Auszeittagebuch Teil 1: Was Dir wirklich wichtig ist

Foto: Evelin Rosenfeld

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Evelin Rosenfeld aus Teneriffa im September 2014
Tag 1: Das fängt ja gut an !
4h30 – mein Wecker reißt mich aus dem Tiefschlaf, duschen, letzte Dinge in den Koffer, das Taxi ist zu 5h30 bestellt … nun noch Xina, meine Katze, die in Europa immer mit mir reist. „Xina…?“ … keine Antwort. Ich rufe, ich warte, ich locke, ich bete, ich drohe … nichts geschieht. Xina hat beschlossen, diesmal hier zu bleiben. Ich muss ohne sie gehen. Das fängt ja gut an…

Foto: Evelin Rosenfeld

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„Was Dir wirklich wichtig ist“ – so habe ich den Prozess genannt, durch den ich selbst vor 15 Jahren gegangen bin, und das Buch, in dem ich die inneren Vorgänge dieser Transformation zur Selbstbestimmtheit beschreibe. „Was Dir wirklich wichtig ist“ – das ist jetzt für mich, zwei Wochen zu dienen, zwei Wochen dafür sorgen, dass Wahrhaftigkeit und Transformation entstehen können, zwei Wochen rund um die Uhr die besten Bedingungen dafür zu schaffen, das fünf Menschen ihre Grundangst erkennen und meistern, dass sie zurück zu sich selbst finden, ihre Seele klar wahrnehmen können und ihr Leben verwandeln in einen freien Weg der Kraft und des Herzens.

Wir werden alle Formen der Klärung nutzen: die starke Struktur des Prozesses, Yoga, Reflektionen in der Gruppe, schamanische Reisen – vor allem aber die unberührte Natur, in die wir auf unseren langen Wanderungen tief eintauchen. Ich bin sehr gespannt, wie der Prozess diesmal verlaufen wird.

Im Taxi rufe ich mir die Seminarteilnehmenden in den Sinn: nur eine Frau und vier Männer. Drei fangen ganz neu an, mit der Sein-Woche, dem zentralen Teil des „Was-Dir-wirklich-wichtig-ist“-Prozesses. Und zwei „Fortgeschrittene“ kommen in der zweiten Woche, der Tun-Woche dazu, um die bereits erkannte und integrierte Berufung in eine umsetzbare Form zu bringen.
Die Vorgespräche sind gemacht, der „Prozess“, ist durch diese ersten, tiefen Begegnungen bereits initiiert. 
Diese fünf Menschen stehen am Anfang ihres spirituellen Weges, denn sie beginnen, die Regeln und Konventionen zu durchbrechen, in denen sie bisher „funktioniert“ haben und stellen die großen Fragen des Lebens: Wer bin ich ? Was ist wirklich wichtig ? Wie befreie ich mich von Angst und Druck und lerne, selbstbestimmt zu leben ?
Ich bin jedes Mal fasziniert, wenn ich Menschen begegne, die an diesen ganz entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben gekommen sind und tiefdankbar dafür, ihnen zur Seite stehen zu können. Mal sehen, wie sich diese Gruppe zusammenfügt.

Nach fünf Stunden Flug endlich erscheint Teneriffa im tiefblauen Meer, der Teide zeichnet sich in den markanten Zügen der Insel ab. Hier ist sie, die Vulkaninsel mit ihrer unglaublichen Transformationskraft: Heimat der Guanchen, nebel- und lichtgetränkte Lorbeerwälder und das Brodeln des Atlantiks vor märchenhaften Steilküsten.
 Ich verlasse den heißtrockenen Süden mit seiner bizarren, rot-gelben Landschaft rasch und mein ganzes Herz fiebert dem magischen Massiv des Anagas zu, dem ältesten Teil der Insel im Nordosten, der für die nächsten drei Wochen unsere Heimat sein wird.

mail-3Drei Tage Zeit, um die Casa für meine Gäste herzurichten, Vorräte für sechs Personen und zwei Wochen in die Berge zu schaffen, mich selbst dem Kraftplatz und dem anstehenden, tiefen Prozess zu verbinden. 
Am zweiten Tag sind alle organisatorischen Vorbereitungen getroffen und ich habe Zeit, hinauf in den magischen Lorbeerwald zu gehen und mich mit meinem Freund und Lehrer Carlos zu treffen. Jahrhundertealte Bäume, flechtenbehangen, zwischen obskuren Steinwesen. Es hat viel geregnet im Vormonat, sodass der Baranco Wasser führt und mich auf dem Weg zum ersten Kraftplatz begleitet. So viele Menschen haben hier schon den ersten und schwersten Schritt im Was-Dir-wirklich-wichtig-ist-Prozess gemacht, haben in der Ewigkeit dieses verborgenen Guanchenkreises ihre Ängste gerufen, ihre Masken fallen gelassen und eine tiefe Bereinigung alter Muster und Ängste erfahren. 
Hier lasse ich mich nun nieder, auf einer sonnenbeschienenen Felsplatte vor dem drohenden „Dunkelbaum“, wie mein Lehrer Carlos ihn nannte. Ich lasse mich fallen in die Stille, lausche der Energie des Platzes, verteile dann meine „Geschenke“ – Tabak, Mehl, Wein und Wasser – wie es mir der alte Brujo (Zauberer) beigebracht hat und bitte um Unterstützung für die Gruppe, die sich morgen in der Casa einfinden wird.

Foto: Evelin Rosenfeld

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Carlos reicht mir wortlos eine seiner Zigarren, die wir „verkehrt rum“ rauchen, uns reinigen und er liest aus der Asche, was die „muertes“ (die Toten) uns zu sagen haben. Er segnet mich, wir wandern noch ein wenig an der Steilküste entlang, und dann vereinen sich Sonne und Meer und tauchen die Landschaft in strahlendes Gold.
Und dann ist auch schon Samstag: Die Ankunft der Teilnehmenden, die ich auf dem Flugplatz im Süden abhole.
Fortsetzung folgt

Hintergrund: Sechs Menschen und Evelin treffen sich kurz vor Vollmond am 6. September im Anagagebirge – einer abgelegenen Gegend auf Teneriffa – um Ängste zu durchbrechen, die in alle Winde verstreuten Anteile zusammen zu holen, ihnen unter Lorbeerbäumen Leben einzuhauchen und im magischen Licht der Barrancos den Ruf der Seele zu hören. Seit 15 Jahren begleitet Evelin nun Menschen in diesem tiefen Transformationsprozess, der in Selbstbestimmtheit und ein authentisches Wirken führt.

Alle Informationen zu ihren Reisen  hier.

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