Habe den Mut und geh

Foto: Sabrina Gundert

Foto: Sabrina Gundert

Von Sabrina Gundert. Folgen wir unserem eigenen Herzensweg, werden wir immer wieder Ängsten und Zweifeln begegnen. Gerade gestern sagte mir jemand, er habe die Angst aus seinem Leben verbannt, denn nur so sei es möglich, dem eigenen Weg wirklich zu folgen. Ich bin jedoch sicher, es gibt noch einen anderen, sanfteren Weg, geht es doch nicht primär darum, keine Angst mehr zu haben, sondern trotz Angst weiterzugehen. Das ist Mut.

Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich in den vergangenen Jahren – seit ich freiberuflich arbeite und damit meinem Herzensweg folge – schon unglaubliche Angst hatte. Angst zu scheitern, zu versagen, nicht gut genug zu sein. Angst, nicht genug Geld zu verdienen, keine neuen Ideen mehr zu haben. Angst vor dem Leben als solches, die meist vor allem auf einer Verstrickung in zig unrealistische Gedanken basierte.

Aus Angst wird Freude

Dabei fiel mir auf, dass das Überleben der Angst stets davon abhängig war, dass ich eine bestimmte Art von Gedanken aufrechterhielt. Möglichst gefährlich, groß und angsteinflößend mussten sie sein. Kam jedoch ein freudiges Telefonat, eine nette Begegnung, ein Lachen oder auch nur ein positiver Gedanke der ewig negativen Litanei des kleinen (und manchmal sehr großen) Griesgrams in meinem Kopf in die Quere, war es schnell vorbei mit der Angst. Zack – war die Leitung unterbrochen und ich von der Angst in die Freude gekommen.

Umgekehrt funktioniert das natürlich auch, doch auch hier reicht meist schon ein kleiner Spaziergang durch den Wald und schon hat sie sich wieder aufgelöst, die Angst, zwischen dem Beobachten von Vögeln, dem Genießen der Sonne auf der Haut oder dem Rascheln der Blätter auf dem Waldboden.

Die Flüchtigkeit von allem erkennen

Und wie sehr klammern wir uns doch oft zugleich an ein Gefühl oder einen Gedanken, definieren uns und unseren Wert gar über ihn. Nur, um dann festzustellen, wie äußerst kurzlebig und flüchtig er doch ist – und vielleicht sogar schon wieder verschwunden, kaum, dass wir uns es gerade gemütlich mit ihm eingerichtet hatten.

So dürfen wir uns das nächste Mal, wenn wir wieder einmal im Kopfkino feststecken, daran erinnern zu vertrauen und uns der Flüchtigkeit aller Dinge – in der äußeren wie inneren Welt – wieder bewusst zu werden. Die Angst anzulächeln, sie zu umarmen – und dann mit ihr gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen. Vielleicht hat sie sich bis dahin aber auch schon in Freude verwandelt.

 

Cover_Herzensweg_Kontur_DRUZur Person: Sabrina Gundert (25) ist freie Journalistin, Autorin und ­Seminarleiterin. Ihr Herzblut ist das Schreiben, die Natur und das ­Gehen des eigenen Lebenswegs. www.handgeschrieben.de

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