuers im Herzen und am 17. Juli 2009 entfachte er es tatsächlich. Denn zum ersten Mal seit tausenden Jahren wuchsen aufgrund des Klimawandels wieder Bäume auf Grönland. 120 Weltbürger, darunter sechzehn Schamanen und Älteste aus allen Kontinenten nahmen an der Sacred Fire Ceremony zu Füßen des gigantischen Russels-Gletschers in der westgrönländischen Tundra teil. Ihre Botschaft: “Wacht auf! Werdet bewusst! Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren!” Jetzt bringt der eindrucksvolle Bildband “Das heilige Feuer” diesen Aufruf zu vielen Menschen. Eine Pressekonferenz als Ritual Angaangaq, Schamane und Ältester der Kaalalit-Eskimos zelebrierte auch die Pressekonferenz zur Vorstellung des Buches im Bielefelder Verlagshaus. Jeden einzelnen Besucher begrüßte er mit einer Umarmung und lässt sich den Namen nennen. Seine Präsenz, die 5000 bis 6000 Jahre alte Robbenölampe und seine kreisförmige Qilaut-Windtrommel ließen die Buchvorstellung zum Ritual werden. Er sprach ergreifend über die Entzündung des Feuers in der Lampe und wie er das Öl über das Holz goss. Einen Moment, der sich zu Ewigkeit dehnte, schien das Feuer zu verlöschen und er spürte den Zweifel über die Richtigkeit seines Tuns in sich wachsen. Doch dann, fast wie durch eine Explosion, ergriffen die Flammen das Holz. Das heilige Feuer brannte und seine Mission war erfüllt. Doch der Klimawandel ist da und mit ihm alle Befürchtungen. Für Angaangaq hat er folgende Ursache: “Das Große Eis schmilzt, 20 Zentimeter am Tag, weil wir unser Wissen nicht weise gebrauchen, weil unsere Herzen zu Eis erstarrt sind.” Und sein Aufruf lautet: “Nur wenn wir das Eis im Herzen schmelzen, werden wir mit den Folgen der Erderwärmung umgehen können.” Seine einfachen und doch tiefgehenden Weisheiten hat er in dem lesenswerten Buch “Schmelzt das Eis in Euren Herzen” festgehalten. Darin schreibt er in vier Kapiteln über alle Gegebenheiten, welche die Feier, die Gaben, das Gleichgewicht und die Zeiten des Lebens ausmachen. Feuer und Eis und Gebete für die Welt Schamanen aus aller Welt waren bei der dreitägigen Feuerzeremonie zusammengekommen: Mohan Rai aus Bhutan, Maile Lama aus Nepal, Eduardo aus Bolivien, die Geschwister Rika und Yoshimaru Higa aus Japan, Dave Courchene und Art Cisneros, zwei nordamerikanische Indianer-Älteste, Mandaza Kandemva aus Zimbabwe, Wai Morgan von den Maori aus Neuseeland und Jane Goodall als UNO-Friedensbotschafterin. Aber wie schmilzt das Eis in den Herzen? Auch, weil das heilige Feuer nicht nur in Grönland brennt. Schon im Vorfeld der Zeremonie wurden überall auf der Welt Feuer entzündet, um für das große, globale Feuer im Norden zu beten und sich mit ihm zu verbinden. Knapp 200 Kuverts mit Asche streute Angaangaq in die Feuerstelle. Dafür, dass sich das physische auch mit dem kosmischen Feuer verband, sorgte Savjej aus Sibirien mit einem Ritual. Die Geister haben ihm gesagt, dass der Menschheit noch ein halbes Jahrtausend Zeit bleibe, um sich und Mutter Natur wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Eduardo, der koka-kauende Schamane aus den bolivianischen Anden ergänzt: “Wir müssen uns nicht um Mutter Erde sorgen, sie sorgt für sich selbst. Wir sollten sie dabei nur nicht behindern. Und wir sollten unsere Furcht verlieren.” Und Angaangaq beschwört: “Wir müssen den Wandel in Liebe annehmen. Dann können wir kreativ sein und etwas Gutes daraus machen… Und wir beginnen mit einem Lächeln. Ein Lächeln bringt – ohne ein Wort zu verlieren – das Eis in den Herzen der Menschen zum Schmelzen.” Hintergrund zum Buch: Angaangaq, geb. 1947, gehört den Kalaallit-Eskimo aus Westgrönland an. Er ist ein international gefragter Repräsentant indigener Völker, u.a. als Delegierter