Zeit der Wandlung

Foto: Sabrina Gundert

Foto: Sabrina Gundert

Von Sabrina Gundert. Ich stehe vor dem Apfelbaum und staune. Prall und kräftig rot sind seine Früchte geworden, die vor wenigen Wochen noch wie kleine grüne Knubbel aussahen. Um mich herum: Braunes Feld, grüne Wiese, braunes Feld. Dort, wo kürzlich noch Weizen, Mais und Dinkel standen, umgeben mich jetzt nur noch Getreidestoppel. Der Herbst naht.

Es ist dieser Wandel, der mich immer wieder fasziniert. Der Wandel vom Sommer zum Herbst, ebenso wie der Wandel im täglichen Leben. Vom festen Job in die Selbständigkeit. Von der Single-Wohnung in die gemeinsame Wohnung mit dem Partner. Von der Idee zur eigenen Kreativwerkstatt. Wandel in all seinen Formen. Von schön bis beängstigend.

Wandel heißt, lebendig zu sein
Manchmal fällt es mir schwer mit dem Wandel zu gehen. Vor allem dann, wenn er so ganz anders aussieht als meine ursprünglichen Pläne. Wenn ich mich fürchte vor dem, was jetzt stattdessen vor der Tür auf mich wartet. Denn der Wandel bringt Neues mit sich, ebenso wie Unsicherheiten. Er fordert heraus, lässt neue Wege entstehen – und bringt jede in ihre Kraft.
Welchen Wandel erlebst du gerade in deinem Leben? Hast du dich gerade mit deinem Café selbständig gemacht? Geheiratet und bist mit deinem Partner zusammengezogen? Hast nach langer Reisezeit einen neuen Wohnort für dich gefunden? Oder erlebst du gerade eine Zeit der inneren Wandlung?
Nimm Stift und Papier und folge schreibend dem ersten Impuls, der auftaucht. Lass einen Text, eine Geschichte, ein Gedicht, einen Dialog entstehen – was immer jetzt entstehen will.
Was ist reif in deinem Leben?
Und wenn ich so dastehe, vor dem Apfelbaum, ringsherum die kahlen Felder und neben mir auf der Wiese die ersten gefallenen Früchte, dann frage ich mich, was in meinem Leben reif geworden ist. Was kann ich jetzt ernten? Und ich erinnere mich: Alles, was reif geworden ist, was lange genug am Baum gehangen hat, wird losgelassen.
Wie ist es bei dir? Was ist in deinem Leben reif geworden? Was darf losgelassen werden? Wenn du magst, nimm wieder Stift und Papier und folge dem Impuls, der jetzt auftaucht.

Foto: Sabrina Gundert

Foto: Sabrina Gundert

Sitzen und lauschen
Die Feldwege entlanggehend, muss ich meine Jacke enger um mich ziehen, der Wind bläst mir frisch ins Gesicht. Ich lausche nach innen, lausche nach außen – und stelle fest, wie sehr mich diese Zeit der wieder kürzeren Tage doch einlädt, nach innen zu gehen. Ob ich nach innen oder außen lausche, es lässt mich still werden, bindet mich wieder ein in die Rhythmen der Natur. Gerne sitze ich dann morgens nach dem Aufwachen im Bett und schaue durch das Fenster auf die Sonne, die sich dunkelorange hinter dem gegenüberliegenden Hügel emporschiebt. Jeden Tag ein wenig später. Zumindest solange, bis die Zeit wieder eine Stunde zurückgestellt wird.
Wie ist es bei dir? Was bringt dich wieder in Verbindung mit dir selbst? Ist es die aufgehende Spätsommersonne, bei der du am Morgen für einige Minuten ganz still wirst? Ist es der Apfelbaum in deinem Garten, neben dem du an einem warmen Nachmittag sitzt und dich ganz in ihn einfühlst? Oder ist es der Gang am See entlang, bei dem du den Wind spürst, der den Herbst schon mit sich trägt?
Wohin du auch gehst – nimm Stift und Papier mit, lausche, schaue und schreibe, unterwegs oder wieder zurück Zuhause: Was hast du gesehen? Was hast du gespürt – im Außen und in dir? Hast du den Wandel vom Sommer zum Herbst fühlen können? Den Rhythmus der Natur? Welche Qualitäten bringt er mit sich?
Kommst du mit?
Wache ich heute morgens auf, ist das Singen der Vögel schon deutlich leiser geworden als noch vor wenigen Wochen. Unterwegs mit dem Zug entdecke ich die vielen gelben und roten Baumspitzen und im Park ums Eck die ersten gefallenen Kastanien.
In mir wiederum stoße ich auf Ideen, die langsam reif werden. Erkenne, was ich jetzt loslassen und ernten darf. Und auch: Wo es genügt, einfach einmal nur zu sein.
Kommst du mit auf die Reise in diesen Spätsommer? Zu den sich im Wind jagenden Wolken, den über unseren Köpfen ziehenden Zugvögeln und dem raschelnden Laub unter unseren Füßen? Ich freue mich drauf!

 

Sabrina Gundert

Sabrina Gundert

Zur Person: Sabrina Gundert (26) unterstützt als Autorin, Seminarleiterin und Wegbegleiterin andere Menschen darin, ihren einzigartigen Weg zu entdecken – und ihm zu folgen. Ihr Herzblut sind das Schreiben, die Natur und das Gehen des eigenen Herzensweges. www.handgeschrieben.de

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