Die Verwandlung der Frauenklinik

Foto: Frank Ole Haake

Foto: Frank Ole Haake

Eine Frauenklinik beauftragt einen Mann die Decken und Wände neu zu gestalten. Für Frank-Ole Haake ist der Auftrag wie ein Wunder. Das Ergebnis ist wundervoll. In der „Carl-Gustav-Carus“ in Dresden fühlen sich Frauen, Männer, Neugeborene und alle Mitarbeiter durch Mandalas, Sonnen und kraftvolle Farben gestärkt. Nachfolgend schreibt der Künstler über den Prozess: „Für mich ist immer noch wie ein Wunder: ein Mann gestaltet die Wände und Decken in der Frauenklinik des Uniklinikums Dresden. Ein Mann, der selbst jahrelang Männerarbeit in Dresden gemacht hat – möglicherweise auch deshalb mein Staunen. Kann er das eigentlich, kann er sich in die Lebenswelt von Frauen einfühlen, sie künstlerisch umsetzen?

Diese Frage wurde nie laut gestellt. Mich hat sie immer wieder beschäftigt. Als ich das Projekt im Freundeskreis vorstelle, reichen die Reaktionen von Freude bis Abwehr: „Ein Mann im Kreißsaal, das geht gar nicht!“ Und ich denke, ich konnte zumindest an die Erfahrungen andocken, die ich in meinem Leben gemacht habe: Ich war bei der Geburt meines vierten Kindes dabei, bei zwei anderen war es noch nicht Thema, ein Kind starb schon vor der Geburt … Kenne den Stolz und die Freude, doch auch die Trauer und den Schmerz und den Umgang damit, die große Kraft des Lebens, die uns alle tragen kann.

Entbindungsstation Foto: Frank Ole Haake

Entbindungsstation Foto: Frank Ole Haake

Und immer wieder sehr viel Dankbarkeit … bis zum Schluss bleibt mein inneres Erstaunen, dass ich diese Aufgabe erhalten habe und friedvolle und heilsame Bilder malen durfte. Auch bei der Arbeit habe ich immer wieder viel Anerkennung und Respekt erfahren, Freude über die Bilder – es wurde eine wunderbare Zusammenarbeit zwischen vielen Frauen und einigen Männern. Die Frauenklinik, ein Ort, an dem Leben beginnt und auch endet. Der Kreißsaal mit Vorbereitungsräumen und Geburtssälen, ein Stockwerk höher vorgeburtliche und Wochenstation, und noch eine Etage höher: die Onkologie, das Brustzentrum und das Endometriose-Zentrum.

Ich bin bei meiner Arbeit mit Schicksalen bekannt geworden: Ein arabischer Mann freut sich in der Wochenstation über das erste Bild. Für ihn ist es, als ob es für seinen neugeborenen Sohn gemalt würde. In der Onkologie erlebe ich Schrecksekunden, Verzweiflung und Trauer, doch auch Trost. Ich selbst habe erst ein Mal das Gefühl: Ich scheitere, ich kann das nicht: 4 x 2 Meter weiße Wand …nach Brainstorming, nach Entscheidungsfindungen, Veränderungen, Probebildern, „Nein“ und „Das geht gar nicht!“ und doch immer wieder Weitergehen.

Erneute Entscheidungen und irgendwie ist alles beständig am Fließen und Werden – voller gegenseitigem Vertrauen. In der vorgeburtlichen Station übermale ich das Bild nach zwei Tagen Arbeit. Eine Entscheidung, die Erstaunen und Nichtverständnis hervorruft … und doch ein normaler kreativer Prozess … Ich denke, auch für die Klinikleitung, Ärzte, Schwestern, Hebammen und Schülerinnen, die Servicekräfte wird sichtbar, was es bedeutet ein Bild zu malen, es förmlich aus der Wand wachsen zu sehen, Stunde um Stunde, Tag für Tag. Ein Scheitern und ein Neuanfang sind Bestandteile.