bei der UN und UNESCO. Seine Arbeit verbindet westliche wissenschaftliche Erkenntnisse und das traditionelle Wissen der Eskimos. Seit der Feuerzeremonie trägt er den Ehrentitel „Angakkorsuaq” – Großer Schamane. Der 154 Seiten umfassende Bildband “Heiliges Feuer – Schamanen Älteste für die Welt” ist eine mitreißende und umfassend bebilderte Reportage der dreitägigen Feuerzeremonie, die mit Portraits der beteiligten Schamanen und Ältesten aus aller Welt ergänzt wird. Sie alle versuchen die Menschen mit ihrem über viele Generationen überlieferten Wissen an eine demütige, respektvolle Haltung der Natur gegenüber zu erinnern. Das Buch wurde ökologisch korrekt gedruckt und als CO-2 Ausgleich Bäume gepflanzt. Der Fotograf Sven Nieder absolvierte sein Studium der Fotografie an der FH Bielefeld. Er arbeitet international als freier Fotograf, Filmemacher und Dozent. Bücher sind für ihn trotz aller Vorteile der digitalen Medien am nachhaltigsten, weil sie anzufassen, zu riechen und zu lesen sind. Die Autorin Angela Babel ist seit 1991 als Management Coach und Beraterin international tätig. Sie hat selbst an der Zeremonie auf Grönland teilgenommen. Das Heilige Feuer ist ihre erste große Autorenarbeit. Dr. Christoph Quarch beschließt das Buch mit einem Essay über die Bedeutung des heiligen Feuers für die westliche Welt. Er ist Philosoph und spiritueller Sinnsucher aus Leidenschaft. Für das Buch “Schmelzt das Eis in Euren Herzen” fungierte er Herausgeber.

Die Geschichte des Rates der 13 Großmütter

378 Sie sind 13 Frauen. Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen. Sie haben alle Hautfarben. Sie sind im Alter zwischen 60 und 86 Jahren. Ihre Verbindung ist eine des Gebens, der Bildung und der Heilung von Mutter Erde und all ihren Bewohnern für die nächsten 7 Generationen – und darüber hinaus. Der Rat der 13 indigenen Großmütter trifft sich seit 2004. Wie sie zusammen fanden und sich ihre Vision über die ganze Erde verbreitet ist eine magische Geschichte. Ich durfte sie auf dem Treffen von drei Großmüttern mit 150 Menschen in Bielefeld diese Woche direkt von der Initiatorin Jyoti (Jeneane Prevatt) hören. Wie alles begann Jyoti ist ganz in weiß gekleidet und sie spricht mit einer großen Selbstverständlichkeit und Liebe von der Mission der 13 Großmütter. Drei Jahre nach der Gründung der Kayumari, ihrer spirituellen Gemeinschaft in Kalifornien, sah sie in einer Vision die Große Mutter, die sprach: “Ich werde euch meinen Korb überreichen, darin befinden sich einige meiner kostbarsten Juwelen. Sie sind Gebetslinien, die zurückgehen auf die Zeiten des Ursprunges. Vermengt sie nicht, verändert sie nicht. Ihr müsst sie beschützen und sicher verwahren. Bringt sie über die Schwelle des Jahrtausends und gebt sie mir zurück, damit ich etwas zu tun habe.” Mit der Zeit konkretisierte sich die Aufgabe für die Gemeinschaft durch weitere Weissagungen wie “Wenn die Großmütter sprechen, wird sich für uns alle die Tür der Einigkeit öffnen.” Überwältigt vom Ausmaß ihrer Vision und unsicher über ihre Fähigkeiten, sie wahr zu machen, betete Jyoti um Unterstützung bei der Umsetzung. Die Antwort kam sofort: “Der Ursprung aller Dinge sind die Beziehungen. Beginne damit und alles weitere wird sich zeigen.” Also wandte sie sich an die Menschen, zu denen sie schon über Jahre bereits Beziehungen hatten und schickte schließlich 16 Einladungen an 16 Stammesälteste Frauen. 