Planzenmandala Hagebutte Frank Ole Haake

Planzenmandala Hagebutte Frank Ole Haake

Ich wachse mit den Bildern, überschreite eine Schwelle: Ich kann es und bekomme viel positive Resonanz. Es ist wohl für alle Beteiligten ein höchst spannender Prozess des Wandelns: Weiße Wände werden farbig, lebendig. Sterile Räume werden mitErdpigmenten gestaltet, an den Wänden erscheint ein Labyrinth, Menschen tanzen, ein Narr, Yin und Yang, die Blume des Lebens an der Decke …

Zu den hochspezialisierten und anerkannten medizinischen Kenntnissen und Fähigkeiten der Professoren, Ärzte und Schwestern und Hebammen fügen sich die Farben und Formen des Künstlers … eine Balance entsteht, die Heilungsprozesse beschleunigen kann.

In tiefer Dankbarkeit für das Erfahrene, Frank-Ole Haake

Ole Bildermensch bei der Arbeit

Ole Bildermensch bei der Arbeit

Zitat aus der Dokumentation: Von Anbeginn war der Wunsch der Klinikleitung nach Wärme und Schönheit.
Für mich als Außenstehender war eine Auseinandersetzung mit den Themen Leben und Tod, Gott und Transformation, Licht und Schatten u.ä. wichtig.
Sie floss in die anfängliche Bildgestaltung mit ein. Doch spätestens in der Onkologie hatte ich tief verstanden, dass es ein Recht auf Wärme und Schönheit gibt. Insbesondere für die Menschen, für die Schmerz, Krankheit, Hoffnung, Leben und Tod alltägliches Thema ist.
So wurden aus den pastelligen Farbtönen kraftvolle und strahlende Gelbtöne, der Regenbogen mischte sich ein,umkreiste alles.
Die Harmonie wurde die Verbindung. Harmonie, das Kind von Venus und Mars…
Ich lernte wieder malen

Hintergrund von Nils Ole erzählt: Die Idee stammt von der Uniklinik – konkret wohl von der leitenden Professorin. Doch, ein wichtiger Impuls ging möglicherweise auch von von mir aus. Ich habe vor 5 Jahren gespürt, wie kraftvoll meine Pflanzenmandalas wirken und habe sie dem Uniklinikum angeboten. Die Frauenklinik kaufte dann eines aus Spendengeldern. Und wir sind immer wieder im Kontakt geblieben, so dass die Klink dann Ende 2013 ein Weiteres kaufte. Und es wurde ein Prozess. Zu Beginn gab es den Wunsch nach 4 Wandbildern. Als die Mitarbeiter sahen, wie schön und kraftvoll es wurde, kamen weitere Wünsche … Kreißsaal, Wachzimmer, Tagesklinik. Hier eine Übersicht der Werke.

Hinweis: Frank Ole Haake möchte sein Projekt gerne an anderen Kliniken fortsetzen Kontakt hier.

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4 Kommentare zu “Die Verwandlung der Frauenklinik
  1. Irka sagt:

    Superprojekt, gefällt mir sehr gut und wird viel Heilung bewirken. Danke!

  2. Sydney sagt:

    Wunderschön!! Ich wollte mir gerne die pflanzenmandalas ansehen, aber der link zur „übersicht der werke“ funktioniert leider nicht.

  3. Andrea sagt:

    Diese wunderschönen Bilder sollten in jedem Krankenhaus die Wände und Decken schmücken und Heilung bringen. Was für ein wunderbares Projekt.

  4. Laila sagt:

    In meinem tiefen Wunsch nach kraftvoller Schwesternverbindung stoße ich
    immer wieder und gerade aktuell auch auf „Vor-Urteile, Wertungen,
    Ausschließen der Männer, Begrenzungen, GetrenntSein“…. ich glaube,
    dass ich in dieses Leben, auf diesen Planeten inkarniert wurde, um die
    Illusion des GetrenntSeins zu überwinden… die Kraft der Vereinigung
    des Weiblich-Männlichen in mir und im Außen zu erfahren, sei es durch
    tönen und Heiliger Geometrie, durch das singen
    von Mantren, tantrischen Erfahrungen, Begegnungen in der Natur und so
    vieles mehr…. indem ich meine eigenen BeGrenzungen und Vorstellungen
    überwinde erfahre ich EinsSein… dieser Artikel und die Bilder berühren mich gerade sehr und erfüllen mich mit großer Freude und Dankbarkeit! Wie im Innen, so im Außen – Wie im Kleinen, so im Großen – WIR ALLE sind Teil des Wandels – in diesem Augenblick – JEDE/R trägt seinen AnTeil dazu bei

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