13 von ihnen sagten zu, die sich alle tief gerufen fühlten. Sie wussten, dass die Großmütter aus der geistigen Welt, die Weisen, die von der Menschheit vergessen, sie aufforderten, zu handeln. Für Jyoti ist die Zahl 13 kein Zufall, denn 13 Monde hat das Jahr. Auch die große Aufgabe wurde immer klaren, denn viele Prophezeiungen sagen, dass Frauen, den letzten Teil des Wandlungsprozesses in dieser Zeit leiten werden. Das große Erwachen steht bevor. Die Gründung des Rates der Großmütter 2004 Die erste Zusammenkunft der dreizehn Großmütter, die fand im Oktober 2004 auf dem Land der Irokesen in Phoenicia, New York, USA statt. Es war eine Zeit der Hoffnung, der Eingebungen und des Rates der Großmütter. Die weisen Frauen sind sowohl Frauen des Gebetes als auch Frauen der Tatkraft. Ihre überlieferten Wege des Lebens verbinden sie mit den Kräften der Erde. Seitdem haben sie sich alle sechs Monate wieder in der Heimat einer der Frauen zusammengefunden und reisten u.a. zum Dalai Lama und zum Vatikan in Rom. Das nächste Treffen findet im Oktober in Japan statt. Dazu bringen sie in kleineren Gruppen ihre zeitlosen Impulse in die ganze Welt. In diesem Rahmen besuchten Jyoti und die drei Großmütter Agnes Baker Pilgrim, Mona Polacca und Flordemayo am 3. und 4. August 2010 auch Deutschland. Sie beteten an den Externsteinen mit 140 Menschen für die Heilung der Erde. Ein Greifvogel kündigte die Ankunft der weisen Frauen an. Über 100 Frauen, 20 Männer, mehrere Kinder und Hunde bildeten einen Kreis mit Trommeln und Rasseln. Danach lauschten sie den Ausführungen über die Ehrung des heiligen Wassers und die Notwendigkeit zur Einheit von allen Völkern. Verschiedene Zeremonien verstärkten unter den Augen der “Steinmenschen” die Kräfte. Am Abend schauten alle zusammen den Film “For the Next 7 Generations”, der die Geschichte und das weltweite Wirken der 13 Großmütter beschreibt. Am zweiten Tag fanden zwei vertiefende Workshops statt. Ich konnte nur am ersten Tag mit dabei sein, aber mich hat das Treffen mit den Großmüttern nachhaltig berührt und bewegt. Ihre natürliche Kraft und Präsenz begleiten mich. Und jeden Morgen beginne ich mit einem Gebet, das Jyoti mit uns teilte: “Ich bin die heilige Mutter. Sie wohnt in mir. Und alles was sie braucht kommt ganz leicht zu mir.” Jyoti hat es geholfen, immer wieder die Kraft und das Geld, das für die Großmütter nötig ist, zu sammeln. Wir können es auch nutzen, um unseren Teil für eine Heilung von uns und Mutter Erde beizutragen. Buchtipp: Der Film über die Großmütter ist leider noch nicht in Deutschland zu beziehen. Aber es gibt ein Buch von Carol Schaefer: “Die Botschaft der weisen Alten: Der spirituelle Rat der Großmüter”. Die Botschaft der Großmütter: “Wir sind 13 Großmütter eingeborener Völker, uns eint die Verbundenheit mit den überlieferten Wegen des Heilens überall auf Mutter Erde – in Gebet, Ausbildung unserer Nachkommen und Heilung für unsere Mutter Erde, all ihre Geschöpfe sowie für die nächsten sieben Generationen. Wir sind sehr besorgt wegen der noch nie da gewesenen Zerstörung von Mutter Erde: der Verschmutzung der Luft, der Wasser und der Erde, der Grausamkeiten und Gräueltaten durch Kriege, der weltweiten Armut und des zunehmenden Hungers, der Bedrohung durch Kernwaffen und radioaktiven Abfall, der hemmungslosen Herrschaft des Besitzdenkens, der Seuchen, die die Gesundheit der Völker bedrohen, der Ausbeutung heilkräftiger Pflanzen und der mit all dem einher gehenden Zerstörung der Lebensweise eingeborener Völker. Wir glauben, dass die Lebensweisheit und Lebensweise unserer Ahnen mit Gebet, der Bewahrung des Friedens und der Kraft des Heilens heute lebensnotwendig gebraucht werden. Wir glauben, dass die Lehren unserer Ahnen uns den Weg durch die ungewisse Zukunft weisen. Wir nähren die gemeinsame Vorstellung des Lebens durch die in dem wir unsere unterschiedlichen Kulturen bewahren und beschützen: unsere Länder, unsere heiligen Bräuche, unsere Sprache, unsere Gebete und unsere Kinder nähren und bilden.”